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Darmstadts Tobias Kempe schiesst das Elfmeter-Tor zum 1:0.

Darmstadt 98 - Dynamo Dresden

Pures Adrenalin bei den Lilien

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Mit Interimscoach Kai Peter Schmitz schaffen Lilien wichtigen 2:0-Sieg gegen Dresden.

Als nach 93 Minuten im Stadion am Darmstädter Böllenfalltor der Abpfiff ertönte, wusste Kai Peter Schmitz erst nicht so recht, wo er mit seinem ganzen Adrenalin hinsollte. Der Interimstrainer des SV 98 tippelte ein paar Schritte nach rechts, nach links. Dann drehte er sich zur Haupttribüne um. Schmitz reckte beide Fäuste in den Himmel und schrie seine Freude heraus. Es war nicht mehr als ein langgezogenes Jaaaa, aber eben eines, das trotz des Jubels im nahezu ausverkauften Bölle bis auf die Ränge zu vernehmen war.

Kai Peter Schmitz, 47 Jahre alt, seit 2016 beim südhessischen Zweitligisten angestellt, dort unter den Trainern Norbert Meier, Ramon Berndroth, Torsten Frings und Dirk Schuster vornehmlich für Athletikübungen und Videoanalysen zuständig, erlebte am Samstag einen Tag, den er mit Sicherheit nicht vergessen wird. Als Übergangstrainer – nach dem Spiel wurde die Verpflichtung Dimitrios Grammozis‘ als Schuster-Nachfolger kundgetan – betreute er einmalig seine Lilien beim 2:0 (1:0)-Heimerfolg gegen Dynamo Dresden. Die Darmstädter haben nun beruhigende sieben Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone. „Mit seiner coolen Art hat er uns sehr gut vorbereitet“, sagte Rechtsverteidiger Immanuel Höhn, auch Mittelfeldkollege Tobias Kempe ließ verlauten: „Kai hat uns hervorragend eingestellt.“

Der Trainer selbst wollte später sein Tun nicht allzu hochhängen. Er habe auch als Assistent von Schuster mitgelitten, habe auch da schon Spiele gewonnen und verloren, das sei alles kein großes Ding. Stattdessen analysierte er treffend: „Es waren zwei Teams auf Augenhöhe, aber das Spielglück war auf unserer Seite.“

Tatsächlich waren die Darmstädter auch aufgrund des „vielen Trubels“, wie Kempe es nannte, in den Anfangsminuten verunsichert. Zu viele Fehlpässe im Spielaufbau, dazu oft zu umständlich. Doch von Minute zu Minute fassten die Gastgeber mehr Mut. Sie hauten nicht jeden Ball nur weit nach vorne - der Hauptkritikpunkt an Schusters Spielweise -, sondern versuchten über weit nach vorne geschobene Außenverteidiger die Angriffe vorzutragen. Die einzige Chance blieb dennoch lange das von Höhn wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffene Kopfballtor (22.). Im Schlussakt des ersten Abschnitts sollte es aber doch noch klappen. Der auffällige Marcel Heller war auf rechts durchgestartet, nach einem Mini-Kontakt zu Boden gesunken und hatte einen Freistoß am Strafraum herausgeholt. Kempe schlenzte den Ball um die Mauer, Dresdens Rico Benatelli fuhr den Ellenbogen aus – Elfmeter. Kempe verwandelte (43.).

Mit der Führung im Rücken agierten die Darmstädter nach dem Seitenwechsel tiefer, zu tief. Dresden kam angetrieben durch den eingewechselten Baris Atik auf. Der Ex-Darmstädter war es auch, der nach 56 Minuten den Ball an den Pfosten setzte. Die Lilien ihrerseits fanden in dieser Phase große Räume in der Offensive vor, wussten diese aber erst in der 85. Minute zu nutzen. Heller flankte, Serdar Dursun köpfte zum 2:0 ein.

Und Kai Peter Schmitz? Der genoss seinen Moment im Rampenlicht. Nachdem er noch auf dem Feld zu seinen Jungs gesprochen hatte, begab er sich dann auf eine Ehrenrunde. Vor jeder Tribüne blieb er stehen, reckte beide Fäuste in den Himmel und schrie seine Freude heraus.

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