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Scham? Frust? Beides? Fabian Holland.

Darmstadt - Ingolstadt

Flughörnchen am Bölle

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Fabian Holland ergaunert für Darmstadt 98 mal wieder ein 1:1 gegen den FC Ingolstadt.

Sollte ein Ingolstädter Beliebtheitspreis zu den Lebenszielen des Fußballprofis Fabian Holland gehören – es sieht da nicht gut aus zurzeit. Von einer Fairplayplakette ganz zu Schweigen. Holland, der 28-jährige Linksverteidiger in Diensten des SV Darmstadt 98, droht sich vielmehr einen formidablen Ruf als Schwalbenkönig aufzubauen in Ingolstadt. Am Samstag, beim 1:1 (0:1) der Lilien gegen den Tabellenletzten aus Bayern, fiel er im gegnerischen Strafraum hin, ohne Zutun des Gegners, ohne sichtbare Berührung, und Schiedsrichter Alexander Sather, 32, fiel drauf rein. Tobias Kempe nutzte das späte Elfmetergeschenk und traf zum Ausgleich für Darmstadt.

Was die Ingolstädter besonders auf die Palme brachte: Im vergangenen März erst war das gleiche passiert. Schwalbe Holland, Elfer Darmstadt, Kempe markiert den 1:1-Endstand. Ein Déjà-vu der bitteren Sorte für die abstiegsbedrohten Bayern.

Am Samstag war es Sonny Kittel, der Holland nach Ersteinschätzung des Schiedsrichters zu Fall brachte, missmutig stand der ehemalige Frankfurter später im Untergeschoss des Darmstädter Stadions. „Ich habe ihn nicht berührt“, murmelte Kittel, „ich geh auch gar nicht zum Ball, weil ich weiß, dass ich Gelb habe, dreh mich weg. Letzte Saison hat er ja genau das gleiche abgezogen. Muss er wissen, wie er mit dem Gewissen leben kann.“ Zu erwähnen ist: Es handelte sich hierbei um den gleichen Sonny Kittel, der im Hinspiel der Vorsaison (3:0 für den FCI) unter ähnlich mysteriösen stürzte wie nun Holland, ebenfalls mit Elfmeter- und Torfolge.

Lilien das bessere Team

Über Fabian Hollands Gewissen erfuhr man am Samstag jedenfalls nichts mehr aus erster Hand, der Besitzer des Gewissens war nicht zu sprechen. Dafür äußerte sich Teamkollege Sandro Sirigu. „Ja, der Fabi, das macht er immer clever, auch im Training, da gibt’s auch immer Elfmeter“, sagte der Rechtsverteidiger mit wissendem Lächeln und versicherte: „Es war auf jeden Fall ein Kontakt da, das habe ich gesehen. Er hat ihn auf jeden Fall getroffen.“ Offenbar verfügt Sirigu im echten Leben über jene Superlupeneinstellung, mit welcher der TV-Sender Sky später nahelegte, dass Kittel Holland minimal an der Schuhsohle touchiert hatte. Was den Darmstädter aber eher nicht vom Betrugsvorwurf freisprach.

Die Szene, die als Plädoyer für die Einführung des Videobeweises auch in Liga zwei taugt, wurde auch dadurch nicht erträglicher, dass zu Beginn des Spiels noch die Darmstädter Leidtragende einer Schiedsrichterentscheidung waren – einer strittigen, keiner eindeutig falschen. Torwart Daniel Heuer Fernandes musste schon nach 20 gespielten Sekunden gegen den heranrauschenden Kittel eingreifen, erwischte mit den Fingerspitzen den Ball und mit dem Rest seiner Arme den Kittel. „Ich denke, kein Elfmeter“, sagte Heuer Fernandes: „In der Halbzeit gab es noch mal ein Gespräch mit dem Schiedsrichter, er hatte sich die Szene noch mal auf Video angeschaut, und ich denke, im Nachhinein sieht er es genauso wie ich.“

Während Lilien-Trainer Dirk Schuster maximal diplomatisch von zwei „diskussionswürdigen“ Entscheidungen sprach, ärgerte sich Gästetrainer Jens Keller zwar, dass „wir aufgrund der Fehlentscheidung das Spiel vielleicht gewinnen müssen“. Nach seinem ersten Spiel als neuer Trainer der Schanzer nach der Entlassung des glücklosen Alexander Nouri wusste aber auch Keller: Der Ausgleich war verdient für die Darmstädter. In einem reinen Kampfspiel war das Schuster-Team engagierter und zweikampfstärker und hatte mehr Chancen, was aber auch nicht schwierig war. Weil Ingolstadt überhaupt keine Chancen hatte. Fast hätte Marvin Mehlem mit dem letzten Atemzug des Spiels sogar das 2:1 geschafft für den SVD, in der Nachspielzeit. Es wäre eindeutig zu viel des Leides gewesen fürs gebeutelte Ingolstädter Schlusslicht.

Am Ende kamen alle irgendwie klar mit dem Unentschieden beim letzten Spiel vor der alten Bölle-Gegengerade, die nun plattgemacht wird. Bis zur Winterpause haben die Darmstädter noch zwei Auswärtsspiele, das erste kommenden Sonntag bei Erzgebirge Aue, das am Wochenende eindrucksvoll 5:0 bei der SpVgg Greuther Fürth gewann, dem letzten Lilien-Gegner dann in diesem Jahr. Ein Polster auf die Abstiegszone besteht noch, auch nach nur einem Punkt aus den vergangenen vier Spielen. „Wir wollen noch den einen oder andere Punkt sammeln bis Weihnachten“, sagte Sandro Sirigu und verwies aufs Eichhörnchen-Prinzip. Nicht zu verwechseln mit dem Flughörnchen-Prinzip, das Fabian Holland so gerne anwendet.

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