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In der nächsten Saison Teamkollegen: Änis Ben Hatira (v.) im Duell mit Marcel Heller.

Ben-Hatira

Ein Käfigkicker für die Lilien

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Der SV Darmstadt 98 verstärkt seine Offensive mit dem ehemaligen Frankfurter Änis Ben-Hatira. Gerade abseits des Platzes soll es mit dem zuletzt vertragslosen Spieler nicht immer einfach gewesen sein.

Die Lilien sind weiter fleißig auf dem Transfermarkt, am Montag traf bereits der zwölfte Neuzugang des Sommers am Böllenfalltor ein. Änis Ben-Hatira, 28, zuletzt vereinslos, davor ein halbes Jahr bei Eintracht Frankfurt, unterschrieb beim Darmstädter Bundesligisten einen Vertrag, über dessen Laufzeit keine Angaben gemacht wurde. „Wir freuen uns, dass Änis Ben-Hatira den Weg gemeinsam mit uns geht und wir einen bundesliga-erfahrenen Außenspieler bekommen“, sagte der Sportliche Leiter Holger Fach. Ben-Hatira selbst erklärte: „Ich bin sehr glücklich, in der Bundesliga zu bleiben, und kann es kaum erwarten, loszulegen.“

Bereits am Sonntagabend ließ der gebürtige Berliner durchblicken, dass er einen neuen Halt in seiner wechselhaften Karriere ansteuert. „Auf zu einem neuen Kapitel!“, schrieb er bei Facebook, wo auch sonst, Ben-Hatira ist ja sehr umtriebig in den sozialen Räumen des Internets.

Ein Blick in die vorangegangenen Kapitel in der Fußball-Vita des Flügelstürmers lässt erahnen, dass der SV98 sich zwar einen durchaus feinen Fußballer in den Kader holt, einen flinken Dribbler mit passablen Abschlussfähigkeiten – aber eben auch einen nicht immer ganz pflegeleichten Charakter. Bei Hertha BSC, wo der Deutsch-Tunesier in der Jugend spielte und später dann fünf Jahre bei den Profis, zeigte man ihm Anfang 2016 die Tür. Grund: Eine Ohrfeige, die er dem Teamkollegen Mitchell Weiser verpasste, im „hinteren Teil“ des Berliner Mannschaftsbusses, wie danach den Hauptstadtmedien zu entnehmen war. Die Verantwortlichen nutzten das Scharmützel, den sportlich nach monatelanger Verletzungspause überflüssig gewordenen Ben-Hatira von der Gehaltsliste zu kicken.

Dopingmittel auf Snapchat

Die Frankfurter Eintracht, damals und bis zum Saisonende in arger Abstiegsnot, zögerte nicht lange. Auf der offensiven Außenbahn fehlt es an Schnelligkeit, also genau an dem, was Ben-Hatiras Spiel ausmacht, und die Bedenken, es könne zwischenmenschliche Schwierigkeiten geben, wurden den sportlichen Argumenten untergeordnet.

Ben-Hatira hat dann zwar nicht besonders gut Fußball gespielt, in seinem Frankfurter Halbjahr, aber zwei wichtige Siegtore im Abstiegskampf sind ihm dennoch gelungen: Gegen Hannover 96 (1:0) und gegen Mainz 05 (2:1). Wobei letzteres im Nachhinein als Eigentor von Stefan Bell gewertet wurde.

Abseits des Platzes soll es mit Ben Hatira, dem Käfigkicker aus Berlin-Wedding, derweil nicht immer einfach gewesen sein. Offenbar auch ein Grund für die Trennung im Sommer. Im April unterlief ihm das sagenhafte Missgeschick, ein Foto aus einem Arztzimmer auf Snapchat zu posten, worauf man erstmal kommen muss. Zu sehen: Spritzen, Kanülen und ein Behälter mit einer im Fußball verbotenen Substanz. Ein Dopingvergehen lag nachweislich nicht vor, aber die Eintracht hatte anschließend ordentlich damit zu tun, die Wogen in der Öffentlichkeit zu glätten.

Er hat sich in den zurückliegenden Wochen eigenverantwortlich fit halten müssen, es könnte also ein Weilchen dauern, bis Änis Ben-Hatira Darmstadt 98 eine echte Hilfe bei der Mission Klassenerhalt sein kann. Gelingt es ihm dann, gesund zu bleiben und sich der Darmstädter Sache voll und ganz zu verschreiben, wäre er der Lilien-Offensive jedoch eine echte Verstärkung.

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