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Gräm dich nicht: Sargis Adamjan (links) von Jahn Regensburg spendet dem enttäuschten Immanuel Höhn Trost.

Darmstadt 98

Frühling auf allen Ebenen

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Darmstadt 98 hadert nach dem 1:1 gegen Regensburg mit der schwachen Chancenverwertung, freut sich aber über die insgesamt positive Entwicklung.

Die allgemeine Aufbruchstimmung, die dieser Tage in Darmstadt rund ums Böllenfalltor herrscht, wurde am Samstagmittag von Frühlingsgefühlen verdichtet; die Sonne strahlte den Menschen ins Gesicht, und die Gesichter strahlten zurück. Nur drunten, im Kellergemäuer des ehrwürdigen Fußballstadions, war die Laune nicht ausgenommen ausgelassen. Unentschieden gegen Jahn Regensburg: Ja, schon ein gutes Ergebnis, irgendwie – aber die Chancen, diese ganzen Chancen!

„Ärgerlich“ sei dieses Ergebnis, sagte Lilien-Flügelmann Marcel Heller über das 1:1 (0:0), während es Teamkollege Yannick Stark als „bitter“ bezeichnete, dass „wir nur einen Punkt hierbehalten“. Serdar Dursun hatte Darmstadt nach einem mustergültigen Konter über Heller in Führung gebracht (55.), Andreas Geipl per Distanzschuss ausgeglichen (69.).

In der Statistik fand man hinterher 25:11 Torschüsse zugunsten der Südhessen, für sich schon ein eindrucksvoller Wert, aber das Gefühl des Bedauerns speiste sich eher aus der Qualität einiger Torabschlüsse. Vor allem die beiden Kopfbälle des Innenverteidigers Marcel Franke (84., 90.+3), jeweils nach Eckbällen, verfehlten das Regensburger Tor nur knapp. „Wenn man den Kopfball von Franke in der letzten Sekunde sieht, muss man eigentlich gewinnen“, haderte SVD-Trainer Dimitrios Grammozis ein wenig mit dem Finale des Spiels, während Heller aus persönlichen Gründen vor allem an einer anderen Szene zu knabbern hatte. Nach einem Alleingang in der 59. Spielminute hatte der 32-Jährige Gästetorwart Philipp Pentke bereits umkurvt, kam dann aber ins Straucheln, um schließlich doch am Regensburger Keeper zu scheitern. „Ich bin leider weggerutscht. Sonst hätte es 2:0 gestanden“, schilderte Heller seine Sicht der Dinge: „Darüber ärgere ich mich heute, aber morgen geht es positiv weiter.“

Damit hatte der ewig schnelle Seitenlinienrenner das Wort zum Samstag gesprochen, denn der erste Impuls, einen verpassten Sieg zu beklagen, war schon bald nach Spielschluss im Begriff sich verflüchtigen.

Darmstädter Aufwärtstrend

Die gute Leistung gegen den Tabellenachten aus Regensburg untermauerte den Darmstädter Aufwärtstrend der vergangenen Wochen, der vor der Länderspielpause 3:2-Siege daheim gegen Holstein Kiel und auswärts beim Hamburger SV hervorgebracht hatte. Unter dem neuen Cheftrainer Grammozis und seinem Co-Trainer Iraklis Metaxas agieren die Lilien mutiger und mit mehr Spielfreude als unter Vorgänger Dirk Schuster, der Kurzpassfußball bei Gegnerdruck für eine Spielform des Wahnsinns hält, wenn man Darmstadt 98 ist. Seit Neuestem sind die Darmstädter entschlossen, „sich durch die Ebenen“ nach vorne zu spielen, wie Grammozis das ausdrückt, und das sieht nicht nur gut aus, es funktioniert auch. Die Punkteausbeute von sieben Zählern aus den vergangenen drei Spielen hat den SVD sieben Wochen vor Saisonende erst einmal in den verkehrsberuhigten Bereich der Zweitligatabelle bugsiert. Platz elf, 32 Punkte. Kein Stress.

„Die Sicherheit ist zurück, wir trainieren die ganze Woche sehr detailversessen und sind gut vorbereitet auf den Gegner“, erläuterte der gebürtige Darmstädter Stark am Samstag: „Die aktuellen Leistungen sind Produkt dieser harten Arbeit. Es gibt uns ein gutes Gefühl, wenn es dann auf dem Platz so funktioniert.“ Auch Heller betonte, dass es „Selbstbewusstsein bringt, wenn wir in den Fußball reinkommen, den der Trainer sehen will. In den letzten Wochen haben wir gesehen, was wir mit dem Ball anfangen können, wenn wir wollen und wenn wir uns trauen, und da müssen wir weiter drauf aufbauen.“

Der Mann, dem zugeschrieben wird, die Leichtigkeit ans Böllenfalltor zurückgebracht zu haben, glänzte derweil mit Demut und Zurückhaltung. „Wir haben schon versucht, zwei, drei Elemente neu reinzubringen“, sagte Grammozis: „Aber die Jungs machen vieles, was sie vorher schon gemacht haben.“ Auch dem bescheidenen Deutsch-Griechen ist aber nicht entgangen, dass sein Team freudvolle Auftritte hinlegt, die mit dem Schusterschen Hochsicherheitssystem so eher nicht denkbar waren. Das Team habe „Spaß an der Art und Weise“, wie der Fußball neuerdings interpretiert werde, „und das kommt, glaube ich, von Spiel zu Spiel besser zur Geltung. Dass wir auch gegen eine defensiv sehr gute Teams wie Regensburg so viele Chancen kreieren, ist ein Kompliment für die Mannschaft“, befand der 40-Jährige Fußballlehrer.

Der Umbruch fühlt sich gerade nach Aufbruch an der Großbaustelle Böllenfalltor, da stört auch der eine oder andere Fauxpas nicht weiter. Dass bei der Mannschaftsvorstellung Dirk Schuster anstelle Grammozis‘ auf der Anzeigetafel auftauchte, sorgte für große Erheiterung auf den Rängen.

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