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Felix Platte hat seinen Rücktritt erklärt.

„Bundesliga Home Challenge“

Flucht ins Virtuelle

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Ausgerechnet vorm Hessenderby gegen die Eintracht hat Lilien-Stürmer Felix Platte keine Lust mehr aufs Zocken an der Konsole.

Am Dienstag hat Felix Platte seinen Rücktritt erklärt. Es reiche ihm jetzt, sagte der Stürmer des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 im Gespräch mit der FR, in Zukunft könne ein Kollege für ihn spielen. Er selbst habe andere Sachen zu tun. Für die Darmstädter war das natürlich ein etwas blöde Nachricht, nur wenige Tage vor dem großen Hessenderby gegen Eintracht Frankfurt, das an diesem Samstag steigen wird, 15.30 Uhr (live bei Dazn). Platte war ein verlässlicher Punktelieferant, seine Bilanz makellos. Aber er hat keine Lust mehr.

Sein schweres Erbe tritt Mannschaftskamerad Erich Berko an. Zu Hause wird er sich, im Lilien-Trikot natürlich, vor den Bildschirm setzen, die Spielkonsole anschalten und auf den Knöpfen eines Controllers herumdrücken, um die Lilien zum prestigeträchtigen Sieg gegen die Eintracht zu schießen.

Die analoge Welt hat gerade zu, es bleibt die Flucht ins Virtuelle. Nicht zuletzt im Fußball. Am vierten und vorerst letzten Spieltag der von der Deutschen Fußball-Liga zu Corona-Zeiten ins Leben gerufenen „Bundesliga Home Challenge“ treten am Wochenende wieder 30 Teams aus der Ersten und Zweiten Bundesliga gegeneinander an, gespielt wird die weltweit beliebte Fußball-Simulation Fifa 20. Im Netz werden dazu diverse Livestreams angeboten, klein eingeklinkt sind dann wieder die realen Akteure zu sehen, wie sie daheim sitzend auf einen Bildschirm starren.

Üblicherweise ist für jeden Klub mindestens ein Lizenzspieler und „eine Person aus dem entsprechenden Klub oder dessen Umfeld“, wie zum Beispiel ein E-Sportler, am Start (bei Eintracht Frankfurt Profi Nils Stendera und Emil Köhler aus der E-Sport-Abteilung). Es gibt auch ein „Team Schiedsrichter“, bestehend aus den Bundesliga-Referees Daniel Schlager und Deniz Aytekin. Den hatte Felix Platte am vergangenen Wochenende sehr souverän besiegt, mit 5:0. Es war sein dritter Sieg im dritten Spiel.

„Richtig coole Sache“

Der 24-Jährige hat sich dabei ein bisschen selbst verraten müssen, aber er hat es gerne getan. Normalerweise spielt er Fifa, wie er auch im echten Leben Fußball spielt, offensiv, draufgängerisch. „Normal spiele ich sehr ungeduldig, weil ich möglichst schnell nach vorne möchte, sonst ist es mir zu langweilig“, sagt Platte: „Aber gleich im ersten Trainingsmatch gegen Yannick (Yannick de Groot vom E-Sport-Team von Darmstadt 98; Anm. d. Red.) habe ich gesehen: So wie ich normal spiele, wird das nichts. Man muss gut verteidigen und sich kontrolliert nach vorne kombinieren.“

Felix Platte hat die Erfahrung der „Home Challenge“ genossen, die Abwechselung vom mitunter zähen Corona-Alltag eines Fußballprofis, der zu Hause trainieren muss (inzwischen sind auch die Darmstädter wieder in Kleingruppen auf dem Rasen zugange). „Es war auf jeden Fall eine richtig coole Sache. Es tat gut, mal wieder so ein bisschen Spieltagsluft zu schnuppern, wieder eine kleine Anspannung zu haben am Wochenende. Das hat einem richtigen Matchday fast schon geähnelt“, sagt Platte, der mit den E-Sportlern de Groot und Luca Bernhard an allen drei Spieltagen siegreich war für die Lilien.

Eine offizielle Wertung für den virtuellen Spaß gibt es nicht. Aber Ruhm und Ehre sind auch inoffiziell etwas wert – insbesondere im Hessenderby.

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