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Das 2:0 vergeben: Der Darmstädter Sandro Wagner scheiterte mit einem Strafstoß an Eintracht-Torwart Lukas Hradecky.

Darmstadt 98

Lilien vom Weltgeist geschlagen

Das Schicksal meint es gerade nicht gut mit Darmstadt 98. Die Lilien haben Mühe, ein Spiel neunzig Minuten durchzuziehen.

Von Steffen Gerth

Charme hat es ja, so ein Spiel zu inszenieren. Etwa bei der Speisekarte. Beim SV Darmstadt 98 hatten sie sich wohl gedacht, wenn wir schon ein Hessenderby haben, dann muss es landestypische Spezialitäten geben – zumindest für die Gäste im VIP-Bereich. Also wurden Rippchen mit Kraut sowie Grüne Soße mit Eiern gereicht. Der Darmstädter Fundamentalist wird allerdings fauchen, dass damit der Anfang vom Ende eingeläutet wurde. Denn so ein Büffet besteht aus Speisen des Teufels – weil eher Frankfurter Gerichte.

Wenn man den Weltgeist bemühen möchte, dann hat der Lokalpatriot recht – es lief an diesem Samstag vieles gegen Darmstadt. Die 1:2-Niederlage gegen die ungeliebte Eintracht Frankfurt ist für die „Lilien“ mehr als ein verlorenes Heimspiel – es war demütigend. Denn sie hatten ja ein „echtes“ Heimspiel, der verwaiste Gästeblock wirkte im sonst vollbesetzten Böllenfalltorstadion wie eine riesige Zahnlücke. Erstaunlicherweise machte der Darmstädter Anhang wenig aus seiner Überlegenheit, es entstand nie ein „Hexenkessel“, wie man im Fußball so gerne sagt. Aber vielleicht kommt man hier erst in Schwung, wenn gegnerische Fans zu beschimpfen sind. Die waren eigentlich komplett ausgeschlossen, dass dann doch nicht wenige sich ins Stadion gemogelt hatten, ist verblüffend angesichts der Sicherheitsmaßnahmen rund um dieses Spiel. Während auf der Nordtribüne Mitte der zweiten Halbzeit die notorische Randaleklientel seinen Auftritt hatte, zogen auf der Hauptribüne ein paar normale Eintracht-Anhänger den Zorn des Darmstädter Publikums auf sich. Allein unter Fremden war die Eintracht-Mannschaft also nicht. Und das große Transparent, auf dem einfach mal alles aus Frankfurt als minderwertig beschimpft wurde, hing auch nicht lange.

Aus sportlicher Sicht fällt weiterhin auf, dass die Lilien Mühe haben, ein Spiel neunzig Minuten durchzuziehen. Einer kernigen ersten Halbzeit mit der verdienten Führung durch Mario Vrancic (12. Minute) folgte eine maue zweite. Trainer Dirk Schuster beklagte das schlampige Passspiel, mangelnde Entlastung nach vorne und das Unvermögen, zweite Bälle zu erobern. Er war bereits mit einem flauen Gefühl in die Pause gegangen, „dass das 1:0 sich zu wenig für uns anfühlt“. Es hätte ja 2:0 oder gar 3:0 stehen können. Vielleicht war es wieder der Weltgeist, der Sandro Wagner einen Foulstrafstoß verschießen ließ (20.). Sozusagen als Hinweis, dass man nicht den geldgierigen Profi markieren sollte, wenn man gerade mal die erste anständige Saison seiner Karriere hinlegt. Seit seinen abstrusen Interviews am vorvorigen Wochenende läuft es nicht mehr so flott bei Wagner. Die Lilien hätten gar noch einen Elfmeter bekommen müssen, denn Fabian Holland wurde klar vom Frankfurter Yanni Regäsel umgerissen.

Rajkovic muss schlappmachen

Zwei Spieltage bleiben auch den Lilien, den Abstieg aus der ersten Liga zu verhindern. „Wir haben es noch selbst in der Hand“, beschrieb der starke Torwart Christian Mathenia die Lage – ein Satz als Rettungsring. Sie müssen allerdings am Samstag bei Hertha BSC antreten, dann kommt Mönchengladbach, viel stärkere Gegner kann man kaum noch zum Saisonfinale bekommen. Mathenia wunderte sich daher über Darmstädter Zuschauer, die die Eintracht-Spieler beim Warmmachen als „Absteiger“ beschimpften, „denn wir stecken auch mitten im Abstiegskampf“. Und in dem braucht man einen Innenverteidiger wie Slobodan Rajkovic, der gegen die Eintracht schon nach 13 Minuten für Holland ausgetauscht werden musste – offenbar war der lädierte Oberschenkel doch nicht belastbar und Rajkovics Einsatz sehr ambitioniert. Schuster tat später das, was er immer tut – er gibt sich gelassen. „Wir sind nach wie vor involviert in den Kampf um den Klassenerhalt“, sagte er und listete die Fakten auf: 35 Punkte hat sein Team, es steht zwei Spieltage vor Saisonende „überm Strich“, also auf einem Nichtabstiegsplatz, und bei der Hertha wolle man etwas holen. Er weiß auch, dass dafür mehr als nur 45 gute Minuten notwendig sind. Sonst droht seiner Mannschaft und dem Darmstädter Publikum am l4. Mai ein irres Szenario: Abstieg am letzten Spieltag. Der Weltgeist kann ein Schurke sein.

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