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Neue Lilie: Markus Anfang.

Kommentar

Großes Vertrauen

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Darmstadt 98 stattet Markus Anfang mit einem Zweijahresvertrag aus, den die Lilien dem aktuellen Trainer, Dimitrios Grammozis, verweigerten - das ist nicht unbedingt ein Widerspruch. Ein Kommentar.

Anfang des Jahrhunderts erlebten zwei Fußballer eine spannende Zeit. Damals, zwischen 2002 und 2004, kickten sie gemeinsam in Kaiserslautern, beim Pfälzer Traditionsklub. Bundesliga, Betzenberg und Basler. Oder auch Wiese, Sforza, Klose. Welch Teamkollegen, welch Erinnerungen. Und mittendrin die Herren Grammozis und Anfang, zwei Mitzwanziger, Marke Wadenbeißer. Bald werden sich die Wege der einstigen Weggefährten wieder kreuzen. Da wird der eine, Dimitrios Grammozis, dem anderen, Markus Anfang, erklären, wie es so ist als Trainer des Zweitligisten Darmstadt 98. Eine präzise Übergabe gehört im Profigeschäft einfach dazu.

Grammozis und die Lilien hatten sich ja bei den im Januar begonnenen Verhandlungen nicht auf eine Ausweitung der Zusammenarbeit über die Saison hinaus einigen können. Der Trainer wollte lieber länger bleiben, der Verein wirtschaftliche Vernunft walten lassen und nur einen Einjahreskontrakt vergeben. Nun erhielt Nachfolger Anfang jedoch einen Vertrag über zwei Spielzeiten. Passt das zusammen? Jein. Natürlich rein faktisch nicht, ansonsten aber sehr wohl. Denn für Grammozis wäre die kommende Saison die dritte als Lilien-Coach gewesen, erfahrungsgemäß können da erste Abnutzungserscheinungen zwischen Trainer und Spielern auftreten. Die Darmstädter wollten auf Nummer sicher gehen und abwarten. Das muss man nicht verstehen, allen voran muss Grammozis das nicht, nachvollziehbar ist die Vorgehensweise aber schon.

Dass Anfang mindestens zwei Jahre die Geschicke leiten soll, ist logisch, schließlich coachte er bisher recht erfolgreich. Die Leverkusener Junioren führte er zur U17-Meisterschaft, die Kieler Profis fast zum Durchmarsch von Liga drei in eins, in Köln wurde er als Erster kurz vor dem Aufstieg überraschend entlassen. Das sind gute Argumente, sehr gute gar, zumal Anfang unbedingt wieder als Coach arbeiten wollte und aufgrund der derzeitigen Corona-Lage keine allzu großen Gehaltsforderungen stellen konnte. Auch lässt er gerne einen ähnlichen Stil wie Grammozis spielen: Ballbesitzfußball. Das passt den Darmstädtern gut in den Kram und vor allem deren Sportlichen Leiter Carsten Wehlmann. Ihn verbindet eine gemeinsame Kieler Zeit mit Anfang.

Wahrscheinlich ist, dass Wehlmann bereits vor dem verkündeten Grammozis-Abschied den arbeitslosen Anfang als dessen möglichen Nachfolger im Kopf hatte. Das Vertrauen der beiden Männer ist groß. Jenes hatte bei den Verhandlungen zwischen Grammozis und dem Klub dagegen gelitten. Die präzise Übergabe der einstigen Lauterer Wadenbeißer kann also bald folgen.

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