SV Darmstadt 98

Puppen im Tor

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„Von einem normalen Trainingsalltag kann nicht die Rede sein“, sagt Mathias Honsak vom SV Darmstadt 98.

Mathias Honsak klingt leicht verschlafen, als er sich pünktlich in die Telefonkonferenz mit der Presse einklinkt. Oder ist es Unsicherheit, die seine Stimme dünn werden lässt? Immerhin sei es für ihn das „erste Interview in diesem Format“, wie der Fußballprofi des SV Darmstadt 98 amüsiert erzählt, und am Ende ist es wohl beides, ein wenig Verlegenheit, ein wenig Müdigkeit auch. „Vollgas“ gebe man nämlich in den Trainingseinheiten, bekundet der gebürtige Wiener. „Dementsprechend fertig bin ich gerade.“

Das Setting, in welchem die Darmstädter Zweitligafußballer dieser Tage Gas in vollem Umfang geben, ist natürlich eigenwillig zurzeit, so wie überall sonst in Corona-Zeiten. Man trainiert in Sechsergruppen, die zu unterschiedlichen Uhrzeiten aufs Trainingsgelände am Böllenfalltor kommen, und die Spieler müssen meterweit Abstand voneinander halten, wenn sie ihre Übungen abspulen. Passen, laufen, vor allem laufen, und natürlich schießen. „Auch wenn nicht immer Torhüter im Tor stehen, sondern Puppen“, wie Mathias Honsak erläutert: „Von einem normalen Trainingsalltag kann nicht die Rede sein. Aber wir freuen uns trotzdem, wieder auf dem Platz zu stehen.“

Zuvor, als Training zu Hause angesagt war, ist der 23-Jährige nur fürs Lauftraining vor die Tür gegangen, den Rest der Zeit war er in der Wohnung, die aber glücklicherweise über eine schöne Terrasse verfügt. Auf der könne er entspannen, berichtet Mathias Honsak. Ansonsten spiele er Spiele mit seiner Freundin, die mit ihm in Darmstadt wohnt, oder er schaue Netflix, „und ich versuche, auch mal ein bisschen mehr zu lesen.“ Aktuell hat es Honsak ein Buch über Cristiano Ronaldo angetan, den portugiesischen Superstar, der schon „eine Art Vorbild“ für den Flügelstürmer sei, der vor der Saison von RB Salzburg nach Südhessen kam.

In Salzburg ohne Einsatz

Dort, in Salzburg, stand der ehemalige U21-Nationalspieler Österreichs zwei Jahre unter Vertrag, ohne auch nur ein einziges Pflichtspiel zu absolvieren. Stattdessen wurde er zweimal ausgeliehen, erst nach Altach, dann zum deutschen Zweitligisten Holstein Kiel. Vor der aktuellen Saison erfolgte schließlich der permanente Wechsel nach Darmstadt, wo er zunächst mit allerlei Verletzungen zu kämpfen hatte. Erst zuletzt schien er so richtig in Fahrt zu kommen, ehe Corona alles und jeden ausbremste und eben auch Mathias Honsak. Ende Februar gelang ihm, im vorletzten Spiel vor der Unterbrechung, beim 2:0 gegen den 1. FC Heidenheim sein erstes Tor im Lilien-Trikot.

Wie es weitergeht, wenn es weitergeht? Zur neuen Saison, wann und wie auch immer sie beginnen wird, kommt Markus Anfang als Trainer zum SV 98, so viel steht immerhin schon mal fest. „Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich habe positive Sachen gehört von den Kielern, die ihn noch erlebt haben“, berichtet Honsak, der nach Kiel kam, als Anfang gerade nach Köln aufgebrochen war.

Aber als die Sprache auf den zukünftigen Trainer kommt, lenkt Honsak das Gespräch ohnehin sehr schnell auf den gegenwärtigen, bald ehemaligen Coach des Tabellensechsten. „Wir wollen die Saison so erfolgreich wie möglich mit Dimi Grammozis beenden“, sagt der Linksfuß: „Wir hatten vor der Corona-Krise einen starken Lauf mit zehn Spielen in Folge unbesiegt. Den wollen wir fortsetzen.“

Und da klingt Mathias Honsak überhaupt nicht mehr verschlafen, sondern hellwach.

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