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Ließ im leeren Stadion proben: Dimitrios Grammozis.

Darmstadt 98

Nicht rumheulen

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Darmstadts Trainer Dimitrios Grammozis fordert von seinen Profis vor Re-Start der Zweiten Bundesliga den Fokus aufs Wesentliche.

Natürlich haben sie auch beim SV Darmstadt 98 versucht, die Zukunft zu simulieren. Elf gegen Elf haben sie gespielt in ihrem leeren Stadion am Böllenfalltor, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was das eigentlich bedeutet: Geisterspiel. Kein Fan im Stadion. Sie haben die ganzen, von Corona geprägten Abläufe des Spieltags durchgeprobt, der für die Lilien an diesem Samstag, zum Re-Start der Zweiten Bundesliga, das Auswärtsspiel beim Karlsruher SC vorsieht (13 Uhr). Sie haben versucht zu verstehen, wie es ist, in ein leeres Stadion einzulaufen und dort Kommandos zu erhalten von einem Trainer, der am besten auch nicht vergessen hat, die Maske runterzuziehen, bevor er losbrüllt.

In Darmstadt heißt dieser Trainer – noch – Dimitrios Grammozis, und während Grammozis sich für die Maskenproblematik am liebsten einen Motor in dem Ding wünscht, denn „so oft kann man sich ja gar nicht im Gesicht rumfummeln, wie man die Maske im Spiel rauf und runter machen muss“, empfiehlt er seinen Profis eine Zeitreise, zurück in die Vergangenheit. Dort vermutet er einen Schlüssel zu einem glücklichen Aufenthalt in der Geisterwelt Bundesliga.

Grammozis‘ Motto: „Back to the Roots“, zurück zu den Wurzeln also. „Die Spieler müssen sich zurückerinnern, wie sie überhaupt Profi geworden sind“, sagte der 41-Jährige auf der virtuellen Pressekonferenz vor dem Spiel des Tabellensechsten beim stark abstiegsbedrohten KSC (17.): „Da haben sie auch nicht vor 50 000 Zuschauern gespielt, sondern vielleicht nur vor 20 oder 30. Und dennoch herrschte dort stets der unbedingte Wille, Gas zu geben und irgendwann das große Ziel zu erreichen, im Stadion zu spielen. An diese Zeiten sollten sich die Spieler erinnern.“

Andererseits: Man soll sich halt auch einfach nicht so anstellen, findet Grammozis, Corona-Pause hin, leeres Stadion her. „Die Mannschaft, die weniger rumheult, die sich mehr auf das Sportliche konzentriert, wird auch diejenige sein, die erfolgreicher Fußball spielt.“

Der Fußballlehrer selbst tendiert auch nicht zum Jammern, was seine persönliche Zukunft jenseits des 30. Juni angeht. Dann läuft sein Vertrag aus bei den Lilien, auf eine Verlängerung hat er sich nicht einigen können mit dem Verein, der auch schon einen durchaus namhaften Nachfolger gefunden hat, Markus Anfang. Grammozis hat noch keinen neuen Arbeitgeber, und Corona wird ihm die Suche nicht vereinfachen. „Aber ich habe die Entscheidung unabhängig von der Situation im Sommer getroffen und habe gewusst, dass es vielleicht so sein kann, dass ich erst einmal keinen Job habe.“

Fürs Erste interessiert Grammozis nicht, was im Sommer passiert, zumindest behauptet er das. „Ich genieße die Zeit mit der Mannschaft“, sagt er.

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