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Immer hart am Mann: Jérôme Gondorf (rechts) nimmt sich des Bremers Serge Gnabry an.

Darmstadt 98

Treues Chamäleon

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Jérôme Gondorf hat vor der Saison etwas überraschend seinen Vertrag bei Darmstadt 98 verlängert – und bereut es nicht.

Jérôme Gondorf war weg, vier Wochen lang. Er ist nicht im klassischen Sinne verreist, er lag nicht in Italien am Strand oder wanderte in Österreich in den Alpen herum, und besonders erholsam war der Ausflug auch nicht. Aber er musste einfach sein, dieser Trip, der den Darmstädter Fußballprofi an einen Ort führte, zu dem keiner Zutritt hat außer ihm selbst: die eigene Mitte. Als er dann Anfang Juni wieder von sich selbst zurückgekehrt war, wusste er, was er zu tun hatte. Seinen Vertrag beim SV98 verlängern nämlich.

„Meine Frau sagt, ich sei damals vier Wochen abwesend gewesen“, erzählt der 28-Jährige heute. „Und wenn der Ehepartner so etwas sagt, dann heißt das schon was.“ Es muss Mitte Mai gewesen sein, als Gondorf abtauchte. Er hatte mit den Lilien gerade den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft, und wenn schon die Aufstiege zuvor unter akutem Wunderverdacht standen, von der dritten in die zweite, von der zweiten in die erste Liga, alles innerhalb eines Jahres, dann mutete der Verbleib in der deutschen Eliteliga noch ein wenig wundersamer an. Wichtige Spieler nutzten die Gelegenheit, um lukrativere Angebote anzunehmen, das Trainerteam um Dirk Schuster verabschiedete sich geräuschvoll zum FC Augsburg. Und Jérôme Gondorf rang mit sich selbst. Gehen? Bleiben?

„Es war eine schwierige Entscheidung“, sagt der Mittelfeldspieler, der im Sommer 2013 von den Stuttgarter Kickers ans Böllenfalltor gewechselt war. „Ich glaube, es ist völlig legitim in so einer Situation, dass man alle Optionen für sich prüft, und ich habe mir entsprechend Zeit gelassen.“ Am Ende ist er nicht nur nicht gegangen, sondern hat sogar ein neues Arbeitspapier unterschrieben, das ihn über die laufende Saison hinaus an die Südhessen bindet: „Weil ich der Meinung war – und immer noch bin –, dass das hier der richtige Weg ist für mich, um den nächsten Schritt machen zu können in meiner Karriere.“

Gondorf, der in Karlsruhe geboren wurde und auch immer noch so spricht, kennt sich aus mit Karriereschritten. Es war keine Laufbahn, die unausweichlich auf die Bundesliga zusteuerte, alles lief immer nach dem Prinzip ab: Mal gucken, ob das klappt. Mal gucken, ob der gut genug ist für die dritte Liga, erst bei den Kickers, dann bei den Lilien. Okay, war er dann. Aber zweite Liga, nunja, das könnte schon eng werden ... wie bitte? Die Bundesliga? Oha.

Gondorf hat die fußballerische Anpassung zur Kunstform erhoben, und immer war der Trainer Dirk Schuster in der Nähe. Er war es, der den Sechser nach Stuttgart lotste. Er war es, der ihn vom Wechsel nach Darmstadt überzeugte. „Die Sache ist doch die“, sagt Gondorf, Sohn einer Fußballerin und eines Handballers: „Er hat mir vertraut, ich habe ihm das Vertrauen zurückgegeben mit Leistung auf dem Platz. Ist doch klar, dass sich dann eine enge Beziehung aufbaut, wenn der Erfolg drumherum auch da ist. Er hat mir viel beigebracht, was Disziplin, Ehrgeiz und Mentalität angeht.“

Neuer Trainer, neuer Input

Nicht auszuschließen, dass der Schüler seinem Lehrmeister auch gerne nach Augsburg gefolgt wäre im Sommer. Nachtrauern mag er Schuster aber keineswegs. „Ich halte mich mit solchen Dingen nicht auf, das würde auch schiefgehen. Ich bin noch lange nicht an meinem fußballerischen Horizont angekommen, und der neue Input von Norbert Meier und seinem Trainergespann bringt mich nochmal weiter.“

In der neuen Saison hat der Input des neuen Trainers den SV98 und Gondorf immerhin schon so weit gebracht, dass die Lilien nach sechs Spieltagen fünf Punkte vorweisen können. Nicht so schlecht, nach dem großen Umbruch in der Sommerpause. „Die Punkte sind das eine“, findet Gondorf, „das andere ist aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist eine Entwicklung erkennbar. Das ist das wichtigste. Wir haben wieder eine gute Gruppe beisammen.“ Nächstes Reiseziel für Gondorf und die Lilien: Ein neues Klassenerhaltswunder.

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