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Volltreffer: Dario Dumic trifft per Kopf zum Sieg. 

Lilien blühen auf

Darmstadt 98: Die Kraft der alten, neuen Taten

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Darmstadt 98 kann jetzt wieder Standards und will das auch am Dienstag im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC zeigen.

Es war wie eine Reminiszenz an die gute alte Zeit, aber Dirk Schuster fand keinen Gefallen daran. Gar nicht lange her, da hätte sich der 51-Jährige diebisch gefreut über so ein Tor des SV Darmstadt 98: Eckball von Tobias Kempe, spät im Spiel, wuchtiger Kopfball des Innenverteidigers Dario Dumic. So haben die Darmstädter Winzlinge einst in der Bundesliga überlebt unter dem Trainer Schuster, wobei der Innenverteidiger natürlich nicht Dumic hieß, sondern Aytac Sulu. Aber Sulu, passenderweise in der vergangenen Woche zum Lilien-Ehrenkapitän ernannt, macht seine Kopfbälle inzwischen in der Türkei, und Schuster ist Coach bei Erzgebirge Aue, und als solcher musste er leidvoll erfahren, dass sich am Böllenfalltor vielleicht Zeiten, Ligen und Namen ändern. Nicht aber die Taten.

Während Schuster bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte zerknirscht von einem „Lucky Punch“ sprach, der Darmstadt in der 86. Spielminute den 1:0-Erfolg gegen Aue bescherte, freuten sich die Südhessen nicht nur über den zweiten Sieg in Serie, der ihnen Luft verschafft in der Tabelle. Sondern auch, dass sie wieder in der Lage sind, enge Spiele mit einem schnöden Standard für sich zu entscheiden. „Standards sind bei uns im Moment eine gute Sache“, sagte Trainer Dimitrios Grammozis: „Ich hoffe, dass die Jungs da weiter so heiß bleiben.“ Schon beim 1:0 beim FC St. Pauli, der eine wochenlange Durststrecke ohne Sieg beendet hatte, war ein spätes Eckballtor der Schlüssel zum Erfolg. Victor Palsson köpfelte in Hamburg die Hereingabe von Kempe ein. Überhaupt: Kempe.

Nachdem der 30-Jährige lange eine schweren Stand hatte unter Grammozis, sich bisweilen gar auf der Tribüne wiederfand, scheint sich das Schicksal langsam wieder zum Besseren zu wenden für den besten Darmstädter Scorer der vergangenen beiden Jahre. Gegen Aue stand Kempe erstmals in dieser Saison in der Startelf, im zentralen Mittelfeld betrieb er Aufgabenteilung mit Palsson und Seung-Ho Paik.

Lilien Darmstadt: Das „Bölle“ wandelt sich

Den Einsatz, sagte Grammozis, habe er sich „nicht nur wegen der Standards verdient, sondern auch wegen seiner Art, wie er in den letzten Wochen gearbeitet hat“. Kempe sagte, er habe getan, was er immer getan hat, Woche für Woche, Training für Training: „Gas gegeben, mich aufgedrängt. Ich freue mich, dass der Trainer mir wieder das Vertrauen schenkt. Das ist das, was zählt. Das andere ist vorbei.“

Was kommt, ist für die Lilien ein schönes DFB-Pokalspiel am Dienstagabend gegen den Ligakonkurrenten Karlsruher SC (20.45 Uhr). Der größte Tabellendruck ist erst einmal raus durch die kleine Siegesserie, und die Gewissheit, auch pragmatisch über Standards die Spiele auflösen zu können, wenn spielerisch kein Durchkommen ist, hilft. „Es ist immer schwer, wenn elf Spieler in der gegnerischen Hälfte verteidigen, und ein Standard ist dann die beste Möglichkeit, um zum Erfolg zu kommen“, sagte Dumic nach dem Spiel gegen Aue. Die Gegner wissen inzwischen, dass die Darmstädter einen ambitionierten spielerischen Ansatz verfolgen, wie Aue hatte schon der KSC neulich beim 1:1 in der Liga eine massive Defensivtaktik dagegengestellt. So könnte es auch im Pokal kommen, aber den Lilien muss nicht bange sein. Dank der Kraft der alten, neuen Taten.

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