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„Wir können in Leipzig nur gewinnen, der Druck liegt beim Gegner“, sagt Lilien-Trainer Dirk Schuster.
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„Wir können in Leipzig nur gewinnen, der Druck liegt beim Gegner“, sagt Lilien-Trainer Dirk Schuster.

RB Leipzig - Darmstadt 98

„Es kann auch mal knallen“

Gegen RB Leipzig spielt der SV Darmstadt 98 um den direkten Aufstieg aus der 3. Liga. Lilien-Trainer Dirk Schuster spricht im Interview über eine lange Leine, die zweite Liga und das Paradies in Leipzig.

Von Sebastian Rieth

Dirk Schuster ist für den SV Darmstadt 98 ein echter Glücksfall. Binnen kürzester Zeit hat es der Trainer geschafft, aus einem Klub, der eigentlich schon mit beiden Beinen in der Regionalliga stand, einen Anwärter auf die zweite Liga zu formen. Das war nicht alleine, aber zu einem großen Teil sein Verdienst. An diesem Samstag können die Lilien mit einem Sieg im Spitzenspiel in Leipzig den direkten Konkurrenten sogar überholen und auf Platz zwei in der Dritten Liga springen. Für den 46-jährigen Chemnitzer wäre das unweit seiner Heimat der bislang größte Erfolg als Trainer.

Herr Schuster, hätten Sie Ihrer Mannschaft diese Rolle vor dem Saisonbeginn zugetraut?
Am Anfang ging es ziemlich holprig und rumpelig los, es waren noch keine Automatismen da, vieles musste sich erst finden. Keiner konnte damit rechnen, dass wir so weit nach oben gespült werden.

Sie haben viele Spieler geholt, die in einem Leistungsloch steckten und ausgemustert wurden. War das ein Risiko? Die Chance, dass diese Spieler wieder zu ihrer Form zurückfinden, war größer als die Gefahr, dass es völlig schiefgeht. Natürlich ist in solchen Fällen immer ein bisschen Risiko dabei, aber wir haben nur Spieler geholt, die wir kannten. Von Wundertüten haben wir Abstand genommen.

Was war der Kniff, der Spieler wie Dominik Stroh-Engel wieder zur alten Form gebracht hat?
Wir gehen hier alle offen und vertrauensvoll miteinander um, es kann sich in Darmstadt schnell ein Gefühl entwickeln, dass man dazu gehört und gebraucht wird. Wir haben die Spieler spüren lassen, dass sie wichtig sind und auch mal einen Fehler machen dürfen, ohne dass das gleich unendliche Konsequenzen hat. Vertrauen ist ein entscheidender Faktor. Deswegen haben wir auch Spielern im Sommer absagen müssen, von denen wir nicht überzeugt waren, dass sie charakterlich in unser Gefüge passen.

Sie lassen den Spielern bewusst eine lange Leine. Warum nutzen die das nicht aus?
Weil sie wissen, was sie davon haben. Unsere Türen stehen immer offen, mit uns Trainern kann man über alles reden. Den Jungs ist klar, dass sie von einer langen Leine profitieren, sie wissen aber auch, dass es mal knallen kann, wenn Dinge ausgenutzt werden oder Unehrlichkeit vorherrscht.

Ist das in Darmstadt schon einmal passiert?
Das weiß ich nicht mehr (lacht).

Sie haben die Rhetorik, es gehe nur um den Klassenerhalt, bis zum Ende eisern durchgezogen. War das Understatement auch ein Mittel zum Zweck?
Mit dieser Maxime waren wir erfolgreich. Von Mechanismen, die greifen, geht man doch nicht weg. Ich nehme ja auch keine Uhr auseinander, die funktioniert. Deshalb war es richtig, in der Öffentlichkeit nur von der Konzentration auf das nächste Spiel zu sprechen. Wir hatten keinen Grund, eine große Klappe zu riskieren. Nach unserem eigentlichen Abstieg im vergangenen Mai waren wir alle ein Vierteljahr am Boden, haben geheult, waren enttäuscht, manche sogar arbeitslos. Es stand uns nicht zu, große Töne zu spucken. Wir hatten schlichtweg unsere Hausaufgaben zu machen, um nicht wieder in eine solche Situation zu kommen. Angstzustände will hier keiner mehr.

