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Ich war´s: Aytac Sulu, Darmstädter Torschütze und Objekt vieler Diskussionen.

Lilien

"Ein unfairer Spieler"

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Beim 1. FC Magdeburg ärgert man sich über Lilien-Kapitän Aytac Sulu.

An einem Tag wie diesem wird wohl der Fußball erfunden worden sein, und das Stadion am Böllenfalltor obendrein, und der SV Darmstadt mit dazu. Auf der alten Gegengerade, der unüberdachten, die nun bald der neuen Gegengerade weichen muss, der überdachten, reckten Fans aus Magdeburg und Darmstadt ihre Nasen selig in die milde Herbstsonne, unten auf dem Rasen gab’s eine Vintage-Vorstellung der Lilien. Es war ordentlich was los, beim hart erkämpften 3:1 (1:0)-Sieg des südhessischen Zweitligisten gegen den 1. FC Magdeburg. Vier Tore, zwei Platzverweise. Und jede Menge Zoff.

„Wer nach Darmstadt fährt, erwartet nichts anderes als diese Spielweise“, sagte Gäste-Trainer Jens Härtel auf der Pressekonferenz ohne Groll über die gallige Herangehensweise der Lilien: „Da muss man sich wehren.“ Offensichtlich hatte Härtel das auch seiner Mannschaft gesagt vor dem Spiel, und ganz besonders gut zugehört hatte wohl Björn Rother, der 22-jährige Mittelfeldspieler der Magdeburger.

Der hatte bereits früh im Spiel eine Absichtserklärung abgegeben, als er in Richtung des wie immer energischen Darmstädter Trainers Dirk Schuster schimpfte, der die Provokation aber stoisch ignorierte. Auch im weiteren Verlauf des Nachmittags war Rother immer da zu finden, wo es Ärger gab auf dem Platz, was eher kein Zufall war, und beruhigt hatte er sich nicht, als er nach Spielschluss auf die Presse traf. Sein Unmut traf vor allem Aytac Sulu, den Darmstädter Kapitän, der sich ja gerne mal als Reizfigur geriert auf dem Fußballfeld. 

„Jeder kennt ihn, er tut immer auf großen Sportsmann, aber im Endeffekt ist er ein sehr unfairer Spieler auf dem Platz“, sagte der aufgebrachte Rother: „Er muss eigentlich die Rote Karte kriegen. Er schlägt mir ins Gesicht, das ist Elfmeter und Rot.“ Gemeint war jene Szene in der 82. Spielminute im Darmstädter Sechzehner, als Rother Sulu zu Fall brachte, woraufhin der Darmstädter seinem Kontrahenten im Sturz mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. „Das war Absicht“, behauptete Rother, „da braucht er sich auch gar nicht rausreden.“

Sulu auf der anderen Seite, der Torschütze zum vorentscheidenden 3:1 (80.), hatte nicht das Gefühl, sich rausreden zu müssen, denn: „Es war ja keine Absicht. Ich habe ihn tatsächlich im Gesicht getroffen, das habe ich auch dem Schiedsrichter gesagt. Er ist in mich reingesprungen, und beim Hinfallen habe ich ihn erwischt.“ Und überhaupt, es werde viel geredet auf dem Platz, Trash Talk, erklärte der 33-jährige über die offensichtlich hitzige Stimmung auf dem Platz. Aber das wichtige sei doch, dass man sich hinterher die Hand gebe. Wozu im frustrierten Lager der Magdeburger erst einmal fast keiner Lust verspürte.

Rother fasste die Stimmung bei den Gästen später spitz zusammen: „Es war möglich, hier zu punkten, die Darmstädter sind keine Koryphäen des Sports. Die haben uns die ganze Zeit beleidigt, dass wir die größten Holzhacker wären, die auf dem Platz hier rumlaufen, aber ich hab bei denen auch keine guten Fußballer gesehen.“ Wobei: Große Fußballkunst war auch gar nicht vonnöten von den Darmstädtern, um zum Abschluss der Englischen Woche den zweiten Ligasieg in Folge reinzuholen gegen sogar für Zweitligaverhältnisse biedere Magdeburger. 

Ein ordentlich zu Ende gespielter Angriff genügte den Lilien, um durch Torjäger Serdar Dursun in Führung zu gehen (43., fünftes Saisontor.). Slobodan Medojevic erhöhte für feldüberlegene Darmstädter mit Unterstützung des Zufalls, per abgefälschter Flanke (60.), und als Dennis Erdmann wenig später mit Gelb-Rot vom Platz ging nach einem taktischen Foul (63.), schien die Sache erledigt – bis auch der Darmstädter Fabian Holland mit der Ampelkarte frühzeitig abging (69.), erfolgreich provoziert von, wie konnte es anders sein: Björn Rother. Nach Marius Bülters Anschlusstreffer durch eine feine Einzelleistung (71.) drohte die Partie zu kippen. Bis Sulu traf, per Kopf, völlig frei bei einem Freistoß.

So können die Lilien nach einem hektischen Spiel nun ganz entspannt auf die Tabelle gucken, 17 Punkte, Platz zehn. Wo der Weg jetzt hingeht? „Ist uns relativ egal“, behauptete Sulu: „Wir wollen nur nicht unten reinrutschen.“

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