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Weiter geht?s: Aytac Sulu (links) tröstet Fabian Holland.

Darmstadt 98

Katerstimmung bei den Lilien

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Die Profis vom SV Darmstadt 98 erwartet eine unangenehme Trainingswoche mit dem Ziel, endlich die Gegner wieder zu nerven.

Es hätte so einfach sein können und in Darmstadt würden sie nun übers ganze Gesicht strahlen. Sich diebisch freuen über einen starken Saisonstart in die zweite Liga. Über ordentliche Leistungen, eine gute Punkteausbeute und vor allem über die Platzierung. Es wäre ein Leichtes gewesen für die Profis des SV 98, für die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster in der Tabelle ganz oben anzuklopfen, vielleicht sogar eine ganze Weile dabei zu bleiben im Aufstiegsrennen. Stattdessen: Tristesse am Böllenfalltor. Nach drei Niederlagen innerhalb einer Woche, dürftigen Vorstellungen, rutschten die Lilien auf Platz 13 ab. Der Blick richtet sich nun vorerst nach unten. „Das Gefühl nach dieser Woche ist beschissen“, sagte Rechtsaußen Sandro Sirigu nach dem 2:4 am Freitagabend bei Holstein Kiel. Klare Worte, die der Wahrheit sicher nah kamen.

Nun ist es nicht so, dass sie in Darmstadt nicht wüssten, woran es liegt. Zehn Gegentore in 270 Minuten – vier in Dresden, zwei gegen Bielefeld, vier in Kiel -, da ist ehrlich gesagt auch nicht allzu schwer, die Problemzone ausfindig zu machen. Und gerade für Trainer Schuster, diesen Defensivnarr, der lieber 1:0 als 5:4 gewinnt, ist das nicht hinnehmbar. Der 50-Jährige sprach von „brutal einfachen Gegentreffern“, kritisierte die „vermisste Liebe am Verteidigen“. Die Mundwinkel waren dabei weit nach unten gezogen, der Frust über die verpatzte Woche schwang in jedem Satz mit. So hatten sie sich das nicht vorgestellt in der Wissenschaftsstadt.

Und es war in der Tat viel zu einfach, wie der Ball in Kiel gleich viermal im Darmstädter Netz zappelte. Ob bei ruhenden Bällen oder auch aus dem Spiel heraus - die abwehrende Abteilung ließ die nötige Konsequenz in den Zweikämpfen vermissen, gab oft nur Geleitschutz.

Darmstädter Kampfgeist macht Mut

Selbst die zwei Innenverteidiger, Marcel Franke und Aytac Sulu, die im Grunde ihr fußballerisches Tun seit Jahren auf die Duelle Mann gegen Mann beschränken und mit dem Ball am Fuß ohnehin nicht allzu viel anzufangen wissen. Selbst diese beiden kamen viel zu oft zu spät. „Wer so viele Fehler in der Defensivarbeit macht, hat es auch nicht verdient, Punkte mitzunehmen“, sagte Schuster. 

Dabei war in Kiel auch nicht alles schlecht, der Trainer hatte auch gute Momente seiner Elf zu sehen bekommen. Die eine oder andere Kombination über die linke Seite etwa, gewohnt gefährliche Standards und vor allem Kampfgeist. Trotz des 0:2-Rückstands, später auch nach dem 1:3, gaben sich die Lilien nie auf. Sie waren zwischenzeitlich sogar drauf und dran, doch noch einen Zähler aus dem hohen Norden entführen zu können. Der herausragende Tobias Kempe, Doppeltorschütze und auch ansonsten mit Abstand bester Kicker auf dem Platz, trieb die Südhessen immer wieder an. Doch es habe eben nicht gereicht, „weil wir im Strafraum einfach viel zu weit weg von den Männern waren“, kritisierte auch der 29-Jährige. 

Immerhin: Es besteht Hoffnung auf Besserung. Diese begründet sich vor allem in einer Person: Dirk Schuster. Der gebürtige Chemnitzer hat in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen, dass er seinen Mannschaften das kernige Verteidigen eintrichtern kann. Erst in der vergangenen Rückrunde machte er aus einer löchrigen Hintermannschaft echte Defensivkünstler, führte die Lilien so zum Klassenerhalt.

Schusters Rezept: Harte Arbeit. Der Trainer ist dafür bekannt, seine Spieler so lange zu striezen, zu nerven, bis sie auch in den täglichen Einheiten endlich den letzten, entscheidenden Schritt machen, um einen Gegentreffer zu verhindern. So wird er es mit Sicherheit auch bis zum nächsten Spiel am Freitag, der Heimpartie gegen Bundesligaabsteiger Hamburger SV machen. Den Lilien-Profis blüht eine unangenehme Trainingswoche mit dem Ziel, endlich auch wieder für den Gegner unangenehm zu werden. Gelingt das, können sie in Darmstadt bald auch wieder übers ganze Gesicht strahlen.

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