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Leitete am Sonntagvormittag seine erste Einheit am Darmstädter Böllenfalltor: Dimitrios Grammozis.

Dimitrios Grammozis

Mutiges Greenhorn

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Dimitrios Grammozis soll als neuer Coach den SV Darmstadt in eine erfolgreiche Zukunft führen.

So gegen 12.30 Uhr am Samstagmittag muss es gewesen sein, als Dimitrios Grammozis etwas nervös durch ein Hotel in Darmstadt tigerte. In seinem Zimmer war er nicht fündig geworden, erzählte er später, aber irgendwo in dieser Vier-Sterne-Unterkunft musste es doch nun wirklich einen Fernseher geben, auf dem die Zweite Liga zu bestaunen sein würde. Grammozis also begab sich auf die Suche, klapperte die Räume ab und blieb schließlich in der Hotelbar hängen.

Dort quartierte er sich für die nächsten knapp zwei Stunden gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Sven Thur und Iraklis Metaxas ein und schaute sich das 2:0 seines neuen Klubs (siehe Artikel oben), dem SV Darmstadt 98, gegen Dynamo Dresden an. Zum Glück, gab Grammozis einen Tag darauf bei seiner Vorstellung als neuer Chefcoach der Lilien zu Protokoll, seien sie ziemlich allein gewesen an diesem sonnigen Mittag in der dunklen Bar. „Wir sind so fußballverrückt, dass wir selbst am TV richtig dabei waren.“

Gestern dann leiteten Chef Grammozis und seine beiden Assistenten Thur und Metaxas, der einst Co-Trainer von Heiko Herrlich, Christian Streich und Michael Skibbe war, die erste Einheit ihrer neuen Mannschaft. Das Trio wurde jeweils mit einem Vertrag über eineinhalb Jahre bis zum Sommer 2020 ausgestattet. Für Grammozis sollen die Südhessen dem Vernehmen nach eine Ablöse von 100 000 Euro an den Ligakonkurrenten VfL Bochum überwiesen haben. „Als der Anruf aus Darmstadt kam, musste ich nicht lange überlegen“, sagte der 40-jährige Ex-Profi, der zuvor die U19 der Bochumer gecoacht hatte: „Ich wollte schon immer so eine Chance.“

Die Chance ist freilich Risiko zugleich – vor allem für den Verein. Zwar haben sich die Darmstädter durch den so wichtigen Erfolg gegen Dresden ein kleines Polster von sieben Punkten auf den ersten Abstiegsrang erspielt, sicher ist der Klassenerhalt aber längst noch nicht. Und da ist so ein Trainer-Greenhorn wie Grammozis, der zwar in seiner aktiven Fußballerkarriere auf 143 Erstligaeinsätze kam, seitdem aber eben noch nie für eine Seniorenmannschaft als Trainer verantwortlich war, sicher ein gewagter Schritt. „Er hat die Ausstrahlung, die wir gesucht haben“, sagte Carsten Wehlmann, ebenfalls erst seit einer knappen Woche in die Position des Sportlichen Leiters berufen, und nannte die Kriterien, die für Grammozis gesprochen hatten: „Ehrgeiz, hungrig, entwicklungsfähig.“

Und zweifelsohne, die Verpflichtung von Dimitrios Grammozis ist eine, die viel Fantasie beinhaltet. Eine, durch die sich die Darmstädter mutiger als unter dem ewigen Defensivfanatiker Dirk Schuster aufstellen, ihre Spielidee auf modernere Füße hieven wollen. Doch Grammozis wollte bei seiner Antrittspressekonferenz die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben. „Erstmal geht es nur um den Klassenerhalt. Am Anfang ist Stabilität das Wichtigste“, sagte er und stellte gleichzeitig klar: „Ich bin ein Typ, der nach vorne will.“ Und: „Wir müssen aber auch mutige Lösungen mit dem Ball finden.“

Lilien bezahlen elf Trainer

Selbst findet Grammozis, dass er eigentlich ideal nach Darmstadt passt. „Ich bin in der Malochermentalität im Ruhrgebiet aufgewachsen“, so der gebürtige Wuppertaler, das passe zum SV 98. Auch vom Druck, sofort in den Abstiegskampf geworfen zu werden, scheint sich der Mann mit den griechischen Wurzeln und dem immerzu akkurat zurechtgestutzten Kinnbart freimachen zu können. „Wenn man so lange im Profigeschäft dabei ist, weiß man, was Druck ist. Das ist Profifußball, kein Kindergarten.“

Kein Kindergarten, sondern bitterer Ernst ist es für die Lilien, dass sich neben dem neuen Trainertrio acht weitere Übungsleiter auf der Gehaltsliste versammeln. Kai Peter Schmitz, Dimo Wache und Uwe Zimmermann, die weiterhin Grammozis zuarbeiten solle. Darüber hinaus aber auch die am vergangenen Montag freigestellten Dirk Schuster, Sascha Franz und Frank Steinmetz sowie deren Vorgänger Torsten Frings und Björn Müller.

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