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„Eher schön“. So stufte Thomas Müller seinen Treffer zum 2:1 ein. Der Darmstädter Diaz nimmt’s staunend zur Kenntnis.

Bayern - Darmstadt

Thomas Müller einfach schräg

Bayern-Spieler Thomas Müller gibt einem surrealen Spielverlauf mit einem seiner komischen Tore eine sehr reale Wendung.

Von Maik Rosner

Viele Gesprächsthemen boten sich an nach dem durchwachsenen 3:1 des FC Bayern gegen Darmstadt 98. Der Treffer und die 0:1-Halbzeitführung für den Aufsteiger durch Sandro Wagners achtes Saisontor etwa (26.), mit dem er auch das Debüt des Münchner Winterzugangs Serdar Tasci vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Juventus Turin an diesem Dienstag verdarb . Oder Rafinhas rotwürdiger Ellenbogenschlag (39.), der nur mit Gelb geahndet worden war. Doch all diese Themen standen zurück hinter Thomas Müllers besonderen Fähigkeiten. Selbst bei den Gästen.

„Es ist ärgerlich, dass der FC Bayern immer das Tor des Monats gegen uns macht“, sagte Trainer Dirk Schuster und erinnerte an Xabi Alonsos Distanzschuss in den Winkel beim 1:0-Pokalsieg der Münchner. „Dann macht der so ein Ding, das ist einfach unglaublich, da fehlen einem die Worte“, sagte ähnlich erstaunt Lilien-Profi Florian Jungwirth. Die Rede war von jenem etwas ungelenken Fallrückzieher Müllers, mit dem dieser das Spiel in der 71. Minute gedreht hatte. Arturo Vidals Flanke hatte er mit dem Rücken zum Tor mit der Brust angenommen, ehe er den eigenartigen Fallrückzieher folgen ließ. Auf jeden Fall ein spektakulärer Treffer, und einer, der wieder einmal Müllers Gabe für die nicht immer besonders eleganten, aber sehr wirkungsvollen Lösungen unterstrich.

Als „eher schön“ stufte der Schütze sein 17. Saisontor ein. Er habe sich zuletzt die Auswahl zum Tor des Jahres angesehen, erzählte Müller, „und da war vielleicht kein so gewieftes Tor dabei, aber ein paar schönere“. So konnte man diesen nach Haltungsnoten nicht besonders hochwertigen, aber umso wichtigeren Treffer durchaus einordnen. Oder wie Matthias Sammer. Müllers Aktionen seien zwar „inhaltlich nicht immer zu beschreiben, aber es ist außergewöhnlich gut“, was dieser sich einfallen lasse, befand der Sportvorstand. Müller sei „mehr als ein Phänomen“.

Zwei Phänomene

Zuvor hatte das Phänomen nach ähnlichem Muster bereits das 1:1 erzielt (48.). Rafinha hatte geflankt, Müller nahm den Ball mit der Brust an und schoss im Fallen ein. Und dann war da ja noch Robert Lewandowskis 22. Saisontor (84.), sein 32. Pflichtspieltreffer im 32. Saisonspiel, nach Vorlage von Franck Ribéry, der erstmals seit seinem Muskelbündelriss am 9. Dezember bei Dinamo Zagreb wieder zum Einsatz kam. Noch ein hoffnungsvolles Zeichen vor Turin nach dieser durchwachsenen Generalprobe, die Tasci nicht zu einer Bewerbung für die Champions League nutzen konnte.

Erstmals seit dem 11. August 2013, als der Innenverteidiger noch für den VfB Stuttgart aufgelaufen war, kam er nun für die Münchner in der Bundesliga zum Einsatz. Sein letztes Spiel hatte der von Spartak Moskau ausgeliehene Profi am 30. November in der russischen Liga erlebt. Nun griff er bei Wagners 0:1 gleich zweimal nicht ein. Zunächst bei einer Flanke von links von Junior Diaz, die Wagner allerdings nicht richtig erwischte. Direkt danach bei Sandro Sirigus Flanke von rechts auf den kurzen Pfosten. Wagner lief und köpfelte ein, Tasci ließ ihn gewähren. „Das kann ich natürlich besser verteidigen“, gestand der 28-Jährige nach seinen beiden Stellungsfehlern binnen weniger Sekunden, „mir fehlt Spielpraxis“. Kurz nach der Pause wechselte ihn Trainer Pep Guardiola aus.

In Turin dürfte er Joshua Kimmich einen anderen Kollegen zur Seite stellen. David Alaba, diesmal Linksverteidiger, gilt als erste Option. Oder wagt Guardiola eine völlig ungeübte Formation? Die Fachkräfte Jérôme Boateng, Javier Martínez und Holger Badstuber sind verletzt. Wie der geschonte Philipp Lahm fehlte gegen Darmstadt auch der genesene Innenverteidiger Medhi Benatia. Doch Sorgen, sagte Müller, mache er sich wegen der in jedem Fall ungewohnten und nicht gerade kopfballstarken Abwehr nicht. Er geht die Reise lieber zuversichtlich an, auch wegen der offensiven Qualitäten der Bayern. „Ich freue mich drauf“, sagte Müller.

Positiv blicken auch die Darmstädter voraus. „Das war wieder mal ein sehr gutes Auswärtsspiel, das war 98 pur“, sagte Torwart Christian Mathenia nach dem leidenschaftlichen Kampf, „jetzt heißt es, das in Bremen zu bestätigen.“ Die gute Nachricht für die Lilien: Müller spielt dann nicht mit. Die schlechte: Dafür aber der ehemalige Münchner Claudio Pizarro, noch so ein Schlawiner.

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