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Einfach nicht zu bremsen: Darmstadts Braydon Manu.
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Einfach nicht zu bremsen: Darmstadts Braydon Manu.

Zweite Bundesliga

Unscheinbare Erlebniswelt

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Der SV Darmstadt 98 fertigt auch St. Pauli sehr souverän ab, ist plötzlich Erster und kaum einer merkt’s.

An diesem Tag der perfekten Begebenheiten konnte der finale Akt einfach nicht mehr schiefgehen, der letzte Schuss, auch er musste im Netz zappeln – und das weit nach Abpfiff. Die Zweitligafußballer des SV Darmstadt 98 machten sich also gerade auf den Weg zu ihrer Belohnung, die bis auf den letzten Stehplatz gefüllte Südtribüne pulsierte bereits, erwartungsfrohe Frauen und Männer, Mädchen und Jungs, „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“ hallte es durchs Bölle, trotz Maskenpflicht. Und dann versenkte er den Ball eiskalt in den Maschen, aus zwei, drei Metern nur, direkt vor den tobenden Fans, pure Ekstase. Er, das ist der Sohn von Steve Kroll, dem Ersatzersatztorwart der Lilien, die Beinchen kaum länger als der Ball groß, der knipsende Knirps, er war für einen Moment der Held der Massen.

Das 4:0 (4:0) gegen den bisherigen Spitzenreiter FC St. Pauli ließ am Samstag Emotionen allerlei Couleur durchs Darmstädter Stadion wabern. Hauptsächlich natürlich Freude, auch eine gehörige Portion Skepsis mischte sich drunter, ob das denn jetzt wirklich wahr sein könne, dieser furiose Fußballmittag, die furiosen Wochen des Erfolgs überhaupt, gekrönt vom Sprung auf Platz eins. Es gab die Tränen des überwältigten Trainers Torsten Lieberknecht, die Schreianfälle der erfahrenen Recken Marcel Schuhen und Tobias Kempe, die Tanzeinlagen des gefeierten Braydon Manu. Eine Szenerie, die im Sekundentakt stets neue Erlebniswelten schuf. „Wir genießen den Moment“, sagte Lilien-Kapitän Fabian Holland hinterher. „Es macht unfassbare Lust“, ergänzte Stürmer Luca Pfeiffer. Und Coach Lieberknecht war einfach „stolz“.

Die Darmstädter sind zurzeit das Nonplusultra in Liga zwei, nicht nur wegen der Platzierung, auch fußballerisch. Formstärker ist momentan kein Konkurrent im Fußball-Unterhaus. Die Lilien marschierten am Samstag locker und leicht über das bisher beste Team der Klasse hinweg, dominierten die erste Hälfte nach Belieben, trafen durch das seit Wochen schon nicht zu stoppende Sturmduo Phillip Tietz (6.) und Luca Pfeiffer (39. und 41.), dazu noch in Person von Manu (29.), auch spielten sie den Vorsprung in Hälfte zwei „total seriös“ (Lieberknecht) über die Zeit. Und dennoch segeln sie außerhalb Darmstadts, außerhalb Hessens, für sie wohltuend angenehm unter dem Radar der Aufmerksamkeit. Bundesweit beherrschen andere Themen die Zweitligawelt. Der wiedererstarkte HSV, der Schalker Elferfrust, vor allem der Anfang-lose SV Werder.

Aufstieg „null Thema“

Wenn Torsten Lieberknecht die ihm natürlich gestellte Frage nach dem Aufstieg mal eben einfach wegmoderiert, „null Thema“, ist das zwar einer Erwähnung, längst aber keiner längeren Debatte wert. Man glaubt’s ihm einfach. Die Konkurrenz bemüht sich zwar mittlerweile, ein wenig Druck auf den Darmstädter Schultern abzuladen, Sankt-Pauli-Trainer Timo Schultz traue dem SVD nämlich schon zu, „da oben zu bleiben“, ansonsten aber lässt sich das Gefühl des Understatements für die Lilien locker weiter aufrechterhalten.

Dabei gibt es im Grunde nichts, was auf dem Platz besser laufen könnte. Hinten räumen die zwei Hünen Patric Pfeiffer und Thomas Isherwood ab, donnern zur großen Freude ihres Trainers die Bälle auch mal übers Tribünendach hinweg („Das zeigt ihren Willen“), im zentralen Mittelfeld ergänzen sich Abräumer Klaus Gjasula und Gestalter Tobias Kempe nahezu ideal, auf den Außen gibt’s kaum ein Team mit mehr Tempo und vorne steht das Duo Tietz/Pfeiffer nun schon bei gemeinschaftlichen 22 Ligatoren. Und selbst für den Notfall in ferner Zukunft, das sei noch erwähnt, scheint längst ein knipsender Knirps heranzuwachsen.

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