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Der Darmstädter Serdar Dursun (links) im Zweikampf mit Timo Letschert vom Hamburger SV.  

Darmstadt 98

Elf Monster müsst ihr sein

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Darmstadt 98 spielt zum Jahresabschluss 1:1 gegen den Hamburger SV nach heftigen Diskussionen um nicht gegebenes Tor der Gäste.

Direkt nach dem Abpfiff, noch auf dem Holperrasen des Darmstädter Stadions am Böllenfalltor, versammelte sich das Trainerteam des Hamburger SV um ein Handy. Die Höhepunkte angucken, vor allem jene Szene in der 78. Spielminute, als Rick van Drongelen den HSV zum vermeintlichen 3:2-Sieg beim SV 98 geköpft hatte. Der angreifende Verteidiger aus Holland war da im Anschluss an ein fußballerisches Ping-Pong-Spielchen im Darmstädter Strafraum an den Ball gekommen, hatte ihn mit voller Wucht über die Linie geschädelt, ein astreiner Kopfball aus kurzer Distanz, ein umjubeltes Tor, womöglich das Siegtor, das es doch nicht war. Abseits. Nicht von van Drongelen, nur von Kollege Bakary Jatta, der ein, zwei Schrittchen daneben gerade aus der verbotenen Zone geeilt war und laut des Schiedsrichterquintetts um den Vorsitzenden Arne Aarnink die Darmstädter Verteidiger irritiert haben soll. Äußerst zweifelhaft. Und für Dieter Hecking, Chef des Hamburger Trainerteams, nicht einmal das. Er schaute zwei, drei Sekunden lang aufs Handy und eilte dann kopfschüttelnd und abwinkend vom Grün.

„Für mich war es ein klares Tor“, sagte Hecking eine knappe Dreiviertelstunde später auf der Pressekonferenz nach dem 2:2 seines HSV beim SV Darmstadt. Er war mit dieser Meinung nicht alleine, auch die Hauptprotagonisten sahen es ähnlich. So fand Nicht-Torschütze van Drongelen drastische Worte: „Wenn du diese Szene abpfeifst, dann kannst du bald für jede Scheiße den Videobeweis einsetzen.“ Und selbst der Darmstädter Torhüter Marcel Schuhen ergänzte: „Sobald sich der Schiri ans Ohr fasst, steht die Welt still. Für mich war es ein Tor.“ Kann man so stehen lassen.

Zum zweiten Mal binnen sechs Tagen profitierte der gastgebende Zweitligist aus Darmstadt von Schiedsrichterentscheidungen samt Videoeinsatz. Am vergangenen Montagabend hatte der Stuttgarter Mario Gomez seine Kniescheibe beim 1:1 zu weit nach vorne geschoben, am Samstag war es bei zweiten Unentschieden gegen ein Topteam die Frage, ab wann ein Spieler nicht mehr passiv, sondern aktiv agiert. „Glück gehört dazu und das gleicht sich im Saisonverlauf auch aus“, sagte der Darmstädter Trainer Dimitrios Grammozis und erinnerte zurecht an das 1:1 im Hinspiel gegen den HSV, als dem Favoriten erst weit in der Nachspielzeit ein schmeichelhafter Strafstoß zugesprochen worden war.

Nichts mit Glück hatte dagegen die ordentliche Leistung der Südhessen zu tun. Wie schon gegen den Verein für Bewegungsspiele aus dem Schwabenland verkauften sich die Darmstädter auch gegen den Sportverein aus der Hansestadt gut. Defensiv arbeitenen sie emsig, offensiv waren sie um eine gewisse Spielkultur bemüht.

Die Rückstände von Lukas Hinterseer (18.) und Jatta (45.) glich jeweils Serdar Dursun (32. und 58.) aus. Es waren die Saisontore sechs und sieben des Angreifers, allesamt daheim am Bölle erzielt. Die Mannschaft habe eine „Monster-Moral“ bewiesen, urteilte Trainer Grammozis, der sich zufrieden zeigte mit der Ausbeute von zwei Punkten aus den vergangenen beiden Heimspielen. Allerdings: Die Gefahr des Abstiegs lässt sich mit Unentschieden eben nicht vollends eindämmen. Die Darmstädter sind zwar Zwölfter mit 21 Zählern, sie haben aber gerade mal zwei Punkte mehr gesammelt als Nürnberg auf Relegationsrang 16 und vier mehr als Wehen Wiesbaden auf dem ersten direkten Abstiegsplatz.

Vorsicht sollte also geboten sein vor den verbleibenden 16 Partien im kommenden Jahr, zumal schlechter platzierten Teams wie Nürnberg, Hannover oder Bochum ihre Kadersubstanz weiterhelfen könnte, die gefährlichen Tabellengebiete doch noch zu verlassen.

Entsprechend will sich Darmstadt vor der nächsten Begegnung am 29. Januar in Kiel – Trainingsauftakt ist am 6. Januar – auf dem Spielermarkt umschauen. Ein Ersatz für den mit einem Kreuzbandriss ausfallenden Innenverteidiger Mathias Wittik soll es definitiv sein, womöglich noch ein zentraler Stürmer als Backup zu Torjäger Dursun. „Die Priorität sehe ich da aber nicht so brutal“, sagte Grammozis ob der gerade stattfindenden Wiedereingliederung des Dauerverletzten Angreifers Felix Platte.

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