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Weiß mit dem Ball umzugehen: Lilien-Innenverteidiger Immanuel Höhn.

Darmstadt 98

Ohne Trallala nach Bochum

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Die Lilien beschwören bei der Rückkehr von Trainer Grammozis an alte Wirkungsstätte den „neuen Weg“. Verteidiger Immanuel Höhn: „Wir sind wahnsinnig ehrgeizig“.

Dass es ein mindestens mittelgroßes Hallo geben wird, wenn Dimitrios Grammozis am Samstag nach Bochum kommt, lässt sich schwerlich vermeiden. Bevor der Mann im Februar 2019 als Trainer beim Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98 anheuerte, war er ja sieben Jahre beim VfL Bochum beschäftigt, ein Jahr noch als Spieler bei der zweiten Mannschaft, dann als Trainer in diversen Rollen im Jugend- und Erwachsenenbereich. Der Klub aus dem Ruhrpott, das darf man so sagen, hat den Trainer Grammozis maßgeblich geprägt. „Ich freue mich, nach Bochum zurückzukommen, ich hatte dort sehr schöne Jahre und habe viel Erfahrung sammeln können“, sagte der 42-Jährige am Donnerstag. Er wird viele Hände schütteln vor dem Spiel um 13 Uhr, und er wird es gerne tun, aber die Wiedersehensfreude hat auch seine Grenzen: „Ich komme nicht dahin und sage: ‚Trallala, ich bin wieder hier, und jetzt können wir uns alle umarmen‘.“ Dafür ist dieses Spiel auch viel zu wichtig.

Harmlose Offensive

Sieben Spieltage ist die laufende Zweitligasaison erst alt, aber weder den Bochumern noch den Darmstädtern bereitet der Blick auf die Tabelle Freude. Die 98er finden sich mit sechs Punkten auf Rang 15 wieder, zwei Plätze und zwei Punkte vor den Bochumern, bei denen kürzlich Thomas Reis den glücklosen Robin Dutt als Coach ablöste. Für die Kürze der Zeit haben die Lilien seit Saisonstart schon ein bemerkenswertes Auf und Ab hingelegt, doch der Eindruck, dass die Leistungen in den vergangenen Wochen wieder nach oben tendierten, steht im Missverhältnis zum Punktekonto. 3:3 gegen Nürnberg. 0:1 in Heidenheim.

„Unser Punktekonto ist verbesserungswürdig“, sagt Dimitrios Grammozis: „Die Art und Weise, wie wir uns präsentieren, ist im Soll.“ Und diese Art und Weise zeige, dass man „auf dem richtigen Weg sei“, findet der Trainer. Dieser Weg sieht – defensive Stabilität natürlich vorausgesetzt – einen spielerischen Ansatz vor, mit flachen Aufbauspiel aus der Abwehr heraus, und wenn das in den vergangenen Wochen schon recht passabel aussah, machte den Lilien vor allem auch die eigene Chancenverwertung zu schaffen. Sechs Torerfolge in sieben Spielen – zusammen mit den ebenfalls zahnlosen Kielern weisen die Südhessen bislang den harmlosesten Angriff auf. „Man kann im Fußball vieles nicht beeinflussen, ein gewisses Spielglück gehört dazu“, findet Grammozis, der sich vom Zufall aber nicht beirren lassen will. „Wir haben nach dem Klassenerhalt im Sommer entschieden, eine neue Art von Fußball in Darmstadt zu implementieren“, sagt er. „Dass es dabei auch mal stockt, ist ganz normal.“

Ein zentraler Bestandteil dieser Implementierung neuer, spielerischer Ansätze ist dabei Innenverteidiger Immanuel Höhn. Erstmals seit seinem Wechsel vor drei Jahren vom SC Freiburg nach Darmstadt darf sich der 27-Jährige als Stammspieler fühlen. In allen bisherigen sieben Ligaspielen stand er 90 Minuten auf dem Platz. Dabei kommt dem gebürtigen Mainzer entgegen, dass Grammozis, anders als manch Vorgänger, vermehrt darauf setzt, den Ball im Aufbauspiel auf dem Boden zu lassen. Höhn kennt das aus Freiburg, wo Christian Streich über viele Jahre sein Lehrmeister war. „Dass wir nicht mehr nur kompakt stehen und die Bälle nach vorne schlagen, sondern dass wir kompakt stehen und auch nach vorne Fußball spielen“ – das sei der neue Weg der Lilien, sagt Höhn, und da hat er im Konkurrenzkampf mit einem wie Matthias Wittek bislang die Nase vorne.

Und von diesem vielbeschworenen Weg werde man sich nicht abbringen lassen, glaubt Höhn, auch nicht vom wichtigen Spiel in Bochum – „egal, welches Ergebnis letztlich bei raus kommt. Aber natürlich wollen wir uns für den Aufwand, den wir seit Wochen betreiben, wieder mit Punkten belohnen.“ Sechs Zähler aus sieben Spielen sind jedenfalls „nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir sind wahnsinnig ehrgeizig.“ Erfolgserlebnisse auch in Punktform sind in Darmstadt geboten, es soll ja nicht so laufen wie in den vergangenen Jahren. In seinen drei Saisons, die Höhn am Böllenfalltor zugebracht hat, haben die Lilien jedes Mal im Winter den Trainer vor die Türe gesetzt. Höhn kennt diese Statistik, und er mag sie überhaupt nicht. Aber: „Das spielt in meinen Gedanken keine Rolle.“ Sorgt er sich, dass es in dieser Saison wieder so kommen könnte? „Absolut nicht.“ Scheint sehr überzeugend zu sein, der neue Weg. (mit dpa)

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