Wäre es an einem anderen Standort möglich, oben zu stehen und immer nur vom Klassenerhalt zu reden?
Ich denke nicht, dass diese Situation in Heidenheim so hätte gespielt werden können. Das wäre völlig unmöglich gewesen. Wir haben aber für uns beschlossen, dass wir das kleine gallische Dorf bleiben wollen, das nach einer glücklichen Fügung andere ärgert. Die Reputation, der Status in der Stadt, das positive Licht im Schaufenster – das möchte doch jeder gerne spüren. Jeder will von Haus aus ein Gewinner sein. Am Ende der letzten Saison waren wir alle Verlierer, dieses Image können wir jetzt abstreifen. Es bringt aber doch nichts, hochtrabende Ziele auszurufen, die man dann nach zwei Niederlagen aufs Brot geschmiert bekommt.

Eine so große Chance auf die zweite Liga wird der Verein in den kommenden Jahren wahrscheinlich aber nicht mehr bekommen ...
...wir haben sie ja auch noch nicht verballert.

Ein Sieg gegen Leipzig würde helfen.
Wir können dort nur gewinnen, der Druck liegt beim Gegner. Jagen und erobern macht bedeutend mehr Spaß als etwas zu verteidigen. Wir haben eine überragende Ausgangsposition, egal, wie dieses Spiel ausgeht, es wird immer noch alles möglich sein. In Leipzig erwartet uns eine brutal schwere Aufgabe, das ist wie David gegen Goliath.

Würden Sie nicht auch mal gerne unter Leipziger Bedingungen arbeiten?
Hier in Darmstadt bewegt sich schon einiges, aber die Bedingungen in Leipzig sind vom Feinsten. Der Kader ist zwar mit Überlegung zusammengestellt, aber das Geld spielt dort keine Rolle. Wenn während der Saison Ablösesummen im siebenstelligen Bereich gezahlt werden können, sind die Zustände dort paradiesähnlich. Wir können uns damit nicht messen, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Blicken Sie mit Argwohn auf ein solches Konstrukt?
Ich finde es gut, dass im Osten der Fußball wieder in die erste Liga geführt werden soll. Über gewisse Praktiken lässt sich sicher kontrovers diskutieren.

Würde der Trainertyp Dirk Schuster auch an einem anderen Standort funktionieren?
Ich könnte mir vorstellen, überall zu funktionieren. Aber das spielt für mich momentan keine Rolle, ich habe meinen Vertrag ja erst um zwei Jahre verlängert.

Hat denn kein Klub mal bei Ihnen angeklopft?
Bei mir persönlich hat keiner vorgefühlt. Deswegen beschäftigt mich das nicht. Wenn es so kommt, kann man sich damit auseinandersetzen. Aber das war bislang nicht der Fall.

Viele meckern über das alte Stadion am Böllenfalltor, dabei könnte es doch gerade im Falle einer Relegation ein Pfund sein?
Für uns ist dieser alte Charme eine Selbstverständlichkeit, für andere Mannschaften ein Schockerlebnis. Die kennen doch nur Fußballtempel. Dann kommt bei uns der Platz noch dazu, der von einem Wimbledon-Rasen weit entfernt ist. Deswegen ist es für mich zwingend notwendig, hier zu spielen und nicht auszuweichen.

Schauen Sie schon nach einem potentiellen Gegner?
Natürlich gibt es schon den einen oder anderen Gedanken, wer in der Relegation unser Gegner sein könnte, aber unser Hauptaugenmerk gilt dem Spiel am Samstag in Leipzig.

Interview: Sebastian Rieth

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