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Torsten Frings.

Darmstadt 98

Torsten Frings soll die Lilien aufrichten

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Der ehemalige Bremer unterzeichnet bei Darmstadt 98 einen ligaunabhängigen Vertrag bis 2018. Für seine erste Station als Cheftrainer hätte er sich wahrlich eine leichtere Aufgabe aussuchen können.

Unweigerlich wird sich Torsten Frings bald wieder an seine Anfänge als Fußballer zurückerinnert fühlen. Damals, als er Mitte der 90er Jahre noch am altehrwürdigen Aachener Tivoli spielte, sah es ungefähr so aus, wo er bald trainieren wird. Der SV Darmstadt 98 löst sich – anders als die inzwischen in der Viertliga-Versenkung verschwundene Aachener Alemannia – nicht so schnell von seinem baufälligen Stadion. Die beengten Umkleide und die einfachen Bedingungen, die noch nach Schweiß und Arbeit riechen, gehören bewusst zum abstiegsgefährdeten Bundesligist, der im Slogan von sich behauptet, „aus Tradition anders“ zu sein.

Und Frings teilt nun mit, es füge sich, dass zwei Fossile unmittelbar nach Weihnachten zusammengefunden haben. „Ich brenne auf die Herausforderung in diesem speziellen Klub, der mit seinen besonderen Attributen bestens zu meiner Persönlichkeit passt.“ Der 79-fache Nationalspieler dient ab sofort im Zeichen der Lilie und soll die Südhessen ligaunabhängig bis 2018 als Cheftrainer führen.

Der mit erst acht Zählern nach 16 Spieltagen als Schlusslicht geführte Erstligist hatte nach der Trennung von Norbert Meier und dem Intermezzo von Interimstrainer Ramon Berndroth händeringend nach einer Lösung gesucht. Die Wahl fiel nun nach zuvor sieben Absagen auf den 40-Jährigen, der beim SV Werder bereits nach drei Spieltagen seinen Assistenten-Job verlor, weil er als wichtiger Zuarbeiter des am Ende völlig glücklosen Viktor Skripnik galt. Frings, der seine Fußballlehrer-Lizenz im März 2015 erwarb, verantwortete bei den Bremer Profis vor allem die emotionalen Ansprachen, führte weite Teile der Trainingsarbeit aus und diente als Ansprechpartner für die jüngeren Spieler – dass die Bremer Geschäftsführung auch ihn als Verantwortlichen für den Katastrophenstart mit ausgemacht hatte, hielt nun allerdings Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch nicht davon ab, seinen neuen Chefcoach mit so viel Lob einzudecken wie einen Weihnachtsbaum mit reichlich Lametta.

„Bei ihm spüren wir das ‚berühmte Feuer‘“

„Wir freuen uns, einen Cheftrainer verpflichtet zu haben, der als Person Geradlinigkeit und Authentizität verkörpert“, teilte der Wirtschaftsanwalt am Dienstag mit, der fieberhaft die Trainersuche geleitet und sich zuletzt auch noch eine Absage von Wunschkandidat Holger Stanislawski eingehandelt hatte. Frings, mit der Erfahrung von 402 Bundesligaspielen für Werder Bremen, Borussia Dortmund und dem FC Bayern gesegnet, soll auch auf der Liste gestanden haben. „Bei ihm spüren wir das ‚berühmte Feuer‘. Er verbindet Wille, Leidenschaft und Kampfkraft – genau jede Tugenden, die Darmstadt 98 ausmachen“, erklärte Fritsch.

In der Tat hatte Frings Aufsehen erregende Zeiten, wenn er – sofern bei besten körperlichen Kräften – diese Eigenschaften aufs Feld brachte. Auf dem Zenit seiner Schaffenskraft zur WM 2006 bildete er mit seinem Kumpel Michael Ballack eine kraftvolle Doppel-Sechs, in der der aus Würselen stammende „Lutscher“, so sein Spitzname, das kämpferische Element verkörperte. Es gibt nicht wenige, die behaupten, die Heim-WM im eigenen Land wäre mit einem Happy-End geendet, wenn nicht ausgerechnet der langmähnige Braveheart-Verschnitt im deutschen Mittelfeld wegen der Keilerei nach dem Elfmeterkrimi im Viertelfinale gegen Argentinien für das Halbfinale gegen Italien gesperrt gewesen wäre. Seine Niedergeschlagenheit hernach in der Kabine gilt als besonders bewegende Szene im WM-Film „Sommermärchen“.

Doch nur mit Reminiszenzen an die alten Zeiten wird Frings auf seiner ersten eigenständigen Trainerstation kaum reüssieren. „Ich bin mir der Schwere der Aufgabe bewusst, aber ich war immer ein Kämpfer und Teamplayer, und genauso werde ich ab sofort diese Aufgabe angehen“, heißt es vom neuen Hoffnungsträger, der am Donnerstag im Stadion am Böllenfalltor vorgestellt wird. Trainingsstart wird dann am 3. Januar sein, ehe die Lilien anschließend in ein Trainingslager in der Nähe von Alicante (Spanien) aufbrechen. Mit einer Trainerfigur, die nicht in die herkömmlichen Raster passt.

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