Darmstadt 98

Das Grummeln wird überhört

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Bei den Lilien läuft es nicht, Trainer Schuster will dennoch am zurzeit wenig erfolgreichen Ergebnisfußball festhalten

Als Dirk Schuster zu später Stunde am Mittwochabend ans Rednerpult in der Darmstädter Böllenfalltorhalle trat, dauerte es ein paar Sekunden, bis er loslegen konnte. Der 50-Jährige musste sich erst kurz sortieren, schaute noch einmal auf die ausgedruckten Zettel vor ihm, schob seine Brille auf der Nase ein Stück nach oben, atmete tief durch. Und begann schließlich seinen Vortrag. Wie sonst Professoren an der Uni dozierte der Fußballlehrer über die aktuelle Situation seiner Mannschaft, die vom etwas in die Bredouille geratenen Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98.

Die 166 anwesenden Lilien-Anhänger bei der Mitgliederversammlung, die Präsident Rüdiger Fritsch für zwei Jahre wiederwählten, sowie die komplette Mannschaft lauschten gebannt, wagten es nicht, auch nur einen Mucks von sich zu geben. Der Chef sprach. Und er war gut vorbereitet. Schuster sagte so Dinge wie, dass es in den vergangenen Wochen natürlich nicht rund gelaufen sei, dass er, freilich auch die Spieler Fehler gemacht hätten. Aber er sagte auch, dass es eben nicht um die Vergangenheit gehe. Und: „Gemeinsam packen wir das.“ Es war der zentrale Satz von Dirk Schuster, die Mitglieder applaudierten.

Wenn es heute Abend (18.30 Uhr) nur wenige Meter von der Böllenfalltorhalle entfernt im Stadion für die auf Rang 14 liegenden Gastgeber gegen den Tabellenzweiten Greuther Fürth um Punkte geht, müssen den Worten auch wieder Taten folgen. Denn gerade daran haperte es bei den Lilien zuletzt. Sechs Spiele sind die Darmstädter nun ohne Sieg, der letzte datiert vom 2. September - das 1:0 in Heidenheim.

Immerhin: Am vergangenen Sonntag holten sich die Lilien das nach dieser Negativserie ein klein bisschen - oder vielleicht sogar ein bisschen mehr - verlorengegangene Selbstvertrauen ein Stück weit zurück. Das 1:1 in Regensburg, das verdient war und vor allem mit viel Leidenschaft erkämpft wurde, soll neuen Schwung geben. „Es geht nur über die hundertprozentige Einstellung zur Arbeit. Diese hat die Mannschaft über die gesamte Saison gezeigt und in Regensburg auch die kleinen Fehler minimiert. Daran wollen wir anknüpfen“, sagt Schuster.

Gerade die angesprochenen kleinen Fehler im Defensivverbund, man kann sie auch als individuelle bezeichnen, sind für den Trainer also das Grundübel der Misere. Von der Taktik, vom Personal, auch von der Einstellung her sieht er seine Schützlinge dagegen gut aufgestellt. Überraschen dürfte das nicht, schließlich ist der Coach dafür tagtäglich zuständig. Das Grummeln in der Fanszene, dass es spielerisch doch bitte auch mal ein bisschen mehr sein könne, ist auf Schusters Prioritätenliste sicher nicht weit oben angesiedelt. Der gebürtige Chemnitzer ist ein Pragmatiker, einer, für den nur Ergebnisse zählen. In seinen Worten hört sich das so an: „Wir wollen den Zuschauern guten und speziell erfolgreichen Fußball bieten.“

Die Worte Kampf, Leidenschaft und Wille fallen kurz darauf noch. Und dass man gegen die „Mannschaft der Stunde“, Fürth ist seit vier Partien ohne Niederlage, kassierte überhaupt erst eine in der Saison, alles abrufen müsse. „Wir wollen gegen Fürth an die Grenze und darüber hinausgehen, um eine Chance zu haben“, sagt der Trainer, dem bis auf die Langzeitverletzten Felix Platte (Fuß) und Ersatztorhüter Rouven Sattelmaier (Kreuzbandriss) alle Spieler zur Verfügung stehen.

Freilich auch Mittelstürmer Serdar Dursun. Für den 1,90-Meter-Mann ist die Partie gegen die Franken eine besondere. Zwei Jahre spielte Dursun in Fürth, weite Teile der Vorbereitung absolvierte er bei den Kleeblättern, ehe er sich Anfang August den Lilien anschloss. Seitdem ist er bei Schuster gesetzt, als einzige Spitze, die neben Toren (drei sind es bisher), vor allem die auf ihn lang geschlagenen Bälle abschirmen und auf nachrückende Mitspieler verteilen soll. Dursun kommt vor dem Duell gegen seinen Ex-Klub aber noch eine andere Rolle zu. Schuster: „Es wäre fahrlässig, seine Infos auszublenden und ihn nicht mit ins Boot zu nehmen.“ Die Lilien dürften heute auf dem Platz also ähnlich gut vorbereitet sein, wie Dirk Schuster es für seinen Vortrag war.

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