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Im Fokus der Kommunalpolitik: Änis Ben-Hatira.

SV Darmstadt 98

Problemfall Ben-Hatira

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Vor dem Kellerduell in der Fußball-Bundesliga gegen den HSV attackiert auch die Kommunalpolitik den Darmstädter Profi.

Wenn Probleme eine kostbare Ressource wären, dann wäre der SV Darmstadt im Moment ziemlich reich. Neben der schwierigen sportlichen Situation, die für sich genommen schon ein kompliziertes Mehrkomponentenproblem ist, muss der südhessische Bundesligist derzeit auch außerhalb des Platzes ordentlich Krisenarbeit leisten. Am Donnerstagabend sah sich der Verein gezwungen, sich erneut zur Debatte um Änis Ben-Hatira, 28, öffentlich zu äußern, dessen Engagement für die islamische Hilfsorganisation „Ansaar International“ weiter für Aufregung sorgt. Der Verfassungsschutz beobachtet den Verein in mehreren Bundesländern, im nordrhein-westfälischen Jahresbericht wird er beispielsweise als „fest mit der Salafistenszene verwoben“ eingestuft.

Neben Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte am Freitag auch die Grün-Schwarze Koalition die Lilien nun per Pressemitteilung dazu auf, gegen das Engagement des Deutsch-Tunesiers vorzugehen und sich „schnell und deutlich von der salafistischen Hilfsorganisation Ansaar International zu distanzieren“. Für Grüne und CDU ist „Ben-Hatiras Werben ein völlig falsches Zeichen im Kampf gegen Islamismus und Salafismus“. Und weiter: „Ben-Hatira gefährdet mit seiner Positionierung die Arbeit von Präventionsprojekten auf kommunaler und regionaler Ebene.“ Beuth hatte zuvor dem Radiosender hr-info gesagt: „Der Verein verpflichte sich in seiner Satzung, verfassungsfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegenzutreten. Ich gehe davon aus, dass die Satzung in diesem Fall zur Anwendung kommt.“

Ben-Hatira hatte sein Engagement für „Ansaar“ zwar bestätigt, Verbindungen zum islamischen Extremismus aber stets zurückgewiesen: Die Behauptungen stünden in komplettem Widerspruch zu dem, wofür sich Ansaar einsetze. Doch Beuth widersprach. Die Sicherheitsbehörden ließen sich nicht von Vorurteilen leiten, sondern von Recht und Gesetz, um die Werte des Grundgesetzes zu schützen. „Salafisten lehnen genau diese Werte ab und propagierten eine menschenverachtende und rückwärtsgewandte Ideologie“, sagte der Politiker.

Der Bundesligist reagierte am Donnerstagabend auf Twitter: „Der SV Darmstadt 98 steht zu seinen Werten und wirkt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen.“ Und: „Der SV 98 setzt sich intern weiterhin mit dem komplexen Sachverhalt auseinander“ und nehme dabei die Aussagen der involvierten Behörden – insbesondere des Verfassungsschutzes – selbstverständlich ernst. Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch wollte sich am Freitag gegenüber der FR nicht zum Thema äußern. „Wir haben gesagt, was wir sagen wollten.“

Trainer Norbert Meier erklärte auf der Pressekonferenz zum Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV am Sonntag (15.30 Uhr), dass „Menschen, wenn sie helfen wollen, auch etwas Gutes tun wollen.“ Ben-Hatira mache auf ihn einen ruhigen Eindruck. Zwischen den Spielern sei das Thema, sofern Meier dies einschätzen könne, kein großes Thema. Die Nebengeräusche um Ben-Hatira kommen für die Darmstädter auf jeden Fall zur Unzeit. Nach vier Liganiederlagen in Folge stehen die Lilien gegen den Tabellenletzten HSV ohnehin mächtig unter Druck.

Trainer Meier gelassen

Sollten die Südhessen wieder keine Punkte holen, dürfte sich die angespannte Stimmung um Trainer Meier weiter verschlechtern. Nach der Heimniederlage gegen den FC Ingolstadt (0:1) waren erste heftige Pfiffe und „Meier-raus!“-Rufe zu hören gewesen. „Wie wollen doch alle lieber Applaus hören“, sagte der 58-jährige Fußballlehrer, „aber wenn es mal nicht so läuft und die Menschen unzufrieden sind, dürfen wir uns davon nicht beeinflussen lassen.“ Die Stimmung in der Mannschaft sei weiterhin gut, und das müsse auch so sein: „Wir sind bestimmt keine ‚Lachsack-Kombo‘, aber ohne eine gewisse Lockerheit geht es auch nicht“, erläuterte Meier. Ob Änis Ben-Hatira, beim 1:3 auf Schalke angeschlagen ausgewechselt, am Sonntag mitspielen kann, ist noch offen. Ob sein Einsatz angesichts der aktuellen Umstände sinnvoll erscheint, ist eine andere Frage.

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