+
Mitdenken sollen seine Jungs und im besten Fall das Spiel aktiv gestalten: Markus Anfang, hier als Kölner Trainer in Darmstadt.

Darmstadt 98

„Markus brennt für die Aufgabe“

  • schließen

Lilien-Sportchef Carsten Wehlmann berichtet über finanzielles Entgegenkommen von Trainer von Darmstadt 98 Markus Anfang.

Der neue Chef für fußballerische Belange am Böllenfalltor will erstmal nicht mit Reportern reden, das erscheint ihm in der jetzigen Situation unpassend und ist tatsächlich auch verständlich. Es ist ja noch nicht mal genau geklärt, wann er seine Arbeit überhaupt aufnehmen kann. Na klar, normalerweise würde Dimitrios Grammozis zum 30. Juni das Trainerzepter beim Zweitligisten Darmstadt 98 an Markus Anfang weiterreichen und dieser ab Juli seinen Dienst im Südhessischen antreten. Aber was ist in diesen Zeiten von Corona schon normal? Also abwarten.

Daher hat sich Markus Anfang, 45, Familienvater, geboren in Köln, mit seinem Bald-Arbeitgeber, bei dem er für zwei Jahre bis Sommer 2022 unterschrieb, darauf verständigt, erst dann mit den neugierigen Journalisten zu plaudern, wenn denn auch wirklich der Ligabetrieb der aktuellen Runde beendet wurde. Doch auch wenn Markus Anfang derzeit nicht über Markus Anfang spricht, heißt es nicht, dass andere das nicht tun könnten. Carsten Wehlmann zum Beispiel, der Sportliche Leiter der Darmstädter. Er findet, dass der neue Trainer „sehr akribisch und sehr ehrgeizig ist“, dass er „mitentwickeln und gestalten will, nicht nur im Bezug auf die Mannschaft, sondern auch beim ganzen Drumherum“. Und dass er ein „echter Teamplayer, ein sympathischer Typ ist, der zu den Lilien passen wird“.

Natürlich wird ein Sportchef bei der Charakterisierung seines Trainers selten negative Worte finden, das wäre ja auch einigermaßen absurd, schließlich hat er ihn federführend auserwählt für den Posten, Wehlmann aber stützt sein Urteil auf eigene Erfahrungen. Er arbeitete von 2016 bis 2018 mit Anfang bei Holstein Kiel zusammen. Wehlmann damals als Chefscout, Anfang als Trainer – gemeinsam gelang der Aufstieg von der dritten in die zweite Liga sowie in der folgenden Saison die Teilnahme an der Relegation zur Bundesliga. „In Kiel war ich in einer anderen Position als jetzt tätig, aber wir hatten ein sehr gutes Verhältnis und auch einen täglichen Austausch“, berichtet Wehlmann und empfindet Anfang als „sehr fordernd“. Dies habe häufig auch zu harten Diskussionen geführt. Grundsätzlich sei der neue Trainer einer, der die aktive Spielweise bei seinen Mannschaften bevorzugt. Er will lieber den Ball an den Füßen seiner Spielern als an jenen der Kontrahenten sehen, ein Stil, den auch Noch-Chef Grammozis bevorzugt. „Es gilt. die Entwicklung, die wir eingeschlagen haben, weiter fortzuführen“, sagt Wehlmann.

Beim 1. FC Köln war Anfang vor einem knappen Jahr als Tabellenführer entlassen worden, weil es im Binnenklima nicht mehr richtig gepasst haben soll zwischen ihm und einigen Spielern. Wehlmann sieht das gelassen und sagt: „Wenn ein Trainer auf Platz eins freigestellt wird, kann die Arbeit nicht so schlecht gewesen sein.“ Da ist was Wahres dran.

Verhandlungen via Video

Nachdem Grammozis im Februar die Verhandlungen mit dem SV 98 über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages für gescheitert erklärte, stand der Name von Markus Anfang recht rasch auf der Wunschliste der Darmstädter Bosse. Bloß: Finanziell hatte Anfang zuletzt in Köln in einer höheren Liga verdient. Diese wird er mit dem Engagement am Bölle und vor allem in Corona-Zeiten der gedrückten Preise gewiss nicht halten können.

Wehlmann, der vorwiegend via Videoschalten mit Anfang verhandelte und diesen nur einmal vor den Ausgangsbeschränkungen persönlich traf, bestätigte: „Alle waren sich im Klaren darüber, dass wir keine wirtschaftlichen Risiken eingehen werden. Das hat Markus auch so mitgetragen und ist uns ein Stück entgegengekommen.“ Unter anderem wird der 45-Jährige nur einen Co-Trainer mitbringen, Florian Junge. Bei Grammozis waren es noch zwei. „Die Zeiten, die jetzt herrschen, haben wir mit ins Kalkül gezogen“, so Wehlmann: „Markus brennt für die Aufgabe und hat die Bedingungen akzeptiert, die wir ihm anbieten konnten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare