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Kämpft um einen Startelfeinsatz: Änis Ben-Hatira (v.).

Darmstadt 98

Lilien wollen Heimserie ausbauen

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Der SV Darmstadt 98 trifft am achten Spieltag der Fußball-Bundesliga auf den angeschlagenen VfL Wolfsburg. Mit einem mutigen Auftritt soll das Punktekonto verbessert werden.

Optimismus ist eine Kunst, mit der man sich in Darmstadt auskennt, das wird derzeit wieder deutlich. Am vergangenen Donnerstag hat es in dieser nach vorne gewandten Stadt ja gleich zwei Pressekonferenzen gegeben, und in beiden ging es darum, das Gute im Schlechten zu sehen, den Mehrwert im Mangel.

Die europäische Weltraumorganisation (ESA) erklärte im Darmstädter Europaviertel, dass es nicht so tragisch sei, dass ihre Marssonde „Schiaparelli“ womöglich als Häuflein Schrott auf dem roten Planeten liegt – die vor der mutmaßlichen Bruchlandung übermittelten

Daten seien ja sehr nützlich. Der hessische Fußballbundesligist SV Darmstadt 98 (Lilien) erklärte derweil im Osten der Stadt, dass es gar nicht so tragisch sei, dass das Spiel in Mainz zuletzt mit 1:2 verloren ging – die vor dem Schlusspfiff übermittelten Daten seien ja sehr nützlich.

„Wir können etliches mitnehmen, was wir in den letzten Spielen gezeigt haben“, sagte Lilien-Trainer Norbert Meier also vor dem Spiel am heutigen Samstag gegen den VfL Wolfsburg. Der 58-Jährige wird dabei vor allem an jene gut zwanzigminütige Phase nach der Pause in Mainz gedacht haben, als der SVD so spielte, wie sich das sein Trainer vorstellt: druckvoll und zweikampfstark, aufmerksam bei den zweiten Bällen, mit Zug zum gegnerischen Tor. Das Problem: Als die Lilien sich zu ihrer Idealleistung aufschwangen, stand es bereits 2:0 für die Mainzer, und in weiten Teilen der ersten Halbzeit spielten die Darmstädter, als seien sie fünfmal nacheinander mit dem Mannschaftsbus auf den Mars gekracht. Niemand hätte den Spielverlauf zur Rede gestellt, hätten die 05er zur Pause schon uneinholbar geführt.

Der Mut, mitspielen zu wollen mit dem Gegner, hätte den Lilien in Mainz früh schon zum Verhängnis werden können – fast so wie bei der Partie in Köln (0:2), erster Spieltag, als sich eine zappelige Offensive und eine fahrigen Defensive zu einem verstörenden Gesamtbild vermengten. Die Lilien haben sich aber erkennbar verbessert seitdem, keine Frage. Die Verteidigung ist inzwischen so stabil, dass man immer häufiger Angriffe darauf aufbauen kann, ohne dass gleich alles zusammenbricht. „Wir müssen kompakt stehen und dann schnell umschalten“, sagte Trainer Meier am Donnerstag: „Wolfsburg hat eine offensivstarke Mannschaft. Wir müssen mutig sein und sie bearbeiten.“

Personelle Kontinuität

Die Lilien kennen diese Vorgaben von ihren bisherigen Spielen am Böllenfalltor, und bislang haben sie es verstanden, verantwortungsvoll damit umzugehen: Zu Hause sind sie ja noch ungeschlagen, ein Sieg, zwei Unentschieden. Gegen die Wolfsburger, die nach der Entlassung von Dieter Hecking mit Interimstrainer Valerien Ismael anreisen, soll die Serie halten: „Du hast gegen jeden Gegner eine Chance“, weiß Meier, „und bisher haben wir es ja vermeiden können, zwei Spiele hintereinander zu verlieren.“ In der Tabelle sind die Klubs Nachbarn, der 15. empfängt den 14., strukturell und finanziell aber ist der VfL so weit von den Lilien weg wie der Mars von Darmstadt.

Die personelle Lage ist weiter gut, außer Jan Rosenthal und Felix Platte sind alle Spieler fit. Dass Meier viele Änderungen an seiner Startelf vornehmen wird, erscheint allerdings unwahrscheinlich. Vor allem im Zentrum setzt er auf Kontinuität, mit Alexander Milosevic und Aytac Sulu in der Innenverteidigung, Florian Jungwirth und Jérôme Gondorf (etwas offensiver) davor sowie Laszlo Kleinheisler hinter Solostürmer Antonio Colak.

Alle anderen Positionen (abgesehen natürlich vom Tor, wo Michael Esser bislang restlos überzeugt) scheinen verhandelbar. Speziell Flügelstürmer Marcel Heller hat sich ein bisschen verzichtbar gemacht mit seinen jüngsten Auftritten; durchaus möglich, dass Änis Ben-Hatira eine Chance von Beginn an erhält. Und im Mangel den Mehrwert findet.

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