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Mit harten Bandagen: Serdar Dursun (links) gegen Karim Rekik.

Darmstadt 98

Das Los der Kleinen

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Darmstadt 98 bestätigt den Aufwärtstrend, das allein reicht aber nicht für eine Überraschung.

Eines vorweg geschickt: Dirk Schuster ist sicher kein Mensch, dem der Schalk im Nacken sitzt. Gerade nach Niederlagen seiner Mannschaft, der des SV Darmstadt 98, kann der 50-jährige Trainer auch mal ziemlich übel gelaunt sein. Die Mundwinkel zieht er dann weit nach unten, die Augen richtet er starr nach vorne. Doch nicht so am Dienstagabend, da war Dirk Schuster irgendwie das Gegenteil seiner selbst, und das obwohl die Lilien gerade in der zweiten Runde des DFB-Pokals verdient mit 0:2 an Hertha BSC gescheitert waren.

In der Pressekonferenz knapp 20 Minuten nach Abpfiff der Begegnung am Böllenfalltor stellte also ein Reporter die Frage, ob denn trotz der Pleite die Darmstädter Mannschaft ihren Aufwärtstrend, den sie zuletzt mit einem Remis und einem Sieg in der Liga begonnen hatte, nun aus Sicht des Trainers auch fortgesetzt habe. Schusters Antwort: „Ja!“ Kurzes Schweigen, dann formten sich die Mundwinkel des gebürtigen Chemnitzers zu einem Lächeln. Sogar einen Lacher brachte er ob seiner kurzen, aber durchaus präzisen Aussage hervor. Die Reporter stimmten ein und Schuster legte nach. Er lobte seine Schützlinge ausgiebig: „Wir haben ziemlich viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben uns richtig teuer verkauft, ich bin ganz zufrieden mit der Leistung der Mannschaft. Daran können wir anknüpfen.“ Am Samstag steht das dritte Heimspiel binnen acht Tagen gegen den 1. FC Magdeburg an.

Freilich, zufrieden durfte der Trainer des Zweitligisten mit dem Pokalfight gegen die Hertha auch sein. Denn die Darmstädter hatten gegen die in dieser Saison so starken Berliner tatsächlich lange Zeit Paroli geboten - eigentlich bis zwei Minuten vor dem Ende, als der Bundesligist mit seinem zweiten Treffer des Tages alles klar machte. Zuvor schien für die wacker kämpfenden Gastgeber die Sensation möglich, wenngleich sie irgendwie doch immer ein Stück weit entfernt war. Denn, um ehrlich zu sein, wirklich viele Chancen auf ein Tor hatten die Hausherren in den 90 Minuten nicht. Sie standen defensiv zwar kompakt, die Offensivbemühungen waren dann aber doch etwas bieder. Ein Schuss von Stürmer Serdar Dursun in Hälfte eins, eine von Dursun haarscharf verpasste Hereingabe in Abschnitt zwei. Und, das fuchste die Darmstädter am meisten, einen von Schiedsrichter Robert Kampka nicht gepfiffenen Elfmeter. 

Elfmeter-Ärger gegen Hertha

In der 69. Minute hatte Tim Rieder seinen Angreifer Dursun im gegnerischen Strafraum gefunden, dieser wollte sich um Gegenspieler Niklas Stark herumwurschteln, wurde daran aber durch einen Trikotzupfer des Berliners gehindert - kann man schon mal pfeifen, muss man vielleicht sogar. So sah das verständlicherweise auch Dirk Schuster: „Ich habe mir die Szene noch mal im TV angeguckt und muss sagen, da bekommen wir einen klaren Elfmeter nicht. Warum der Schiedsrichter das nicht gesehen hat, weiß ich nicht, aber das ist vielleicht das Los der kleineren Mannschaft“, sagte der Darmstädter Trainer. 

Zum Los der kleineren Mannschaften gehört es in solch einer Pokalpartie zwischen Außenseiter und Favorit, zwischen Erst- und Zweitligist, wohl auch, dass wirklich alles nach Plan laufen muss, um weiterzukommen. Dass Schiedsrichter richtig hinschauen, dass Gegner einen schlechten Tag erwischen, dass hinten keine gravierenden Fehler gemacht und vorne die wenigen Möglichkeiten erfolgreich im Netz untergebracht werden - bei allem fehlte den Lilien nicht viel, aber eben doch ein Stück. Linksverteidiger Fabian Holland brachte es auf den Punkt: „Es war ein bisschen was drin für uns.“ Mehr aber eigentlich auch nicht.

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