+
Einfach rein damit: Immanuel Höhn (links) trifft gegen Aue-Torwart Martin Männel.

Aue - Darmstadt

Das Prinzip Wut

  • schließen

Darmstadt 98 erkämpft beim Hinrundenfinale ein 2:2 in Aue.

Es lief die 50. Spielminute, als sich das Erzgebirgsstadion von Aue für alle Darmstädter in eine große Achterbahn verwandelte, mit einem Looping der Gefühle.

Erst waren sie ja im Auer Sechzehner aufgetaucht, die Darmstädter, nämlich in der Form, dass sie sich berechtigterweise große Hoffnung auf die wichtige Auswärtsführung machen durften; Mittelstürmer Serdar Dursun, treffsicherste SVD-Mann in dieser Saison mit sechs Toren, kam völlig frei auf Höhe des Elfmeterpunktes an die Kugel – klassischer Fall einer hundertprozentigen Chance. Dursuns Schuss jedoch hoppelte an den Pfosten und vom Pfosten zurück ins Feld.

Sofort trieben die Sachsen den Ball mit Tempo in die andere Richtung, dorthin, wo das Darmstädter Tor stand. Pascal Testroet machte im Sechzehner einen kleinen Haken, der SVD-Kapitän Aytac Sulu aus dem Spiel nahm, und überwand Torwart Daniel Heuer Fernandes mit einem platzierten Schuss ins lange Eck.

Pfosten hier, Gegentor da. Wenige Sekunden dazwischen. Man weiß dann, dass das eigentlich nichts werden kann an so einem Nachmittag. Andererseits: Was weiß man schon?

Am Ende eines hochemotionalen Spiels mit einer spektakulären zweiten Halbzeit im obligatorischen sächsischen Schneetreiben hatten sich die Lilien aus Darmstadt ein 2:2 (0:0) bei den Veilchen aus Aue gesichert – dank einer großen Willensleistung. Der bitteren Minute 50 war ja noch die ebenfalls wenig schmackhafte Minute 64 gefolgt, die das 2:0 für Erzgebirge brachte. Wieder durch Testroet, der einst eine Saison für  Kickers Offenbach spielte. 

Bezwungen von einem alten Offenbacher: Das war dann wohl zu viel für den SV Darmstadt. 

Fragen drängen sich auf

Mit enthemmter Entschlossenheit stürmte das Team von Dirk Schuster an, inspiriert vom zur Pause eingewechselten Marvin Mehlem. 76. Minute: Mehlem wurstelte sich im Auer Sechzehner durch, die folgende Flanke Slobodan Medojevics landete beim aufgerückten Innenverteidiger Immanuel Höhn, der aus kurzer Distanz den Anschlusstreffer herstellte. 78. Minute: Bester Darmstädter Angriff über die linke Seite, Fabian Holland lupfte auf Mehlem, der trocken ins kurze Eck zum Ausgleich traf. Und wären die Gäste sauberer mit ihren Konterchancen umgegangen, die es nach dem Ausgleich gab, die Achterbahnfahrt in Aue hätte für sie mit dem Hochgefühl des Sieges enden können. 

So hat die Schuster-Elf noch einmal einen unangenehmen Vorrundenabschluss abwenden können, gerade so. Dennoch stehen fünf sieglose Spiele nacheinander zu Buche in den zurückliegenden Wochen, bei Tabellenplatz 13 und konstant sieben Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Vor dem Rückrundenauftakt beim starken Aufsteiger Paderborn, der bereits am kommenden Sonntag ausgespielt wird (13.30 Uhr), drängen sich ein paar grundsätzliche Fragen auf in Darmstadt, und sie betreffen alle Mannschaftsbereiche. 

Abwehrchef Sulu zum Beispiel, 34, wirkte in Aue nicht nur beim Gegentor überfordert mit dem Zweitligatempo. Und die chronisch fehlende Struktur und Durchschlagskraft im Angriff wird auf Dauer eher nicht durchs Prinzip Wut und Wille kompensiert werden können wie am Sonntag in Aue. 

Die Darmstädter Achterbahnfahrt ist noch lange nicht vorbei. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion