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Sein Team enttäuschte: Trainer Dimitrios Grammozis.

SV Darmstadt 98

Haken dran ans Kollektivversagen bei Darmstadt 98

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Nach der deutlichen 0:4-Niederlage beim VfL Osnabrück bleibt dem SV Darmstadt 98 kaum Zeit zum Hadern. Am Freitag steht das Heimspiel gegen Dynamo Dresden an.

Dimitrios Grammozis konnte es gar nicht schnell genug gehen. Der Fußballlehrer des SV Darmstadt 98 eilte in seiner Coachingzone von links nach rechts, der Kopf war errötet, die Hände streckte der 41-Jährige fast flehend nach vorne mit der Absicht, dass der Balljunge die ins Seitenaus geschossene Kugel doch bitte, bitte ein wenig zackiger zurück ins Spiel bringen sollte. Nun sind solche Szenen im hektischen Profibetrieb nicht ungewöhnlich, befindet sich eine Partie in ihrer Schlussphase, ist für die zurückliegende Mannschaft häufiger Eile geboten. Allerdings: Es lief gerade mal die 39. Minute in der Montagabendpartie zwischen dem VfL Osnabrück und Darmstadt 98.

Am fehlenden Einsatz ihres Chefs hatte es also eher nicht gelegen, dass die Lilien im vierten Pflichtspiel der Saison ihre erste Niederlage kassierten. Und dann gleich eine deftige. Mit 0:4 gingen die Südhessen in Niedersachsen unter, sie waren chancenlos, das Ergebnis auch in dieser Höhe gerecht. „Wir haben zu keiner Zeit Zugriff zum Spiel bekommen. Wir haben viele Fehler gemacht, zu viele Bälle verloren und es hat uns die Kompaktheit gefehlt“, analysierte Grammozis.

Dursun überraschend raus

Quasi jedwede Statistik sprach gegen die Gäste: Nur acht Torschüsse brachten die Lilien zustande, wobei einzig ein Kopfball von Immanuel Höhn nach einer halben Stunde für echte Gefahr sorgte. Die Osnabrücker schlossen dagegen 20-mal ab. Die Darmstädter gewannen weniger Zweikämpfe (48 Prozent), hatten weniger Ballbesitz (44 Prozent), spielten weniger Pässe (390 zu 527), dafür aber mehr Fehlpässe (76 zu 68).

„Das war ein kollektives Versagen“, fand Grammozis, „das ist aber auch das Gute – keiner hat die Leistung gebracht.“ Es war deutlich zu spüren, dass der Trainer zwar enttäuscht war vom schwachen Auftritt seiner Mannschaft, er sich aber nicht allzu lange damit aufhalten wollte. Noch direkt auf dem Rasen flüsterte er seinen Spielern ein, dass die Zeit zur Wiedergutmachung alsbald kommen würde. Am Freitagabend empfangen die Lilien im eigenen Stadion Dynamo Dresden. „Wir müssen aus dem Spiel unsere Lehren ziehen und gegen Dresden ein anderes Bild zeigen“, so Grammozis.

Die Kicker schienen die Worte ihres Trainers verinnerlicht zu haben, zumindest behaupteten sie das im Anschluss an die Abreibung. „Wir müssen es abhaken, in vier Tagen geht es weiter“, sagte Torhüter Florian Stritzel. So sah es auch Linksverteidiger und Kapitän Fabian Holland: Die schnelle Chance zur Wiedergutmachung sei „das einzig Positive.“

Dann dürfte auch Torjäger Serdar Dursun wieder in der Startformation stehen, den Grammozis zur Pause in Osnabrück ausgewechselt hatte und stattdessen Verteidiger Mathias Wittek aufs Feld schickte – bei einem 0:1-Rückstand. Obwohl Dursun bis zu diesem Zeitpunkt keinen Torabschluss zustande gebracht hatte, kam der Tausch doch einigermaßen überraschend, ist der 27-Jährige doch eigentlich der verlässlichste Knipser im Lilien-Kader. Grammozis aber schien es sinnvoller, das System von einer Vierer- auf eine Dreierabwehrreihe zu ändern, um den Außenverteidigern Mandela Egbo und Holland mehr Freiheiten zu schaffen. Für einige Minuten nach der Pause funktionierte die Idee, die Hessen kamen schwungvoller über die Außen nach vorne, bis der VfL die dadurch entstandenen Lücken im Darmstädter Defensivzentrum erkannte und für weitere Tore ausnutzte. 0:4 - da hatte es selbst Dimitrios Grammozis in der Schlussphase nicht mehr eilig.

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