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Engagiert, aufmerksam - und wertvoll fürs Lilien-Spiel: Jan Rosenthal (rechts), hier gegen die Münchner Xabi Alonso (links) und Thomas Müller.

SV Darmstadt 98

Lilien wollen bei Hertha BSC nochmal „alles raushauen“

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In Berlin ist Ramon Berndroth zum letzten Mal interimsmäßig Cheftrainer des SV Darmstadt 98 - zum Abschied soll endlich wieder ein Sieg her für die Südhessen.

Es wirkt nur im ersten Moment paradox, dass sich Stimmung und Tabellenentwicklung gegenläufig zueinander verhalten beim SV Darmstadt 98. Die Tabelle werden sie sich beim SVD ja eher nicht ausdrucken und laminieren und an den Weihnachtsbaum hängen – ganz egal, wie das letzte Spiel des Jahres in Berlin ausgeht, am heutigen Abend (20:30 Uhr). Als Tabellenletzter reisen die Südhessen in die Hauptstadt, das Gepäck ist leicht, acht Punkte nur, und dennoch geht von den Lilien eine fast schon beschwingte Zuversicht aus in diesen Tagen. Da ist ein Verein wieder ganz bei sich, scheint es.

Zu nicht geringen Teilen liegt das an Ramon Berndroth, er ist der Stimmungsaufheller am Böllenfalltor. Eigentlich Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des SV Darmstadt, sprang Berndroth auf Bitte von Präsident Rüdiger Fritsch Anfang Dezember als Trainer ein, nachdem Norbert Meier beurlaubt worden war. „Sie haben an den richtigen Hebeln angesetzt, sie sind in die Köpfe reingegangen. Vor allem aber sind sie ans Herz gegangen, und das ist das Wichtigste in Darmstadt. Jeder gibt alles für jeden“, sagte Jérôme Gondorf über das Interimstrio Berndroth, Torwarttrainer Dimo Wache, Videoanalyst Kai-Peter Schmitz. Das war am Sonntagabend, die Lilien hatten schon wieder verloren, zum siebten Mal nacheinander, aber weil die Leistung beim 0:1 gegen den FC Bayern München gut war, weil man die Darmstädter genauso an ihren ureigenen Werten erkannte wie eine Woche zuvor, beim 0:1 in Freiburg, begaben sich die Spieler mit geradem Rücken auf die Dankesrunde zu den Fans.

„Wir sind nicht frustriert und hadern auch nicht mit dem sogenannten Fußballgott“, versicherte Berndroth am Montag, zwei Tage vor seinem abschließenden Spiel als Coach der Lilien. Wer ihm nachfolgt, ist weiter offen, der heiß gehandelte Holger Stanislawski (ehemals St. Pauli, Hoffenheim und Köln, zuletzt Filialleiter eines großen Lebensmittelhändlers in Hamburg), weilte allerdings schon zu Vertragsgesprächen in Darmstadt. Allerfrühestens am Donnerstag wird der SVD für Klarheit sorgen in der Trainerfrage. „Unsere ganze Konzentration liegt darauf, in Berlin zu punkten“, hatte Fritsch schon nach dem Bayern-Spiel gesagt.

Beim Tabellenvierten Hertha BSC, wo die Gefühlslage nach den beiden Niederlagen gegen Bremen und zuletzt in Leipzig, abschüssig ist, soll der erste Sieg her seit dem 22. Oktober, einem 3:1 gegen den VfL Wolfsburg. „Wir brauchen jetzt teilweise die Mentalität eines Staubsaugerverkäufers. Bei 100 Versuchen geht 99 Mal die Tür zu, aber einmal klappt es“, sagte Berndroth: „Wir wollen vor den freien Tagen nochmal alles raushauen.“

Ob er im Olympiastadion, wo die Lilien im vergangenen Mai nach einem 2:1-Erfolg den Bundesliga-Klassenerhalt feierten, zum dritten Mal in Folge auf die selbe Startformation setzen kann, ist ungewiss. Die Einsätze von Fabian Holland (Erkältung), Peter Niemeyer (Oberschenkelprobleme) und Jan Rosenthal (muskuläre Probleme) sind fraglich. Vor allem Rosenthal erwies sich sowohl in Freiburg als auch gegen den FCB als wertvolle Ergänzung, nachdem er zuvor monatelang mit Verletzungen gefehlt hatte. Gemeinsam mit Sturmpartner Sven Schipplock verrichtete er wertvolle Laufarbeit, unermüdlich stellten die beiden Räume zu, liefen sie die Verteidiger an. Und in der Offensive, als Teil der starken zentralen Achse mit Gondorf und Mario Vrancic, war der 30-Jährige Techniker häufig Initiator gefährlicher Situationen und Torchancen. In Berlin könnten die Lilien das alles wieder gut gebrauchen – beim letzten Spiel von Glücklichmacher Ramon Berndroth.

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