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Darmstadts Torschütze Tobias Kempe (M) jubelt mit Tim Rieder (l) und Joevin Jones über das Tor zum 1:0 gegen Fürth.

Greuther Fürth - Darmstadt 98

Lilien mit Feuer unterm Hintern

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Darmstadt 98 beendet seine Sieglosserie dank eines verdienten 2:0 gegen Greuther Fürth.

Wenn es im Fußball mal nicht so richtig läuft, ist es ja bekanntlich doppelt wichtig, sich erst einmal auf die Grundtugenden des Spiels zu besinnen: Leidenschaft, Kampf, Wille. Dirk Schuster ist ein Trainer, der das immer wieder einfordert, der bekannt dafür ist, seine Spieler vor allem mental packen zu können, sie richtig heiß zu machen. Der gerade diese so wichtigen Eigenschaften selbst vorlebt. Und so war es der Coach des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98, der beim 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den bisherigen Tabellenzweiten Greuther Fürth von der ersten Minute an richtig heißlief. Bei zugigem Wind und unter zehn Grad am Darmstädter Böllenfalltor wetzte der 50-Jährige im dünnen Polo-Shirt in seiner Coachingzone von links nach rechts, klatschte immer wieder in die Hände, machte seinen Mannen sofort Feuer unterm Hintern – mit Erfolg. „Wir waren aggressiv, haben Fürth nicht in Spiel kommen lassen und verdient gewonnen“, sagte Tobias Kempe. 

„Eierschuss“ ins Glück

Zweifelsohne, die Lilien starteten stark, zeigten sich überhaupt nicht beeindruckt von der vorher sechs Spiele andauernden Sieglosserie und drückten die Franken in den ersten 20 Minuten tief in deren Hälfte. Schüsse von Tim Rieder (4.) und Joevin Jones (20.) verpufften zwar, neben den Grundtugenden war das aber vor allem spielerisch eine Steigerung im Vergleich zu den vergangenen Wochen. Die Außen Jones und Marcel Heller brachen oft auf die Grundlinie durch, Spielmacher Marvin Mehlem war fußballerisch eine Bereicherung, und Kempe traf.

Nach 23 Minuten war das, da gingen die Lilien in Führung. Abwehrchef Aytac Sulu hatte mit einem sehenswerten Flachpass durch die engmaschigen Ketten der Fürther seinen Linksverteidiger Fabian Holland im Strafraum gefunden. Der legte noch einmal zurück, ehe Kempe aus 18 Metern abzog. Den eigentlich harmlosen, weil nicht wirklich satt getroffenen Schuss, ließ der Fürther Schlussmann Sascha Burchert erst durch die Hände und dann durch die Beine glitschen. „Ich hatte mich schon abgedreht, mich geärgert und dann die Fans gehört. Ich dachte erst, sie buhen mich für diesen Eierschuss aus. Aber dann war er halt drin“, sagte Kempe.

Klar, ein Glückstreffer dieses fünfte Saisontor des 29-Jährigen, aber ein verdienter allemal.
Die Gäste, die ja eigentlich nach ihrem hervorragenden Saisonstart vor Selbstvertrauen hätten strotzen müssen, taten eben dies überhaupt nicht. Erst nach dem Rückstand kamen sie so langsam in der Partie an, liefen wenigstens ein bisschen warm, hatten nun optische Vorteile. Bis auf einen Schuss von Fabian Reese ans Außennetz (28.) kam dabei aber wenig Gefährliches heraus. 

In seiner Kabinenansprache hatte Schuster seine Schützlinge dann offenbar angewiesen, sich von Gästen in Abschnitt zwei ja nicht mehr einlullen zu lassen, keinesfalls mit dem 1:0-Polster nun passiv zu werden. Wieder mit Erfolg. Immer kernig in den Zweikämpfen, keinen Ball aufgebend und vor allem auch um spielerische Lösungen bemüht, hatten die Hessen auch in der zweiten Hälfte Vorteile. Während den Gästen nichts einfiel, um den Darmstädter Torhüter Daniel Heuer Fernandes in Bedrängnis zu bringen, setzte ein ehemaliger Fürther den Glanzpunkt der zweiten 45 Minuten. 

Mit einer feinen Hereingabe bediente Jones in der 75. Minute Kollege Serdar Dursun am langen Pfosten, der aus drei Metern nur noch ins leere Tore einschieben musste. Der vierte Saisontreffer des Stürmers, der erst Anfang August von den Kleeblättern zu den Lilien gewechselt war. Und der gleichzeitig eine Befreiung für Dirk Schuster bedeutete. 

Die Schlussakkorde des vierten Saisonerfolgs. der die Lilien zumindest vorübergehend auf Rang elf beförderte, genoss der Trainer gar stillstehend in seiner Coachingzone. Heißgelaufen war er vorher schließlich genug.

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