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Alle hören auf sein Kommando: Ramon Berndroth.

SV Darmstadt 98

Im Kleinen das Große entdecken

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Die Lilien wollen in der Fußball-Bundesliga auch gegen die großen Bayern ihre Chance suchen.

Womit soll man anfangen? Vielleicht ja damit, dass Ramon Berndroth fast nicht aufhören wollte. Darmstadt 98 gegen den FC Bayern, und bitte: „Am besten ich erzähle einfach mal was aus der täglichen Arbeit“, hob der Interimstrainer des SVD an, für den das Wort redselig erfunden worden sein muss. Und dann folgte ein 13-minütiger Pressemonolog Berndroths, über die Begeisterung für die Arbeit, die er in den Gesichtern der Spieler sehen würde, über das Positive aus dem Freiburg-Spiel (0:1) und den Geburtstag von Mannschaftskapitän Aytac Sulu unter der Woche. Über die große Variabilität des Rekordmeisters, („Sie haben nicht nur Plan A und Plan B, sie haben auch Plan C und Plan D“), und schließlich, ja, auch darüber, was ein namentlich nicht erwähnter Staatsdirigent einmal zu Berndroths Frau sagte: „Das Großartige entsteht immer aus dem Einfachen.“

Egal, wie viele Kameras auf den 64-Jährigen gerichtet sind: Innerlich scheint dieser Berndroth immer im Schaukelstuhl am Kamin zu sitzen, eine Pfeife im Mundwinkel, und seinen Enkeln etwas aus dem Alltag der aufregenden Fußballwelt zu erzählen. Und dass die Bayern kommen, die großen Bayern, der lebendige und maximale Gegensatz zum SV Darmstadt 98 – aufregender wird es nicht für den südhessischen Fußball-Bundesligisten.

Die Voraussetzungen sind ja eindeutig: Der Tabellenletzte empfängt den Tabellenersten am kommenden Sonntag (15.30 Uhr). „Aber wir werden nichts Verrücktes machen aufgrund der Qualität des Gegners“, verrät Ramon Berndroth. „Das würde die Entwicklung unterbrechen, die die Mannschaft aufgenommen hat. Da, wo wir in Freiburg aufgehört haben, wollen wir weitermachen.“ Dann hat Berndroth eine Vision: Thomas Müller und Arjen Robben, rechte Angriffsseite der Münchner. Ein Darmstädter Verteidiger. „Bopp, bopp, sind die weg.“ Ein zweiter Darmstädter Verteidiger taucht vor dem inneren Auge des Trainers auf. Bopp, bopp, immer noch. „Aber wenn wir es schaffen, dass dann noch ein Dritter von uns da ist oder ein Vierter, sieht es vielleicht anders aus.“ Man müsse den FCB dazu zwingen, Plan D aus der Tasche zu holen. Mit hoher Laufbereitschaft und Disziplin, und natürlich habe man so auch gegen München eine Chance, 1 zu x eben: „Ob das x jetzt für hundert steht oder tausend.“

„Da darf man strammstehen“

Die Lilien wollen dem Rekordmeister nicht unterwürfig begegnen, aber wenn es um den Trainer geht, der am Wochenende aus dem bayerischen Mannschaftsbus steigt, wird jedes Wort Ramon Berndroths von Demut und Bewunderung durchdrungen. „Wer den Fußball liebt, insbesondere den italienischen, wie ich, dann darf man bei einem wie Carlo Ancelotti schon mal strammstehen.“ Die großen Erfolge, die zahlreichen nationalen und internationalen Titel, sind für Berndroth dabei gar nicht das Beeindruckendste an der Spieler- und Trainerlegende. „Der war Co-Trainer bei der italienischen Nationalmannschaft“, weiß der Berndroth, „und dann geht der nach Reggiana, Serie B, und steigt auf. Das imponiert mir eigentlich am meisten.“ Am liebsten entdeckt der Fußballlehrer ja im Kleinen das Große.

An den Lilien-Wundern der jüngeren Vergangenheit will Berndroth, dem Änis Ben-Hatira und Florian Jungwirth wieder zur Verfügung stehen, sich deshalb nicht orientieren, wenn am Sonntag das Unmögliche möglich werden soll am Böllenfalltor. „Ich bin da pragmatisch. Ich denke, wir werden den Spielern etwas anderes anbieten in der Ansprache.“ Die Worte werden Ramon Berndroth jedenfalls nicht fehlen.

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