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Der schönste Bart der Bundesliga: Marco Sailer muss sich einen neuen Arbeitgeber suchen.

Toni Sailer

Aus für den Kultbart

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Publikumsliebling Marco „Toni“ Sailer muss den SV Darmstadt 98 nach drei sehr erfolgreichen Jahren verlassen – eine traurige Geschichte.

Sein Ende in Darmstadt war irgendwie absehbar, doch als es dann so weit war, krabbelte die Traurigkeit in ihm hinauf. Marco „Toni“ Sailer wird nicht mehr lange ein Teil des stetig andauernden Lilien-Märchens sein, der Kultbart der Liga muss den südhessischen Bundesligisten verlassen. Das teilte ihm das Trainerteam am Dienstagabend mit. Und das geht ihm an die Nieren.

„Auch die schönste Zeit geht mal zu Ende“, schrieb er in der Nacht zum Mittwoch bei Twitter. „Danke an alle Fans, die mich immer unterstützt haben.“ Wenige Worte, die dennoch in etwa erahnen lassen, wie es im Inneren des 30-Jährigen aussieht. Dieser Trennungsschmerz sitzt verdammt tief.

Überraschend, man muss das jenseits aller Sentimentalitäten festhalten, kommt die Entscheidung nicht. Sailer hat in dieser Saison keine große Rolle beim SV Darmstadt 98 gespielt, er stand nur einmal über 90 Minuten auf dem Platz, im Oktober am zehnten Spieltag bei der 0:1-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg. Die meiste Zeit saß er auf der Bank, wurde, wenn überhaupt, kurz vor Schluss eingewechselt. In der Rückrunde bröckelte sein Stellenwert immer weiter, er kam nur noch auf zwei Kurzeinsätze und eine Spielzeit von 30 Minuten. Das ist lächerlich wenig. Zuletzt schaffte er es gar nicht mehr ins Aufgebot von Trainer Dirk Schuster. Immerhin hat er ein Tor gemacht, sein erstes und einziges in der Bundesliga, im Hinspiel gegen Mainz 05.

Und als die geretteten und mächtig stolzen Lilien-Helden am Samstagabend am Böllenfalltor vorfuhren, das nächste kleine Wunder im Gepäck, da war auch Toni Sailer vor Ort. Er war in zivil an die Heimstätte des Klubs gefahren, wirkte dann aber eher ein bisschen wie einer der vielen Fans und nicht wie einer, der an dieser sensationellen Entwicklung der 98er großen Anteil hat. Nicht in dieser Saison, aber davor.

Eine Nummer zu groß

Toni Sailer und Darmstadt 98 – das war eine ganz besondere Verbindung. Denn der kleine Kämpfer passte wie die Faust aufs Auge zum Darmstädter Profil, zu diesem Weg der Lilien. Ein aufrechter Kerl mit einer ganzen Menge Herzblut, der sich in jeden Zweikampf warf, als sei es womöglich der letzte. Ein Rackerer und Malocher, der niemals aufsteckt. Sicher nicht der beste Fußballer, aber dafür mit umso mehr Leidenschaft und Hingabe am Start. Irgendwann reicht das aber nicht mehr aus.

Die Bundesliga war sehr wahrscheinlich eine Nummer zu groß für den Mann mit dem Rauschebart. Sein Berater wird nun den Markt sondieren, dann wird man sehen, wie es mit ihm weitergeht.

Der Klub aus Südhessen wird immer einen besonderen Stellenwert für ihn haben. „Ich habe meine Frau hier geheiratet, meine Tochter ist hier zur Welt gekommen und ich habe ein super Verhältnis zu Verein, Mitspielern und Fans“, sagte Sailer kürzlich im HR. „Darmstadt wird für mich immer die eine besondere Stadt auf der ganzen Welt sein.“

Sailer ist aber nicht alleine mit seinem Schicksal, der Erfolg hat einige seiner Kinder gefressen. Aus der Aufstiegsmannschaft sind etwa Sandro Sirigu, Benjamin Gorka, Michael Stegmayer (wird immerhin Teammanager), Milan Ivana, Yannick Stark und Dominik Stroh-Engel auf der Strecke geblieben. Ihnen droht ebenfalls das Aus am Böllenfalltor. Marco Sailer weiß zumindest schon Bescheid.

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