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Erst sprintete er den Kieler Verteidigern davon, dann traf er zur Darmstädter Führung ins Tor: Tim Skarke (links).

Darmstadt 98

Lilien-Mittelfeldspieler Tim Skarke: Der Schnellstarter

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Tim Skarke trifft in seinen ersten beiden Einsätzen für Darmstadt 98 gleich zweimal.

Als sich die Verantwortlichen des SV Darmstadt 98 irgendwann an die Analyse der vergangenen Saison gemacht haben, muss ihnen eines aufgefallen sein: Dass die Waage zu stark nach rechts kippt. Denn dort, direkt an der Außenlinie, raste wie eh und je Marcel Heller unaufhaltsam entlang, zwar schon 33 Jahre alt, aber noch immer schneller als die meisten seiner Gegenspieler. Ein Pendant des ehemaligen Frankfurters auf links aber gab es quasi nicht. Joevin Jones, ein guter Dribbler, hatte ab und an Hoffnungen geweckt, diese aufgrund seiner fehlenden Zielstrebigkeit aber fast zeitgleich sofort wieder zerstört.

Also probierte es Trainer Dimitrios Grammozis gleich ganz ohne einen Spezialisten für die Seite und stellte stattdessen seine Taktgeber aus dem Zentrum an die Linie. Mal Tobias Kempe, häufiger Marvin Mehlem. Eine Dauerlösung, das war den Darmstädter Entscheidern um Trainer Grammozis und Sportdirektor Carsten Wehlmann klar, sollte das nicht sein. Sie besserten nach. Im Sommer kamen Braydon Manu vom Halleschen FC, Mathias Honsak von RB Salzburg und Tim Skarke vom 1. FC Heidenheim nach Darmstadt – ein Trio, das die Waage endlich wieder ausgleichen sollte. Hat bisher nur nicht geklappt – wegen Tim Skarke, dem Überraschungsmann. Während Manu und Honsak nämlich eigentlich als Anwärter für den Posten auf dem linken Flügel galten, aufgrund von Verletzungen bisher aber noch außen vor sind, nutzte Skarke die ihm sich bietende Chance eindrucksvoll.

Beim Saisonauftakt in Hamburg (1:1) köpfte er nur 15 Sekunden nach seiner Einwechslung das 1:0, am Sonntag im Heimspiel gegen Holstein Kiel (2:0) traf er als Startspieler wieder nach elf Minuten zur Führung. „Es ist natürlich ein tolles Gefühl, dass ich erneut treffen konnte. Wir wollten diese Bälle hinter die Kette der Kieler spielen, der Ball von Marvin ist natürlich super, umso schöner, dass ich ihn auch verwerten konnte“, sagte der 22-Jährige hinterher.

Dabei ist Skarke in seiner bisherigen Karriere nicht gerade durch Torgefahr aufgefallen. Der schon in der Jugend zum FC Heidenheim gewechselte Blondschopf brachte es an der Brenz zwar immer wieder zu Zweitligaeinsätzen, Stammspieler aber war er nicht. „Blinky“, wie sie ihn in Heidenheim aufgrund seiner Bling-Bling-Ohrringe riefen, gelangen nur vier Treffer und vier Vorlagen in 70 Pflichtspielen. Keine allzu herausragenden Werte für einen Offensivmann, der zudem vergangene Runde nur 13 Spiele machte. Und trotzdem sehen sie in Darmstadt etwas im jungen Mann, der Kylian Mbappé als derzeit besten Fußballer der Welt bezeichnet, der seinen Urlaub am liebsten auf Hawaii verbringt, sich ansonsten aber als „sehr heimatverbunden“ beschreibt. Nun muss er erstmals zweieinhalb Stunden entfernt von Heidenheim Leistungen liefern.

In Darmstadt hat Skarke einen Dreijahresvertrag unterschrieben, sollte eigentlich langsam aufgepäppelt werden, fehlen ihm gerade im körperlichen Bereich doch noch einige Prozentpunkte. Vorerst hat er diese Zwischenschritte ausgelassen und ist stattdessen im Eiltempo unterwegs. Fast so schnell wie sein Pendant auf rechts, Marcel Heller.

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