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„Sonst wären wir alle Tennisspieler geworden.“ Dominik Stroh-Engel.

Lilien-Stürmer Stroh-Engel

Der perfekte Teamplayer

Der einstige Darmstädter Aufstiegsstar Dominik Stroh-Engel spricht im Interview mit der FR über sein Verständnis als Teamplayer von der Bank.

Von Jan Christian Müller

Dominik Stroh-Engel war in der Aufstiegssaison 2014 der absolute Starspieler von Darmstadt 98, als er in der Dritten Liga 27 Tore erzielte. In der zweiten Liga gelangen dem 1,95 Meter großen Mittelstürmer immerhin noch neun Treffer und vier Vorlagen. In der ersten Liga fehlte der 30-Jährige dann seit dem sechsten Spieltag bis auf eine Ausnahme in der Startelf der Lilien. Aber seine Intelligenz, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit haben den Mann, der seine ersten Profispiele vor mehr als zehn Jahren für Eintracht Frankfurt absolvierte, dennoch einen wichtigen Mann im Kader der Lilien bleiben lassen. Beim letzten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach hofft er nun, dabei zu sein.

Herr Stroh-Engel, Sie sollen am vergangenen Wochenende den Klassenerhalt ausgelassen mitgefeiert haben. Stimmt das?
Ich glaube, jeder von uns hat ordentlich gefeiert. Es gab ja auch einen sehr guten Grund dazu. Es ist eine Riesenlast von unseren Schultern gefallen, denn wenn man so kurz davor steht, will man es unbedingt packen.

Was ging ab?
Die Fans, die uns am Flughafen empfangen haben, haben uns schon Getränke in die Hand gedrückt. Dann sind wir nach Darmstadt gefahren und  haben mit den Tausenden Fans, die dort waren, weitergefeiert, danach sind wir was essen gegangen und dann noch in die Stadt zum Feiern.

Und das bis ins Morgengrauen?
So spät war es gar nicht. So bis halb drei ungefähr.

Sie wohnen ja in Wiesbaden. Sind Sie dann noch selber gefahren?
Nee, ich bin gefahren worden. Natürlich!

Ihr Teamkollege Marcel Heller sprach angesichts des Klassenerhalts vom achten Weltwunder. Wie sehen Sie es?
Naja, den Experten zufolge waren wie ja vor Saisonbeginn das zweite Tasmania Berlin.

Die sind 1966 mit 15:108 Toren und nur zwei Siegen und vier Unentschieden abgestiegen. Als schlechtester Bundesligist aller Zeiten.
Ja, und so wurden wir halt auch eingeschätzt. Aber wir haben den Kampf angenommen und ihn bestanden. Vor allem durch Willen und Teamgeist. Das hat viele überrascht. 

Habt Ihr Euch selbst auch überrascht?
Ja, das haben wir. Vor allem haben wir jedes Spiel genossen. Und irgendwann haben wir auch gemerkt, dass wir unsere Punkte tatsächlich holen und es schaffen können. Das war cool.

Auch für Sie selbst? Oder haben Sie den Trainer manchmal sogar ein bisschen gehasst, weil er Sie nicht mehr berücksichtigt hat?
Nein, auf keinen Fall. Wir wissen alle, woher wir kommen. Und ich habe auch meinen Teil dazu beigetragen, als wir zu Beginn der Saison in Leverkusen gewonnen und auf Schalke einen Punkt geholt haben.

Was trägt man als Spieler zum Erfolg bei, der nur noch selten spielt?
Es geht darum, da zu sein, wenn einer einen Fehler macht und ihn gerade dann zu unterstützen, wenn er mal ein Scheiß-Spiel gemacht hat. Sonst wären wir alle Tennisspieler geworden oder  andere Einzelsportler. Ich sehe mich absolut als Teamplayer und habe aus der Situation das Beste gemacht.  

Das klingt so, als ob es so einfach ist, auf einmal damit klarzukommen, als Aufstiegsstar, dem die ganze Stadt zu Füßen gelegen hat, nur noch auf der Bank zu sitzen. Das ist doch schwierig, oder?
Ja, da haben Sie Recht. Das ist schwierig. Ich habe mir aber gesagt, dass ich alles fürs Team geben muss und mich für die Mannschaft einsetzen muss, weil es ums große Ganze geht und wir nur als Team bestehen können. Aber natürlich hatte ich manchmal auch die Faust in der Tasche und habe mich gefragt: Warum spiele ich denn schon wieder nicht, obwohl wir zwischendurch ja auch mal acht Spiele nicht gewonnen hatten. Mit der Enttäuschung musste ich klarkommen.

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Sind Sie da nicht mal zum Trainer gegangen und haben sich zumindest dezent beschwert?
Nee, ich bin schon alt genug und kann mit einer solchen Situation umgehen. Der Trainer musste nicht extra mit mir reden, ich dann auch nicht mit ihm. Der Trainer liefert hier absolut super Arbeit. Er hat seine Argumente und hat in drei Jahren alles richtig gemacht. Da gibt es überhaupt nichts zu diskutieren.

Wie hat Ihnen denn der Dominik Stroh-Engel 2015/16 gefallen, der dann plötzlich Sandro Wagner hieß?   
Dass Sandro eine so überragende Saison spielen würde, war nicht vorauszusehen. Ich hätte natürlich auch gern seine Rolle eingenommen, und ich weiß auch, dass ich meine Tore gemacht hätte. Aber er hat absolute Topform gezeigt. So einen tauscht man nicht aus. Davon habe ich in den Jahren zuvor ja auch profitiert.

Wie ist das Verhältnis zu Sandro Wagner?
Das ist absolut in Ordnung. Wir unterhalten uns ganz normal und arbeiten hier zusammen. Man stellt seine eigenen Eitelkeiten hintendran. Das ist bei uns in Darmstadt so, und das wird auch so bleiben. Sonst würden wir das, was wir erreicht haben, nicht wieder schaffen. 

Sandro Wagner hat neulich in einem Aufsehen erregenden Interview gesagt, zwölf Millionen Euro, die ein Bayernstar pro Jahr brutto kassiert, seien womöglich noch zu wenig. Haben Sie dazu auch eine Meinung?
Ich habe dazu eine Meinung, aber die werde ich nicht sagen. Nur so viel: Bundesligaspieler dürften sich eigentlich nicht beschweren.

Sind Sie fit fürs Spiel gegen Mönchengladbach? Sandro Wagner ist ja gelb-rot gesperrt.
Ich bin fit. Und ich habe das Gefühl, in den letzten Wochen auch gut trainiert zu haben.

Wären Sie sehr enttäuscht, wenn Sie nicht spielen würden?
Naja. Ich habe dem Verein viel zu verdanken und ich denke, der Verein hat mir auch viel zu verdanken. Von daher wäre ich schon etwas enttäuscht, wenn ich nicht ran dürfte. Es ist alles ein Geben und Nehmen. 

Sie haben noch einen Vertrag bis 2017. Wollen Sie den erfüllen, auch wenn Sie Gefahr laufen, nicht regelmäßig zum Einsatz zu kommen?
Ich erfülle meinen Vertrag, egal, was passiert. 

Welche Partypläne gibt es noch für die Tage nach dem Saisonende?
Wir fliegen, wie jedes Jahr, mit einem Teil der Mannschaft nach Mallorca. Und vorher feiern wir  noch mit den Fans am Karolinenplatz. 

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