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Dimitrios Grammozis steht im Regen.

Bielefeld - Darmstadt

Neuer Trainer, altes Leid

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Der SV Darmstadt 98 agiert auch unter Dimitrios Grammozis auswärts zu harmlos und verliert mit 0:1 in Bielefeld.

Am Wollen lag es ganz sicher nicht, viel eher, wie schon so oft in dieser Spielzeit, am Können: Der SV Darmstadt 98 probierte es auf der Bielefelder Alm zweifelsohne, die Profis des südhessischen Zweitligisten rackerten, sie holten sich sogar blutige Nasen, am Ende mussten sie nach dem 0:1 (0:1) bei der Arminia den Heimweg aber ohne Punkte antreten – mal wieder, möchte man hinzufügen.

Denn kehrt der SV 98 in diesem Saison dem heimischen Stadion am Böllenfalltor den Rücken zu und tritt stattdessen in der Fremde an, dann ist für ihn selten was zu holen. Im zwölften Auswärtsspiel dieser Saison war die Pleite von Bielefeld bereits die achte. Mit gerade einmal sechs Pünktchen auf fremdem Geläuf bleiben die Darmstädter damit die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga. Und das, obwohl sie seit ziemlich genau einer Woche von einem neuen Trainer angeleitet werden: Dimitrios Grammozis. „Es ist eine bittere Niederlage, aber die Mannschaft hat speziell nach der Pause einiges gut gemacht“, sagte der Debütant: „Mit dem Rückstand zur Pause war es schwer, trotzdem haben wir uns danach gesteigert. Nun wollen wir uns peu á peu verbessern.“

Der 40-jährige Fußballlehrer hatte vor dem Spiel viel Enthusiasmus versprüht. Er hatte davon gesprochen, dass seine neue Mannschaft durch den vergangenen 2:0-Heimsieg gegen Dresden – da noch unter Übergangstrainer Kai Peter Schmitz – spürbar Selbstvertrauen getankt habe. Auch, dass man in Ostwestfalen endlich auswärts etwas Zählbares, sprich Punkte, mitnehmen wolle. Dass es in dieser entscheidenden Phase der Saison, die von einigen Hochs und zu vielen Tiefs geprägt war, in erster Linie darauf ankomme, Stabilität in der Defensive an den Tag zu legen. Nun gut, das klang alles äußerst sinnvoll, funktionierte aber nicht.

Vor allem in der ersten Hälfte entwickelte sich ein Spiel, das Grammozis so gar nicht schmecken konnte. Die Hausherren waren eindeutig die bessere Mannschaften, sie hatten 64 Prozent Ballbesitz und schossen gleich siebenmal auf des Gegners Kasten. Ein Kopfball von Andreas Voglsammer (4.), ein Flatterfernschuss von Brian Behrendt (10.), ein Versuch von Fabian Klos (14.) – die Arminia war von der ersten Minute an die zielstrebigere Elf. Und belohnte sich fünf Minuten vor dem Pausenpfiff mit der Führung.

Marvin Mehlem trifft nur den Außenpfosten

Der Darmstädter Kapitän Fabian Holland war in dieser Szene zu forsch nach vorne geeilt und hatte seine linke Abwehrseite unverständlicherweise völlig verwaist gelassen. Ungehindert konnten die Bielefelder den Ball von der Grundlinie in den Rücken der Darmstädter Abwehrreihe passen. Fabian Klos hatte keine Mühe, den Ball zu seinem neunten Saisontreffer im Kasten unterzubringen.

Und die Lilien-Offensive? Die fand in den ersten 45 Minuten quasi nicht statt. Ein harmloser Fernschuss aus 25 Metern vom wieder auf Linksaußen aufgebotenen Tobias Kempe (38.) – das war’s.

Als Dimitrios Grammozis, der die gesamten 90 Minuten stehend an der Seitenauslinie verbrachte, also zur Pause in die Kabine marschierte, redete er wild mit den Armen fuchtelnd auf seinen Assistenten Iraklis Metaxas ein. Der nickte verständnisvoll, klar, so konnte es nicht weitergehen. Da waren sich beide einig.

Und ging es dann auch nicht. Offenbar hatte die Kabinenansprache des neuen Chefs bei den Spielern Anklang gefunden. Zumindest wurden die Offensivbemühungen nach dem Seitenwechsel erhöht. In Anschluss an einen Eckball traf der auffällige Marvin Mehlem den Außenpfosten (50.). Und auch ansonsten waren die Darmstädter nun besser in der Partie, hatten ein spielerisches Übergewicht, ließen Bielefeld nun mehr von links nach rechts und wieder zurück laufen. Bloß vergaßen sie dabei, dass das Tor eben nicht links oder rechts steht, sondern zentral in der Mitte.

Dort aber, in den gegnerischen Strafraum, schafften es die Südhessen trotz aller Bemühungen viel zu selten hin. Einzig vier Minuten vor dem Abpfiff grätschte Mittelstürmer Serdar Dursun eine Flanke von Marcel Heller knapp neben den Kasten. Zu wenig für ein versöhnliches Grammozis-Debüt, das sich beim Blick auf die blamable Auswärtsbilanz letztlich wie folgt zusammenfassen lässt: Neuer Trainer, altes Leid.

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