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In der Lilien-Abwehr angekommen Slobodan Rajkovic (il.).

Darmstadt 98

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Slobodan Rajkovic ist nicht erst nach seinem Tor gegen Hoffenheim für die Lilien eine grandiose Verstärkung.

Wenn Slobodan Rajkovic sich durch die engen Katakomben am Böllenfalltor bewegt, dann meist ein bisschen gebückt. Sicher ist sicher. Denn wer mehr als 1,90 Meter groß ist, der hat in Kellergewölben wie diesen schon oft die Erfahrung gemacht, sich den Kopf zu stoßen. Aber der serbische Verteidiger wusste ja, worauf er sich einlässt. „Mir ging es damals nicht um die Ausstattung, sondern um die Atmosphäre in der Kabine“, hat Rajkovic mal gesagt, als ihn das „Hamburger Abendblatt“ für ein Interview an neuer Wirkungsstätte besuchte.

Der Profi hatte zuvor beim Hamburger SV keinen Vertrag mehr bekommen und war dann Ende September vom SV Darmstadt 98 verpflichtet worden. Verwendung gab es auch dort für ihn zunächst nur bedingt. Nur dreimal wechselte Trainer Dirk Schuster ihn bis zur Winterpause ein, um ihn für seinen Trainingseinsatz zu belohnen. In der 90. Minute eben gegen den HSV. In der 86. Minute beim FC Ingolstadt. Und in der 89. Minute bei Eintracht Frankfurt.

Doch Schuster und Rajkovic hatten bereits zu diesem Zeitpunkt einen geheimen Pakt geschlossen. Motto: Die Zeit wird kommen. Im neuen Jahr. „Wir wussten um seine Qualität. Er hat nicht umsonst beim FC Chelsea gespielt. Wir wussten aber auch, dass er erst seinen Rhythmus finden muss“, sagte Schuster am Sonntagabend, als den Lilien der 2:0-Coup bei der TSG Hoffenheim geglückt war.

Eben dank Rajkovic, der erst den Kopfball ansetzte, den Kapitän Aytac Sulu zum 1:0 nutzte, ehe die Nummer 35 selbst das 2:0 erzielte. Vier Tage nach seinem 28. Geburtstag. Sein Jubel vor fast 5000 mitgereisten Fans belegte eindrucksvoll, welche Befreiung einer empfand, der schon mit 16 Jahren beim FC Chelsea einen langfristigen Vertrag bekam, dann auf Europa-Tournee (OFK Belgrad, PSV Eindhoven, Twente Enschede, Vitesse Arnheim) geschickt wurde, ehe ihn 2011 der HSV holte. „Jeder, der mal arbeitslos war, weiß doch, wie scheiße sich das anfühlt“, sagte Mitspieler Peter Niemeyer. Rajkovic, Spitzname „Boban“, wollte keine ergänzenden Einblicke gewähren. Nur am ARD-Mikrofon äußerte er sich kurz: „Das war ein richtig gutes Spiel von uns. Wir haben konzentriert verteidigt, sehr gut gearbeitet. Die ganze Mannschaft hat sich diesen Sieg verdient.“

„Ich will immer siegen“

So ähnlich hatte es auch Schuster herausgestellt, der kaum etwas mehr missbilligt, wenn kollektiv errungene Erfolge in der öffentlichen Wahrnehmung auf Einzelpersonen reduziert werden. Aber Matchwinner war nun einmal der 14-fache serbische Nationalspieler, der auf seinem Handy mitunter noch ein Bild aus HSV-Zeiten vorzeigt, das ihn im völlig verdreckten Trikot zeigt. Darunter steht das Schlagwort „Siegeswille“. Und der Satz: „Ich will immer siegen.“ Deswegen sagte er nach seiner Verpflichtung: „Ich liebe es zu kämpfen. Deswegen hatte ich so großen Bock auf das Projekt Darmstadt 98.“ Anscheinend haben sich da zwei gesucht und gefunden.

Denn zur Spielweise des garstigen Emporkömmlings passt der 88 Kilogramm schwere Hüne. Seine Schnelligkeitsdefizite fallen nicht groß ins Gewicht, wenn ein Team so tief steht wie Darmstadt zeitweise in Sinsheim. Ein ums andere Mal trat, schlug, grätschte oder köpfte Rajkovic die Kugel aus der Gefahrenzone. „Das gibt totale Zuverlässigkeit, wenn man das im Hinterkopf hat“, sagte Sulu über seinen Nebenmann. Dass deswegen der in der Hinrunde gewiss nicht enttäuschende Luca Caldirola nun links in der Viererkette verteidigt, gereicht niemand zum Nachteil außer dem nominellen Linksverteidiger Junior Diaz. Aber speziell im Zentrum wirkt die Schuster-Elf noch präsenter und körperlicher als in der Hinrunde. Für alle Konkurrenten, die auf einen Einbruch des Aufsteigers in der Rückrunde gehofft haben, ist das kein gutes Zeichen.

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