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Menschliche Pyramide: Die Lilien-Profis Dursun (l.) und Mehlem sowie der Bochumer Losilla.

Darmstadt 98

Im Mittelmaß von Liga zwei

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Nach dem 0:1 in Bochum steckt Darmstadt 98 im Mittelmaß von Liga zwei fest - und scheint damit gar nicht so unzufrieden zu sein.

Was müssen sich die Programmplaner bei Sky das schön ausgemalt haben, als sie nach dem Schlusspfiff Vater und Sohn vor die Fernsehkamera zerrten. Einige launige Sätze des Seniors über seinen kickenden Junior, ein paar Anekdoten über die sportliche Vergangenheit des Papas, es war alles bereitet für ein ganz nettes Interview. Doch Pustekuchen. Die Kempes, sie hatten irgendwie nicht so richtig Lust. Vor allem Sohnemann Tobias, Mittelfeldspieler beim Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98, ließ deutlich durchblicken, dass er gerade überhaupt keine Verve für solch eine Vater-Sohn-Fragestunde aufbringen konnte. Und das war völlig verständlich. Denn seine Lilien hatten beim VfL Bochum mit 0:1 verloren.

„Das war ein völlig verdienter Sieg für Bochum“, sagte der 29-Jährige, der auch selbst nie zu gewohnter Stärke fand. Nur ein Torschuss und 40 Ballkontakte sind für den zentralen Mann im Darmstädter Konstrukt doch arg wenig, dazu wurden nahezu all seine Freistöße und Ecken schon am kurzen Pfosten rausgeköpft. „Bochum war besser“, so Kempe. Vater Thomas, der sich einst 234 Mal das blaue VfL-Dress übergestreift hatte, stand nickend daneben und gab schließlich noch zu Protokoll: „Tobi hat schon Recht, Bochum hat verdient gewonnen.“ Dann wäre das auch geklärt.

Zweifelsohne, die erste Darmstädter Liganiederlage seit Anfang Oktober, sie war eine, die sich die Gästemannschaft ein bisschen selbst zuzuschreiben hatte. Zwar agierten die Bochumer über weite Strecken spielbestimmend, wirklich furchteinflößend waren die Angriffsbemühungen aber nicht. Die Lilien-Abwehr um die beiden Brecher Aytac Sulu und Marcel Franke, sie funktionierte. Mit einer Ausnahme allerdings. Als der Bochumer Tom Weilandt in der 62. Minute von der Mittellinie mit dem Ball am Fuß losrannte, stellten sich ihm zwar gleich vier Darmstädter in den Weg, weder Serdar Dursun und Sandro Sirigu, noch Franke und Sulu konnten den Torschützen jedoch am Abschluss hindern. „Hinten haben wir uns nicht clever angestellt, da müssen wir uns Gedanken machen und vielleicht mal dazwischenhauen, dass es scheppert“, sagte Franke. Wie wahr.

Doch irgendwie passte diese nicht konsequent genug verteidigte Szene doch gut zum Darmstädter Gesamteindruck auf fremden Plätzen in dieser Saison. Sechs Partien machten die Lilien bisher in der Ferne, vier Zähler sprangen dabei heraus - der zweitschlechteste Wert der Liga. In Addition mit den Duellen am heimischen Böllenfalltor ergibt das Rang zwölf - mit sechs Zählern Rückstand auf den dritten Platz und sieben Vorsprung auf die Abstiegszone. Nicht gut, nicht schlecht. Mittelmaß.

„Mund abputzen“

Ein Mittelmaß, dass sie in Darmstadt aber durchaus gerne annehmen, zu präsent sind noch die Erinnerungen an die schwierige Vorsaison, die erste in Liga zwei nach dem Abstieg, in der der Klassenerhalt erst am letzten Spieltag perfekt gemacht wurde. Es ist spürbar, der Verein will sich zwar weiterentwickeln, kann das aufgrund begrenzter finanzieller Mittel und infrastruktureller Begebenheiten aber langsam.

Beispiele? Mitte September etwa wurde neben dem Trainerteam einen weiterer Fachmann in die Sportliche Führung integriert, Carsten Wehlmann, der immer mal wieder einen anderen Blickwinkel einfließen lassen soll. Ab Dezember beginnt zudem der Umbau der Gegengerade, später soll die Haupttribüne folgen. Und zu guter Letzt ist es vor allem Trainer Dirk Schuster, der mit einer konsequenten, aber selten spektakulären Handschrift über allem wacht. Große Sprünge sind so kaum drin, der Status quo aber lässt sich sehr wohl zumindest Schrittchen für Schrittchen nach vorne schieben.

Die Aussage von Tobias Kempe vor der Länderspielpause, die erst am 24. November mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln endet, passt da ziemlich in dieses Konzept: „Es heißt jetzt: Mund abputzen und weitermachen.“ Vater Thomas stand nickend daneben.

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