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Schwerer Gang: Aytac Sulu auf dem Weg zu den Fans.

Darmstadt 98

Kontraste eines Fußballjahres

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Im Mai feierte der SV Darmstadt in Berlin den Klassenerhalt – diesmal herrscht beim südhessischen Bundesligisten Tristesse. Im neuen Jahr soll ein neuer Trainer für den Aufschwung sorgen.

Wie man im weitläufigen Berliner Olympiastadion vom Rasen zum Gästeblock gelangt, das wussten die Darmstädter noch genau. Vor sieben Monaten hatten sie sich ja schon einmal auf den Weg gemacht zu den mitgereisten Fans, aber wer die Bilder nebeneinanderlegt, die vom Mai und die vom Mittwoch, der entdeckt nur geringfügige Ähnlichkeiten. Der eine oder andere Spieler ist übriggeblieben, das schon, auch die neon-orangefarbenen Auswärtstrikots gehören noch zur Ausstattung. Ansonsten: Glückseligkeit und Freude dort, Tristesse und Enttäuschung hier. Kontraste eines Fußballjahres.

Beim SVD machen sie sich grundsätzlich keine Sorgen, dass die schönen Erinnerungen des vergangenen Frühjahrs von den aktuellen Sorgen überschrieben werden könnten. Sie sind dem Jahr 2016 auch nicht besonders böse, dass es sich ein recht gemeines zweites Halbjahr für sie ausgedacht hat. Wie könnten sie: Der Klassenerhalt, sichergestellt in der Hauptstadt am 33. Spieltag, geht gut und gerne als größter Vereinserfolg durch. Dass die Lilien nun als Tabellenletzter Weihnachten begehen, mit acht Punkten bei fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz schon recht weit abgeschlagen, wirkt da wie die Rückkehr in die Normalität aus irgendeiner seltsamen Wunderwelt.

„Wir hätten heute gerne etwas mitgenommen“, sagte Peter Niemeyer nach dem 0:2 bei Hertha BSC: „Wir haben vor drei Spielen einen Weg eingeschlagen, der der richtige ist. Daran müssen wir weiter festhalten und dann auch wieder das Quäntchen Glück bekommen.“ Vor drei Spielen: Das war der Zeitpunkt, als Trainer Norbert Meier seinen Schreibtisch am Böllenfalltor räumen musste, zu schlecht hatte sich die Mannschaft entwickelt, zu groß waren die Vorbehalte innerhalb der Mannschaft geworden gegen den Coach und seine Fußballlehre. Mit Interimstrainer Ramon Berndroth kam zwar das Lilien-Gefühl zurück, die Punkte aber gingen weiter woanders hin: nach Freiburg, nach München, nach Berlin. Seit drei Monaten hat der SV Darmstadt kein Spiel mehr gewonnen. „Für mich war das ein stinknormales Ergebnis, wenn Darmstadt 98 ein Auswärtsspiel bei einer Spitzenmannschaft der Bundesliga bestreitet“, sagte Berndroth nach der Niederlage in Berlin, der achten in Folge: „Das Problem für uns ist nur die Summe der Niederlagen.“

Jobprofil ist klar umrissen

Dafür, dass die Lilien wieder besser als die Summe ihrer Einzelspieler sind, soll im neuen Jahr ein neuer Trainer sorgen. Wer es ist, steht immer noch nicht fest, aber das Jobprofil ist klar umrissen: Ein Malocher soll der zukünftige Übungsleiter sein, passend zum Arbeiterstandort Böllenfalltor, und ein Entwickler. Architekt und Handwerker in Personalunion sozusagen, und kosten darf er auch nicht viel. Schon für die Beurlaubungen von Meier und Sportdirektor Holger Fach musste Präsident Rüdiger Fritsch ja an die Vereinsrücklagen gehen. „Wir sind konzentriert an der Sache dran“, sagte Fritsch in Berlin, es ist ein Satz, den man von ihm derzeit oft hört, in diversen Variationen. „Ob heute oder morgen“ ein neuer Coach präsentiert wird, oder „ob wir erst in Ruhe Weihnachten feiern, werden wir sehen“, sagte der 55-Jährige.

Holger Stanislawski ist Favorit auf den Posten, aber auch der ehemalige Lilien-Coach Kosta Runjaic soll noch im Rennen sein. Wer immer es auch sein mag: Der Neue soll dafür sorgen, dass die Darmstädter Spieler mal wieder feiernd vor dem Gästeblock stehen. Auswärts gewonnen haben die Lilien ja zuletzt vor sieben Monaten: im Mai in Berlin.

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