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Vor einem Jahr, beim Spiel gegen Dynamo Dresden, lief es für die Lilien zum letzten Mal so, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Zweite Liga

Lilien fühlen sich deutlich besser aufgestellt

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Darmstadt 98 wähnt sich auf einem guten Weg - auf dem Platz und auch abseits davon.

Ziemlich genau vor einem Jahr, auch Ende September, trat der SV Darmstadt 98 in der zweiten Liga gegen Dynamo Dresden an. 3:3 endete das rasante Spiel, damals am Böllenfalltor ausgetragen. Es war für lange Zeit die mehr oder minder letzte Begegnung, bei der es für die Lilien so lief, wie es sich der gerade aus der Bundesliga abgestiegene Klub vorgestellt hatte. Was folgte, waren Niederlagen en masse, das Abrutschen in den Tabellenkeller, im Winter die Trennung von Trainer Torsten Frings, die Rückkehr von Coach Dirk Schuster, die mühsame Rettung erst am letzten Spieltag.

Ein Jahr später, wieder mit einer Partie gegen Dresden vor der Brust – diesmal allerdings in Sachsen (Samstag 13 Uhr) -, fühlen sich die Lilien deutlich besser aufgestellt, um zu einer soliden Größe der zweiten deutschen Spielklasse zu werden. Zum einen auf dem Platz. Da hat der Trainer eine Mannschaft zusammengeschustert, die sich sehen lassen kann. Sicher kein logischer Aufstiegskandidat, dafür mangelt es hier und da an spielerischer Raffinesse, aber doch qualitativ gut genug besetzt, um eine sorgenfreie Saison zu verbringen. Zehn Punkte aus fünf Spielen sprechen für sich.

Zum anderen auch abseits des Rasens. Da gaben die Darmstädter Anfang dieser Woche eine personelle Verstärkung bekannt, für die sie sich lange Zeit gelassen hatten: die Verpflichtung des neuen Sportkoordinators Carsten Wehlmann, die sich vor allem mittel- und langfristig auszahlen soll. Wehlmann, 46 Jahre alt, einst selbst Profitorhüter, später zwei Jahre für die Professionalisierung der Liga in Katar zuständig und zuletzt neun Jahre als Chefscout bei Holstein Kiel beschäftigt, ist ohne Zweifel ein Fußballfachmann.

„Er ist ein Mann der Sportplatzfront“, sagt Rüdiger Fritsch. Was der Lilien-Präsident damit meint? Wehlmann ist jemand, der sich vor allem in der zweiten, dritten und den vierten Ligen bestens auskennt. Seit Jahren pflegt der gebürtige Hamburger eine Datenbank, die mittlerweile prall gefüllt sein dürfte mit Spielerprofilen, den Stärken und Schwächen der Berufskicker, die dafür teilweise schon im jugendlichen Alter gescoutet und bis heute begleitet wurden.
„Der sportliche Erfolg ist in Darmstadt den Strukturen vorangewachsen“, analysierte Wehlmann direkt bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Darmstadt, „jetzt wollen wir Schritt für Schritt in diesem Bereichen aufholen.“ Der Markt im Profigeschäft, gemeint ist der der Spieler, werde immer enger, also müsse man als „familiärer Klub“, wie es die Darmstädter der eigenen Auffassung nach sind, den Blick erweitern.

Näher an die Dritte Liga ran

Trainer Schuster hat dabei vor allem den Blick nach unten auf die Agenda gesetzt: „Wir dürfen die Dritte Liga nicht vergessen, da wollen wir mehr dabei sein, bei den Spielern ein Stück früher dran sein.“ Rüdiger Fritsch, der bestimmende Mann rund um das Böllenfalltor, denkt sogar noch ein bisschen größer. Zwar mit aller gebotenen Vorsicht, er wolle schließlich keinesfalls falsch verstanden werden. In Darmstadt wüssten schon alle Beteiligten, wo sie herkommen und was künftig möglich ist. Aber: „Wir wollen auch international besser aufgestellt sein“, verriet Präsident Fritsch.

Vorerst steht am Samstag aber erst einmal die Begegnung in Dresden an. Im ersten von drei Spielen binnen sechs Tagen will Dirk Schuster, zugegeben wenig überraschend, „punktemäßig etwas mitnehmen“. Das werde aber sehr schwierig, sagt der Darmstädter Trainer, und begründet diese Einschätzung mit seinen Beobachtungen am vergangenen Dienstag. Da schaute Schuster ganz genau hin, als Dynamo dem Bundesligaabsteiger Hamburger SV im Nachholspiel alles abverlangte.

Trotz knapper 0:1-Niederlage habe Dresden „gut organisiert, kampfkräftig und diszipliniert verteidigt“. Entsprechend geht der gebürtige Chemnitzer mit Respekt an die Auswärtsaufgabe heran: „Wenn man dort als Gast die Punkte mitnehmen kann, ist das ein schönes Gefühl“, sagt Schuster. Es wäre der nächste kleine Schritt zu einer soliden Größe der zweiten Liga.

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