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Schon 2014 gegen den SVWW dabei: Lilien-Profi Marcel Heller. 

Darmstadt 98

Ringend ins Hessenderby

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Wehen Wiesbaden und Darmstadt treffen erstmals seit fünf Jahren wieder aufeinander.

Als der SV Wehen Wiesbaden und der SV Darmstadt 98 dieses Hessenderby zum bislang letzten Mal unter Pflichtspielbedingungen austrugen, ging es vordergründig um die Ehre. Die Darmstädter standen an diesem vorletzten Spieltag der Drittligasaison 2013/14 bereits als Teilnehmer der Aufstiegsrelegation fest, während der SVWW die Spielzeit einen Tabellenbereich weiter hinten austrudeln ließ. Heiß her ging’s natürlich trotzdem, in einem Derby ist der Faktor Ehre ja kein kleiner, und am Ende siegten die favorisierten Lilien gerade so mit 1:0.

Am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) stehen sich die Teams also erstmals seit fünf Jahren wieder im Wettkampf gegenüber, diesmal in der Zweiten Fußball-Bundesliga. Übrig geblieben von damals ist lediglich Marcel Heller im Darmstädter Kader, und gespielt wird um Punkte, die richtig wichtig sind. Vor dem zweitletzten Spieltag der Hinrunde trennen den Tabellenzwölften Darmstadt (18 Punkte) und den Siebzehnten Wehen Wiesbaden fünf Punkte.

„Wir wissen, dass das ein Spiel ist, das uns ein wenig Luft geben kann, wenn wir gewinnen“, sagte Darmstadts Trainer Dimitrios Grammozis. SVWW-Coach Rüder Rehm kündigte an, man werde versuchen „alles dagegen zu stemmen und über unsere Basics zu kommen.“

Es ist zurzeit an beiden hessischen Zweitliga-Standorten ein Ringen um Stabilität. Beim SVWW können sie sich nicht wirklich einen Reim drauf machen, warum die Rehm-Mannschaft in der einen Woche das Heimspiel gegen Holstein Kiel mit 3:6 verliert und in der nächsten dann beim, zugegebenermaßen arg taumelnden, Bundesligaabsteiger 1. FC Nürnberg mit 2:0 gewinnt. „Die Stabilität wollen wir uns zurückerarbeiten und Woche für Woche zeigen“, sagte Top-Torjäger Manuel Schäffler nach dem Erfolg in Franken am zurückliegenden Samstag.

Der Aufsteiger Wehen Wiesbaden, bei dem Stefan Aigner nach verbüßter Rotsperre wieder mitmachen darf, weiß, dass er nur mit kernigem Außenseiterfußball bestehen kann in dieser Liga, wobei sich so ein Außenseiterfußball naturgemäß in Auswärtsspielen leichter umsetzen lässt. Der 2:1-Erfolg in Stuttgart Anfang Oktober war ja mit absurd winzigen Spielanteilen zustandegekommen (15 Prozent Ballbesitz, 45 Prozent Passquote), und das war die zugespitzte Version des Wehener Erfolgsgedankens: Lauern und Kontern hoffen, dass am Ende des Konters irgendwie Schäffler an die Kugel gelangt. Der zweitbeste Torschütze der Liga hat alleine elf der 19 Tore des SVWW erzielt.

Auch den bisher einzigen Heimsieg haben die Profis aus der Landeshauptstadt mit den Zahlen einer Auswärtsmannschaft errungen, beim 2:0 gegen Osnabrück Ende September kam die Rehm-Elf auf gerade einmal 29 Prozent Ballbesitz. „Wir müssen die Underdog-Rolle annehmen und ekelhaft sein“, sagte Rehm vor dem Darmstadt-Spiel. Weshalb schwer davon auszugehen ist, dass die Gäste aus Darmstadt am Sonntag überwiegend am Ball sein werden, was einerseits ihrem spielerischen Anspruch entgegenkommt, andererseits aber auch nicht ganz unproblematisch ist für die Mannschaft von Trainer Dimitrios Grammozis. Die Lilien haben sich des Öfteren recht schwer damit getan, tiefstehende Gegner wirksam zu bespielen – was auch an der individuellen Qualität in der Offensive liegt. Ballbesitzspiel kann ja nur dann erfolgreich sein, wenn mit Dribblings Lücken in die gegnerische Abwehr gerissen werden.

„Wir wollen das wie ein Heimspiel angehen“, sagte Grammozis im Vorfeld und bezog sich dabei nicht nur auf die Taktik sondern auch auf den Umstand, dass sich 4000 Lilien-Fans auf die kürzeste Auswärtsreise der Saison begeben werden.

Das tatsächliche Heimspiel gegen das Spitzenteam Arminia Bielefeld hatte den Lilien zuletzt eine 1:3-Niederlage beschert, weil Gästestürmer Fabian Klos – der einzige in Liga zwei, der noch häufiger trifft als Manuel Schäffler – nach der Pause innerhalb von 83 Sekunden zweimal traf. Da aber die Leistung gegen die starken Ostwestfalen vor und nach dem Sekundenschlaf in Ordnung war, sahen die Darmstädter hinterher nicht allzu lange enttäuscht aus. „Das wirft uns nicht aus der Bahn. Wir sollten das Positive aus dem Spiel ziehen“, sagte Torwart Marcel Schuhen. Zum Beispiel das, was Trainer Grammozis anführte: „Wir haben gezeigt, dass uns ein Rückstand nicht zurückwirft. Die Mannschaft ist intakt, der Wille und Mut sind immer vorhanden.“ Für so ein Hessenderby sind das natürlich nur Mindestvoraussetzungen.

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