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Die Darmstadt-Profis Terrence Boyd (l.) und Tobias Kempe nach der Niederlage gegen Duisburg.

Darmstadt 98

Ordentliches Chaos

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Wenn der VfL Bochum auf den SV Darmstadt 98 trifft , ist das auch die Begegnung unterschiedlicher Krisenzustände.

Die Zweite Bundesliga verfolgt seit Saisonbeginn ihre ganz eigene Chaostheorie, mit einiger Konsequenz muss man sagen. Oben ist unten und unten ist oben in dieser seltsamen Verkehrtherum-Liga. Die Aufsteiger aus Kiel und Duisburg haben sich nachhaltig ins Rennen um die ersten drei Plätze eingemischt, während ehrgeizige Teams wie Bochum und Darmstadt ein trauriges Kellerdasein fristen.

Wenn am heutigen Freitagabend der VfL Bochum (Tabellen-14., 23 Punkte) auf den SV Darmstadt trifft (16., 22), ist das auch die Begegnung unterschiedlicher Krisenzustände. Denn während die Lilien aus Südhessen gerade dabei sind, unter dem neuen, alten Trainer Dirk Schuster für Stabilität zu sorgen, kontern die Bochumer das Liga-Chaos gerade mit selbstgemachtem Durcheinander: Am Mittwochabend gab der VfL den Rauswurf von Trainer Jens Rasiejewski bekannt. Und wo man gerade dabei war, führende Mitarbeiter zu entlassen, wurde auch gleich der Sportdirektor Christian Hochstätter verabschiedet – jener Mann, der im Sommer noch den Aufstieg als Ziel ausgegeben hatte.

Rasiejewski, von 1999 bis 2002 Profi bei Eintracht Frankfurt, war nach dem berüchtigten Journalistenanknurrer Gertjan Verbeek und nach Ismail Atalan bereits der dritte Bochumer Trainer in der laufenden Spielzeit. Co-Trainer Heiko Butscher, zwischen 2012 und 2013 ebenfalls Eintrachtprofi, wird gegen Darmstadt zwar auf der Bank sitzen, doch der 37-Jährige gilt nur als Übergangslösung für maximal zwei Spiele.

Für Christian Hochstätter springt der bisherige Teammanager Sebastian Schindzielorz ein. Offenbar hat der Ex-Profi gute Chancen, auch über die laufende Saison hinaus Sportvorstand zu bleiben. In Bochum sind sie in erster Linie froh, dass der unbeliebte Hochstätter weg ist. Selbst der ehemalige Kapitän Felix Bastians, der sich mit Hochstätter überworfen hatte und nach China flüchtete, äußerte seine Genugtuung über die Nachricht mit einem gehobenen Daumen bei Facebook.

Die Darmstädter treffen also auf einen Klub, der gerade irgendwo zwischen Aufbruch und Untergang steckt, aber Trainer Schuster dürfte das nicht groß kümmern. Das Ausbalancieren der eigenen Mannschaft steht im Vordergrund – Kontinuität statt Wandel lautet aktuell die Devise. Nur eine Veränderung hat Schuster in den ersten drei Spielen seit der Winterpause an seinem Team vorgenommen, inklusive dem Abbruchspiel gegen Kaiserslautern: Dong-Won Ji spielte beim Sieg in St. Pauli (1:0) für Jan Rosenthal. Beim 1:2 gegen den MSV Duisburg nominiert Schuster gar exakt den gleichen 18-Mann-Kader wie in Hamburg. Und: Bis auf Kevin Großkreutz und Joevin Jones bildete sich die erste Elf bislang ausschließlich aus Spielern, die Schuster in Darmstadt bereits trainierte oder sie selbst verpflichtete. (mit sid)

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