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Lieferten sich harte Duelle: Der Darmstädter Nicolai Rapp (r.) und Silvere Ganvoula aus Bochum.

Darmstadt 98

Nahrhafte Magerkost

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Der SV Darmstadt 98 mausert ein 0:0 gegen den VfL Bochum, aber die Verletzung von Verteidiger Immanuel Höhn trübt die Stimmung.

Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn nach einem Fußballspiel ausgiebig über eine Person gesprochen wird, die gar nicht anwesend ist. Handelt es sich dabei um den Videoschiedsrichter im Keller in Köln, gehört das zu den erträglicheren Fällen, denn an die Omnipräsenz dieser abwesenden Menschen hat man sich inzwischen gewöhnt, gezwungenermaßen, wie an eine Spinne, von der man weiß, dass sie noch irgendwo im Raum ist. Aber man erwischt sie nicht.

Weniger erträglich ist, wenn sich die Gespräche um einen Spieler drehen, der fehlt, weil er sich schwer verletzt hat. Das war am Samstag der Fall, nach dem 0:0 des SV Darmstadt 98 gegen den VfL Bochum. Thema war Immanuel Höhn, der Innenverteidiger, und die Wörter „Schock“ und „Schreck“ wurden unangenehm häufig verwendet.

Wie die Lilien kurz vor Anpfiff bekanntgaben, hatte sich Höhn, 28, im Abschlusstraining den Außenknöchel im linken Fuß gebrochen. Er wird für den Rest der Saison ausfallen. „Wir sind hier wie eine Familie“, hob Torwart Marcel Schuhen nach der Partie gegen Bochum an, „und zu sehen, wie Höhni da vom Platz gebracht wird, unter Tränen, das hat schon wehgetan.“ Sein Teamkollege sei nicht nur ein guter Spieler, sondern auch ein überragender Charakter. Trainer Dimitrios Grammozis sprach von einem „absoluten Schreckmoment“ für die Mannschaft: „Das hat die Spieler schon zum Nachdenken gebracht. Höhni ist ja nicht nur als Spieler wichtig, sondern auch als Persönlichkeit.“ Unter Grammozis hatte sich Höhn in dieser Saison zum unumstrittenen Stammspieler entwickelt, zum ersten Mal, seit er 2016 vom SC Freiburg nach Südhessen kam. Weil der Trainer vermehrt auf flache Pässe im Spielaufbau setzt, kommt Höhns spielerische Qualität vermehrt zur Geltung.

Dass die Darmstädter die laufende Zweitligasaison auch ohne Höhn passabel ins Ziel bringen werden, wurde gegen den VfL Bochum klar. Zwar fehlte es im Vergleich zum 2:0 gegen den 1. FC Heidenheim in der Vorwoche ein wenig an „Leichtigkeit“ und „Flüssigkeit“, wie Grammozis es formulierte. Aber die Abwehr stand stabil, auch ohne Höhn, für den Nicolai Rapp, 23, zu seinem zweiten Startelfeinsatz in Darmstadt kam, den er allerdings nicht gänzlich unversehrt überstand.

Eine Viertelstunde vor Schluss hatte der Bochumer Stürmer Simon Zoller den Ball Rapp aus kurzer Distanz an den Kopf geschossen, die Leihgabe von Union Berlin ging benommen zu Boden. Später stand er mit klarem Blick vor den Journalisten, aber auf die Frage, ob er denn ohnmächtig gewesen sei, antwortete er: „Das weiß ich nicht mehr.“ Grammozis hatte die Auswechselung schon vorbereitet, da gab Rapp grünes Licht zum Weiterspielen. „Er hat gesagt, es geht, aber während er zurück auf den Platz gelaufen ist, hat er gesagt: Ja, ich guck mal“, erzählte Grammozis. Rapp habe kurzzeitig Sichtprobleme gehabt und wackelige Beine, aber er spielte durch. Ob das ein professioneller, zeitgemäßer Umgang mit einer Kopfverletzung ist, sei mal dahingestellt.

Dass das Spiel ohne Tore endete, verursachte bei niemandem Schädelbrummen. Die abstiegsgefährdeten Bochumer freuten sich, wenigstens einen Punkt bei den schier unschlagbaren Lilien, sie sind seit zehn Spielen ungeschlagen, ergattert zu haben. Für mehr fehlte es den Gästen in der Offensive an Spritzigkeit, trotz eines Danny Blum, der zuletzt beim 4:4 gegen Sandhausen drei Tore erzielte. Doch in Darmstadt wurde der Ex-Frankfurter nach 56 Minuten ausgewechselt, leicht verletzt an der Wade. Die beste Chance der Partie hatte Blum schon in der vierten Minute vergeben, als er freie Bahn hatte, seinen Flachschuss aber neben das Tor setzte.

Die Lilien hatten in einem matten Zweitligaspiel ihre gefährlichste Phase, als sie nach einer Stunde bei drei aufeinanderfolgen Eckbällen zum Abschluss kamen. „Wir haben im Laufe des Spiels gemerkt, dass es heute eher harte Kost war“, sagte der weitestgehend beschäftigungslose Keeper Schuhen: „Und dann muss man auch mal einen Punkt mitnehmen.“ Es war schon der 36. für die Darmstädter, die es sich im Tabellenmittelfeld bequem machen, mit großem Abstand nach oben und unten. Es gibt Schlimmeres.

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