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Verpasste den Siegtreffer für Darmstadt: Serdar Dursun (vorne) hier gegen Saulo Decarli.

Bochum - Darmstadt 2:2

Mit Hand und Hintern

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Mit dem Remis in Bochum ist Darmstadt 98 zufrieden und unzufrieden.

Dort standen sie, und sahen aus wie die Verlierer. Die Hände in die Hüften gestemmt, den Blick stier ins Nichts gerichtet oder gen Boden. Wer die Darmstädter Fußballprofis nach dem Schlusspfiff beobachtete, musste von einer Niederlage für die Südhessen ausgehen. Offenbar hatte man etwas verpasst, offenbar war also doch noch das 3:2 für den VfL Bochum gefallen in der Schlussphase, so geschlagen wie die Lilien da herumstanden, erschöpft, desillusioniert und augenscheinlich schwer enttäuscht. Doch dann erschien Dimitrios Grammozis auf dem Rasen, der Trainer, und bahnte sich mit aufmunternden Gesten den Weg durch die Spieler, um sie aus ihrer Fruststarre herauszuholen.

Natürlich hatte Darmstadt 98 in Bochum nicht verloren, sondern 2:2 (1:2) gespielt, und natürlich mussten die Gäste damit zufrieden sein, denn Marcel Heller hatte erst fünf Minuten vor Schluss den Ausgleich erzielt. Andererseits hatte dieses Zweitliga-Fußballspiel in den 90 Minuten so viele verschiedenen Gestalten angenommen, dass hinterher keiner der Beteiligten wusste, was er eigentlich fühlen soll. „Zu 100 Prozent zufrieden sind wir nicht“, sagte Kapitän Fabian Holland. „Wir nehmen den Zähler mit. Aber wir wollen uns auch endlich mit einem Dreier belohnen.“

Aufgrund der zweiten Halbzeit wäre der auch verdient gewesen, da agierten die Lilien kontrolliert, dominant, geduldig – und ganz anders als vor der Pause, als sie zerstreut, fehleranfällig, ungeordnet daherkamen. „Ein Kompliment für die Moral, aber wir müssen diese Performance von Beginn an zeigen“, sprach Grammozis seinem Team ein gedämpftes Lob aus. Irgendwann im Laufe der ersten Halbzeit hatte er sich seiner blauen Daunenjacke entledigt. Warm war ihm geworden, weil er so viel zu tun hatte in seiner Coachingzone, so viel korrigieren musste.

Im Offensivspiel offenbarte sein Team viel zu viele Ungenauigkeiten und technische Schwächen, um die durchaus vorhandenen Räume rund um die Bochumer Abwehr ausnutzen zu können. In der Defensive haperte es derweil an Abstimmung und Zweikampfverhalten. „Wir wussten, dass die Bochumer über Aggressivität und Galligkeit in das Spiel kommen wollen, waren dann aber nicht so griffig wie der Gegner“, erklärte Grammozis, der den Torschützen Heller zunächst auf der Bank ließ und Tobias Kempe sogar aus dem Kader gestrichen hatte.

Sinnbild fürs Lilien-Spiel in Bochum in Halbzeit eins war das Tor zum 2:1 für den VfL durch Doppelpacker Silvere Ganvoula (25. Spielminute). Tim Skarke hatte den Ball bei einer vielversprechenden Situation im Angriff vertändelt. Beim direkten Gegenzug fiel erst Rechtsverteidiger Patrick Herrmann aus ungeklärten Gründen im Zweikampf mit dem spritzigen Ex-Frankfurter Danny Blum hin, und Immanuel Höhn fälschte Blums Hereingabe mit dem Hinterteil so ab, dass Ganvoula locker einköpfen konnte.

Überhaupt prägte Verteidiger Höhn den ersten Durchgang mit diversen Körperteilen: Ganvoulas Elfmetertor zum 1:0 (10.) hatte er per Handspiel eingeleitet (der Videoschiedsrichter griff ein), den Ausgleich nur drei Minuten später dann per Kopf erzielt. „Wir hätten gerne die drei Punkte mitgenommen, aber ein Auswärtspunkt ist in Ordnung“, sagte der 27-Jährige. „Insgesamt haben wir aber zu wenig Punkte, um mit dem einen Zähler vollends zufrieden zu sein.“ Zumal Serdar Dursun in der 86. Minute, nur eine Minute nach Hellers Ausgleich also, den Sieg freistehend vergab, als er mit seinem Kopfball an VfL-Keeper Manuel Riemann scheiterte. Eine Chance, die ein Mittelstürmer mit dem Anspruch Dursuns verwerten muss.

Auch deshalb standen die Darmstädter hinterher so konsterniert in der Gegend rum. Fast hätten sie verloren und fast gewonnen, und stecken nun weiter tief im Tabellenkeller fest mit sieben Punkten aus acht Spielen. Höchste Zeit, sich dauerhaft aus der Fruststarre zu lösen.

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