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Klarer Fall: Felix Wiedwald geht gegen Sandro Wagner regelwidrig zu Werke und verursacht den Elfmeter, der zum 1:1 führt.

Uentschieden gegen Bremen

Kein Zurückweichen

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Aufsteiger SV Darmstadt punktet in Bremen mit altbekannten Mitteln – und darf sich einmal mehr bestätigt fühlen.

Fast schon zärtlich legte Dirk Schuster den Arm um den Kollegen Viktor Skripnik. Beinahe wie ein väterlicher Freund, der seinem langjährigen Kumpel in schwierigen Zeiten Mut und Zuversicht ins Ohr flüstert, marschierte der Trainer des SV Darmstadt 98 am Samstag zur Pressekonferenz. Wie immer bekam der Gast in der medialen Aufarbeitung des Bundesligaspiels beim SV Werder (2:2) zuerst das Wort erteilt. Schuster redete dann allerdings weniger über seine Mannschaft, sondern hielt lieber eine Eloge auf den Gegner: „Werder hat in der zweiten Halbzeit viel fürs Spiel getan. Die haben uns richtig eingeschnürt. Unser 2:1 war ein bisschen glücklich. Ich war ehrlich gesagt heilfroh, dass wir beim Schlusspfiff einen Punkt in der Tasche hatten.“

Obwohl Altmeister Claudio Pizarro erst in der 89. Minute das 2:2 köpfelte, weil Rechtsverteidiger Florian Jungwirth nicht nur in dieser Szene denkbar schlecht aussah, wollte der Trainer nicht hadern. „Werder ist spielerisch gut, kämpferisch sogar überragend. Ich wünsche diesem Verein wirklich alles Gute, obwohl wir Konkurrenten im Abstiegskampf sind.“ Nachfragen zu dieser These, die eingedenk der schwachen Bremer Vorstellung sogar der Betrachter mit grün-weißer Brille infrage gestellt hätte, konnte Schuster nicht beantworten. Denn der 48-Jährige wollte nicht den Flieger verpassen, der bereits anderthalb Stunden nach Spielschluss vom Bremer Airport Richtung Frankfurt ging. Also stand Schuster auf, schüttelte Skripnik noch einmal die Hand und eilte fliegenden Schrittes zum Ausgang.

Ob es allerdings nächste Saison im Weserstadion zum Wiedersehen kommt, ist ungewisser denn je. Weil Werder die Rückversetzung in die zweite Liga droht, gegen die sich die mit einem Minimalbudget optimal am Limit arbeitenden Lilien weiter mit allen Mitteln wehren. „Wir haben Werder mit vier Punkten Vorsprung auf Abstand gehalten“, urteilte Schuster vor dem Hintergrund des schwierigen Heimspiels gegen Borussia Dortmund am Mittwoch. Gegen die zweite Fußball-Macht im Lande werden die Südhessen genau jene Herangehensweise pflegen, die in der norddeutschen Tiefebene zum Teilerfolg führte: jeden Spielfluss des Gegners im Keim ersticken und selbst Nadelstiche setzen. Darmstadt ist mittlerweile fast Meister in dieser Methodik. In der teils völlig zerfaserten Bremen-Begegnung ahndete Schiedsrichter Robert Hartmann am Ende 47 Fouls – öfter hat noch kein Referee in dieser Saison unterbrochen.

Sulu im Glück

Der Gastgeber ging genauso nicklig zu Werke wie die Darmstädter. Am Ende hatte Bremen die Foulstatistik sogar mit 24:23 knapp gewonnen. Diskussionswürdig blieb ein Vergehen von Abwehrchef Aytac Sulu, der sich am Boden wälzte, als er im Zweikampf mit Bremens Goalgetter Anthony Ujah zu spät gekommen war. Eine mögliche Gelb-Rote Karte blieb dem Kapitän erspart, der kurz darauf in seiner typischen Manier das 2:1 köpfte (82.).

Das wichtige 1:1 (44.) hatte Sandro Wagner erzielt, als der nun schon neunmal erfolgreiche Torjäger einen an ihm selbst verursachten Strafstoß verwandelte. Der 28-Jährige stieg zeitweise zum Feindbild des Bremer Publikums auf, weil speziell die Werder-Anhänger in der Ostkurve bei seinem Sturz über das ausgestreckte Bein von Torwart Felix Wiedwald ein Täuschungsmanöver vermuteten. Wagners kurze Widerrede: „Er erwischt mich leicht. Das reicht!“ Es hätte sogar Rot für den ehemaligen Frankfurter Keeper geben können, den die grassierende Verunsicherung seiner Vorderleute erreicht hat.

In Darmstadt dagegen tanken die Spieler Selbstbewusstsein. Wagner beispielsweise war gleich so freundlich, den Elfmeter gegen seinen Ex-Klub, bei dem er zwischen Januar 2010 und Januar 2012 unter Vertrag stand, ziemlich lässig zu versenken. „Da war ein bisschen Druck da“, erklärte die Nummer 14, die angeblich am Saisonende eine Ausstiegsklausel über 750 000 Euro Ablöse besitzen soll.

Wagner mag darüber nicht reden. Er will nur den Abstiegskampf erfolgreich zu Ende bringen. Und da sieht er seinen aktuellen Arbeitgeber auf dem richtigen Weg: „Wir waren die erste Halbzeit, Werder die zweite Halbzeit besser. Wir nehmen den Punkt gerne mit. Das geht völlig in Ordnung.“ Oder wie Peter Niemeyer, genau wie auch Luca Caldirola und Tobias Kempe ein weiterer Ex-Bremer, sagte: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Punkt für Punkt kommen wir unserem großen Ziel näher.“

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