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Umzingelt: Fabian Holland (von links), Jérôme Gondorf und Aytac Sulu bedrängen Thomas Müller.

Bayern - Darmstadt

Sonntagsschuss ins Lilien-Herz

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Darmstadt 98 verliert trotz großem Kampf 0:1 gegen den FC Bayern München, weil Douglas Costa den Ball unter die Latte knallt: Das Topspiel des Bundesliga-Sonntags in der Zusammenfassung.

Wenn der große Fußball zu Gast ist beim kleinen SV Darmstadt, dann kann es eng werden. Auch am Böllenfalltor hatte Carlo Ancelotti ja seinen Dolmetscher im Schlepptau, innig gedrängt saß man hinter den Mikrofonen des Medienraums, ehemals eine Kegelbahn: Der italienische Trainer-Maestro und sein treuer Übersetzer, in der Mitte dann Darmstadts Pressesprecher Tom Lucka und auf der anderen Seite Ramon Berndroth, der Interimstrainer des SVD. „Wir haben heute keine Räume gefunden“, sagte Ancelotti nach dem 1:0-Sieg seines FCB. „Darmstadt hat alles sehr eng gemacht.“ Er sah sehr schlecht gelaunt aus, und für einen Moment wusste man nicht, ob es Kritik war an den Rahmenbedingungen am guten, alte Bölle – oder doch Lob für die fleißige Abwehrleistung der Südhessen.

„Traumtor aus dem Irgendwo“

Ancelotti hat das gleich präzisiert, und natürlich hatte er die Lilien komplimentiert. Für ein leidenschaftliches Spiel, für eine unermüdliche Laufleistung, also alles in allem einfach dafür, dass sie den Bayern einen ziemlich unangenehmen Nachmittag bereitet hatten. „Wir hatten es schwer heute, nicht nur wegen unserer eigenen Leistung. Sondern vor allem wegen Darmstadt und ihrer Verteidigung“, sprach der 57-Jährige mit dem Mundes seinen Dolmetschers: „Zum Glück hat Douglas Costa dann eine Lösung für uns gefunden.“

Wo der Brasilianer diese Lösung genau auffand, spät in diesem Spiel, 71. Spielminute erst, das wusste Aytac Sulu nicht abschließend zu beurteilen. Als „Traumtor aus dem Irgendwo“ bezeichnete der Lilien-Kapitän diesen famosen Schuss, der eine hohe Flugkurve beschrieb, um schließlich unhaltbar für den Darmstädter Torwart Michael Esser von der Unterseite der Latte im Netz zu landen. „Costa kann man nicht immer verteidigen, manchmal sieht man seine Füße gar nicht“, so schnell bewege er sich über den Platz. „Und bei uns ist es derzeit einfach so: Wir machen den Ball vorne nicht rein, und am Ende fressen wir so ein Tor. Das ist das Einmaleins des Fußballs, wenn du unten drin stehst.“

Mehr sogar noch als beim 0:1 in Freiburg in der Vorwoche waren die Lilien betrübt über das Ergebnis. Weil sie dem phlegmatischen Rekordmeister tatsächlich alles abverlangt hatten, und weil sie genügend Chancen hatten, um selbst ein Tor zu schießen oder zwei, für ein schönes Unentschieden oder gar, man traut es sich kaum zu denken, einen Sensationssieg. Der Freistoß des starken Mario Vrancic ging knapp am Tor Manuel Neuers vorbei (58.), jenen von Jérôme Gondorf parierte der Nationalkeeper so nach vorne, dass Peter Niemeyer frei zum Kopfball kam – und aus kürzester Distanz an Neuer scheiterte (77.).

„Wir haben uns toll verkauft, haben alles reingehauen“, sagte Trainer Ramon Berndroth. „Wir wollten so spielen, dass die Fans hinterher stolz auf uns sind. Das hat geklappt.“ Der 64-Jährige hat es mit seinen Co-Trainern Dimo Wache und Kai-Peter Schmitz geschafft, die Hoffnung zurückzubringen ans Böllenfalltor, trotz Tabellenplatz 18., trotz der siebten Niederlage in Folge. Bei Hertha BSC, am Mittwochabend (20.30 Uhr) wird er zum letzten Mal den Chef geben, so sehr sich viele in Darmstadt auch ein dauerhaftes Engagement des sympathischen Fußballlehrers wünschen.

„Das geht schon deshalb nicht, weil Ramon beabsichtigt, nächstes Jahr in Rente zu gehen“, erläuterte SVD-Präsident Rüdiger Fritsch, der Berndroths Arbeit in höchsten Tönen pries („hat die Authentizität zurückgebracht in den Verein“). Man strebe ja eine Lösung mit Perspektive an. Dass diese Perspektive in Darmstadt auf den Namen Holger Stanislawski hört, wie ein Bericht der „Bild“ nahelegte, wollte Fritsch indes weder bestätigen noch dementieren. „Wir kommentieren keine Namen. Das ist ja kein einseitiges Wunschkonzert, es müssen ja auch Verträge gemacht werden“, sagte der Lilien-Boss zum Gerücht über den langjährigen St.Paulianer. „Wir haben am Mittwoch noch ein Spiel, und vorher passiert gar nichts.“

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