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Tobias Kempe in Hannover.

Darmstadt 98

Power statt Pudelmütze

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Wie Tobias Kempe bei Darmstadt 98 vom Held zum Auslaufmodell zum Hoffnungsträger wurde.

Die Zeiten ändern sich schnell im Fußball, und mit ihnen die Bilder. Unter dem Suchbegriff Tobias Kempe spuckten einem die Datenbanken vor ein paar Wochen noch die Fotos eines Mannes mit Pudelmütze aus, der sich traurig dreinblickend den Weg zu seinem Tribünenplatz bahnt. Inzwischen müssen die Fotografen ihre Objektive wieder auf den Fußballplatz richten, wenn sie Kempe erwischen wollen. Er hat die Pudelmütze ausgezogen, und jetzt schießt und jubelt er wieder im Trikot des SV Darmstadt 98, und der Fußball-Zweitligist hat das auch dringend nötig.

Tobias Kempe, 30, ist innerhalb weniger Monate vom Held zum Auslaufmodell zum Hoffnungsträger geworden bei den Lilien. Mit seinen Toren und Vorlagen hatte der offensive Mittelfeldspieler maßgeblichen Anteil daran, dass der Klub in den vergangenen Jahren den Klassenerhalt in Liga zwei schaffte.

18 Scorerpunkte sammelte er in der Saison 2017/18, 16 immerhin in der Spielzeit drauf. Und doch hatte Trainer Dimitrios Grammozis zur neuen Saison das Bedürfnis, auf andere Spieler als Kempe zu setzen, der gewiss nicht mehr der jüngste und dynamischste ist. Und jung und dynamisch soll es ja sein, das Lilien-Spiel, wozu Profis wie Tim Skarke, 23, Mathias Honsak, 22, und Braydon Manu, 22, verpflichtet wurden.

„Es ist keine Entscheidung gegen Kempe, sondern für eine neue Art und Weise, wie wir uns als Team präsentieren möchten“, wurde Grammozis zitiert: „Wir wollen offensiver agieren, wir wollen jungen Leuten die Chance geben, sich bei Darmstadt 98 zu präsentieren und dem Verein neue Impulse geben.“

Standards und Spielstärke

Aber die Impulse ließen sich dann bitten. Flügelspieler Honsak war lange verletzt, Manu ist es immer noch. Skarke legte zwar einen Raketenstart in die Saison hin, danach aber verflachte seine Formkurve, während der bereits arrivierte und doch noch junge Marvin Mehlem, 22, sichtlich mit sich selbst zu kämpfen hatte. Und für den arrivierten, aber nicht mehr ganz so jungen Marcel Heller, 33, nimmt die rechte Außenbahn immer mehr die Gestalt einer Sackgasse an. Nicht zuletzt aufgrund der ziellos wirkenden Angriffsbemühungen gerieten die Lilien in ihre alljährliche Herbstkrise.

Dass die sich diesmal nicht ganz so bedrohlich ausnimmt, liegt nicht nur, aber auch an Kempe. Es geht nicht ohne ihn, noch nicht jedenfalls, das scheint dann auch Grammozis realisiert zu haben. Seit Ende Oktober ist Kempe wieder Stammkraft im zentralen Mittelfeld. Seine hochqualitativen Standards sind genauso unabdingbar fürs Team wie seine Spielstärke. Drei Scorerpunkte in vier Spielen stehen in seiner aktuellen Statistik, die am Sonntag (13.30 Uhr) weiter ausgebaut werden soll: Im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Arminia Bielefeld.

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