Darmstadt vs. Bremer SV

Junge Pferde springen hoch

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Darmstadt 98 erfüllt seine Pflichtaufgabe im Pokal-Spiel beim Bremer SV souverän. Mit 7:0 fegen die Lilien den überforderten Viertligisten vom Platz.

So lässig Präsident Rüdiger Fritsch den braunen Strickpullover übers blütenweiße Businesshemd gehängt hatte, so locker entledigte sich der SV Darmstadt 98 am Sonntagnachmittag der Pflichtaufgabe im DFB-Pokal. Als das Oberhaupt vorzeitig die sonnenüberflutete Tribüne im Sportpark Vinnenweg verließ, war längst alles entschieden: Mit einem 7:0 (4:0) beim in jeder Hinsicht überforderten Bremen-Ligisten Bremer SV zogen die Lilien erwartungsgemäß in die nächste Runde ein. „Wir haben uns darauf vorbereitet wie ein Bundesligaspiel und es souverän gemacht“, lobte Cheftrainer Norbert Meier, wohl wissend, dass die lupenreinen Amateure auf gegnerischer Seite kaum echte Rückschlüsse für den Bundesliga-Auftakt am kommenden Samstag beim 1. FC Köln zulassen.

Gleichwohl: Genau vor einem Jahr gab sich Eintracht Frankfurt in dem gewöhnungsbedürftigen Ambiente – knarzende Lautsprecheranlage, windanfälliges Gelände, vergilbte Plastiksitze – gegen denselben Gegner (3:0) nicht so torhungrig. Was wiederum mit dem starken Auftritt eines jungen Darmstädter Akteurs zu tun hatte, der die erstmals in diesem Wettbewerb vergebene Trophäe zum „Man of the match“ zum Mannschaftsbus schleppte: Neuzugang Antonio-Mirko Colak bestätigte als Dreifachtorschütze (18., 45.+1 und 58.) seine guten Eindrücke der Vorbereitung. „Er ist überall, wo es nach Tor riecht. Und das nicht erst seit diesem Pokalspiel“, urteilte der Sportliche Leiter Holger Fach über den von der TSG Hoffenheim ausgeliehenen Deutsch-Kroaten. „Das ist mir angeboren“, erläuterte der 22-Jährige mit einem schelmischen Grinsen.

Meier warnte davor, vorschnelle Vergleiche zum Torgaranten Sandro Wagner zu ziehen. „Antonio hatte sich seinen Starteinsatz redlich verdient. Aber wir helfen ihm nicht, wenn wir ihn zu sehr unter Druck setzen. Immer ruhig mit den jungen Pferden.“ Aber allemal erfreulich, wenn Profis mal höher springen als sie müssen. Es gibt genügend Bundesligisten, die sich nur auf das Allernötigste im Pokal beschränken – getreu dem Motto, dass ein gutes Pferd nur so hoch springt wie es muss.

Dass die Südhessen am grünen Stadtrand von Bremen nie einen Zweifel am Sieger ließen, lag vor allem am spielfreudigen Marcel Heller (Torschütze zum 3:0, 39.), dem umsichtigen Mario Vrancic (Flankengeber vor dem Eigentor von Sebastian Kmiec zum 2:0, 21.) oder Jérôme Gondorf (Freistoßschütze zum 5:0, 56.) lag, die allesamt genau wie unter Meiers Vorgänger Dirk Schuster auch in der zweiten Bundesliga-Saison gesetzt sein dürften.

Sulu: Verdacht auf Faserriss

Dass es in Darmstadt vielleicht doch nicht so düster aussieht, wie nach landläufiger Expertenmeinung verbreitet wird, belegte der Blick auf Einwechselspieler. Drei erst kürzlich verpflichtete Hoffnungsträger machten nach ihren Einwechslungen allesamt auf sich aufmerksam: Angreifer Sven Schipplock, setzte den 7:0-Schlusspunkt (87.). Bereits nach einer halben Stunde war Goran Milosevic in die Partie gekommen, weil Kapitän Aytac Sulu mit einer Muskelverletzung in der Wade ausgewechselt werden musste.

Wenn sich der Verdacht auf einen Faserriss am heutigen Montag erhärtet, sollte Milosevic gleich an seinen souveränen Vorstellungen anknüpfen, die der 24-Jährige auch zum Ende der vergangenen Rückrunde bei Hannover 96 bot. Neben dem schwedischen Olympiateilnehmer könnte auch ein ungarischer Nationalspieler zum Sofortgewinn werden: Wie engagiert sich der vom SV Werder entliehene Rotschopf Laszlo Kleinheisler präsentierte, das wirkte belebend. Wie sagte Meier: „Auch der Junge hat eine Menge drauf.“ So viel, dass alle einen Fehler machen, die Darmstadt auch vor dieser Saison schon wieder abschreiben wollten.

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