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Chance vertan: Colak verschießt einen Elfer.

Darmstadt 98

Mut macht nur die Statistik

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Trainer Norbert Meier sieht seine Darmstädter trotz der Niederlage in Mainz auf einem guten Weg und Sportdirektor Holger Fach spricht vom bislang besten Auswärtsspiel.

Zwei Mal hatte Norbert Meier den Zettel mit den Zahlen gefaltet, bevor er ihn lässig vor sich auf den Tisch warf. Dann nahm er ihn wieder auf und sagte: „Ich bin ja kein Statistikfreund. Aber das mit dem Ballbesitz, dass sah in dieser Saison auch schon anders aus.“ Als man den Darmstädter Trainer wenig später den Presseraum des Mainzer Stadions verlassen sah, ein letzter Journalist klebte ihm noch an der Schulter, da hatte Meier das Stück Papier immer noch nicht aus der Hand gelegt. Er schien in gewisser Weise Gefallen gefunden zu haben am Zahlenwerk dieses Nachbarschaftsduells zwischen Mainz 05 und Darmstadt 98.

Gut, die wichtigste Statistik war nicht direkt im Sinne Meiers, zwei Tore Mainz, ein Tor Darmstadt, aber ein paar Absätze weiter unten fanden sich durchaus ein paar numerische Mutmacher für die Gäste. Zum ersten Mal in dieser Saison hatten sie einen höheren Ballbesitzwert gehabt als der Gegner (51 Prozent), auch die zwölf Torabschlüsse bedeuteten immerhin die Egalisierung des bisherigen Topwerts für die Südhessen in der laufenden Bundesligaspielzeit, und so lag Meier auch sicher nicht komplett falsch, als er hinterher folgerte: „Die Mannschaft zeigt eine positive Entwicklung. Es war ein ordentliches Auswärtsspiel von uns.“ Holger Fach, Sportdirektor der Lilien, wollte gar das „beste Auswärtsspiel von uns in dieser Saison bislang“ gesehen haben.

Colak gibt den Chancentod

Zum einen sagt das natürlich jede Menge über die vorangegangenen Leistungen des SVD fern des Böllenfalltors aus, denn wirklich überzeugend gestaltete sich das Spiel der Südhessen auch in Mainz nicht, zumindest nicht über weite Strecken. Zum anderen kam man bei der Frage, warum die Lilien auf der Suche nach Positivem am Ende im Unterholz der Zahlen wühlen mussten, nicht um jenen jungen Mann herum, der nach dem Spiel höflich alle Fragen beantwortete. Obwohl er womöglich am liebsten ganz schnell in den Darmstädter Mannschaftsbus verschwunden wäre.

Auf die drängendste Frage wusste der 22-jährige Antonio Colak, Unglücksrabe des Sonntagnachmittags, allerdings auch keine Antwort. Wie das eigentlich möglich gewesen war in der 68. Spielminute: Querpass von Schipplock vor dem Mainzer Tor, in dem sich kein Mainzer Torwart mehr befand, und dann trat Colak, freistehend, zwei Meter vor der Linie, einfach am Ball vorbei. Das waren die Fakten, über die auch der Kenntnisstand des Hauptbeteiligten nicht hinausging. „Kein Ahnung, was passiert ist. Ich habe den Ball halt nicht getroffen.“

Da führten die Mainzer allerdings schon mit 2:0 – und wesentlich schwerer schien sowieso Colaks zweiter Lapsus zu wiegen. Im Sechzehner vom Mainzer Stefan Bell umgerempelt, scheiterte der Gefoulte beim leicht fragwürdigen Elfmeter anschließend an 05-Torwart Lössl. Es wäre das 1:1 gewesen. „Wenn man gefoult wird, sollte ein anderer schießen“, sagte Norbert Meier später, nahm aber eher andere Spieler in die Verantwortung: „Da müssen sich die Erfahrenen den Ball schnappen.“ Jérôme Gondorf, mit 28 einer dieser erfahrenen Darmstädter Akteure, tat das erst in der Nachspielzeit, beim insgesamt dritten Elfmeter des Nachmittags; er verwandelte sicher zum letztlich wertlosen 1:2. „Ich hätte auch den ersten gerne geschossen, aber es macht ja keinen Sinn, da einen Streit anzufangen“, sagte der zentrale Mittelfeldspieler.

Einig waren sich alle Darmstädter nachher in einer Sache: Die vierte Niederlage im vierten Auswärtsspiel wäre unter Umständen vermeidbar gewesen. Der bewegliche, umtriebige Laszlo Kleinheisler traf zum Beispiel früh die Latte mit einem sehenswerten Schuss (18.), und zwischen seinem vergebenem Elfmeter und seinem unrühmlichen Luftloch scheiterte Colak auch noch einmal aus der Drehung an Lössl (63.). „Man hat gesehen, dass wir uns spielerisch verbessern“, sagte Gondorf, „und nie aufgeben. Ab und zu fehlt noch der letzte Pass.“

Nun folgen zwei Heimspiele für die Lilien, kommenden Samstag gegen Wolfsburg, dann, eine Woche später, gegen Leipzig. Und Heimspiele, sagte Norbert Meier, während er seinen Zettel knetete, „sind immer schön.“

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