+
Bastians räumte eine Schwalbe ein.

Bochum gegen Darmstadt

Ehrlich gewonnen

  • schließen

Der VfL Bochum siegt verdient gegen den SV Darmstadt 98. Kapitän Bastians gesteht eine Schwalbe ein.

Es war Torsten Frings ein wichtiges Anliegen, dem VfL Bochum nicht nur einen Glückwunsch für den auch aus seiner Sicht verdienten 2:1-Auswärtssieg auszusprechen, sondern deren Kapitän Felix Bastians „ein Riesenkompliment“ auszusprechen: „So etwas kommt nur noch sehr, sehr selten vor. Davor kann man nur den Hut ziehen.“ Der Trainer des SV Darmstadt 98 bewies damit ein feines Gespür, was aus dem Stadion am Böllenfalltor von diesem Sonntag in Erinnerung bleiben wird: Zum einen der unerklärliche Leistungseinbruch des Gastgebers nach der Pause, zum anderen aber die bemerkenswert ehrliche Aktion des VfL-Abwehrspielers, der beim Stande von 0:1 eine Schwalbe zugab. Bastians hatte nach einem Vorstoß zuerst drei Gegenspieler ausgetanzt, ehe der 1,88-Meter-Mann im Strafraum fiel (63.).

Schiedsrichter Benedikt Kempkes zeigte prompt auf den Elfmeterpunkt, doch nahm der Referee die Entscheidung zurück, als Bastians bei der Befragung eingeräumt hatte, dass es keinen Kontakt gegeben habe. „Und wenn der Schiedsrichter mich fragt, kann ich das nicht bejahen. Es ist ein hartes Profigeschäft, aber Ehrlichkeit währt am längsten.“ Der 29-Jährige führte hernach aus, dass er sich als Angestellter eines Vereins, der Respekt und Fairplay predige, der Wahrheit verpflichtet fühlte. „Es war selbstverständlich für mich, nicht zu lügen. Wir haben alle eine Vorbildfunktion.“ Der Unparteiische verzichtete vielleicht auch deshalb auf eine gelbe Karte.

Bemerkenswert das Eingeständnis in Zeiten, in denen moralische Werte im Profifußball gerne mit Füßen getreten wird. Der gebürtige Bochumer gab sich erleichtert, dass seine Mannschaft die Begegnung durch die späten, sehenswerten Treffer von Dimitros Diamantakos (81.) und Robbie Kruse (86.) noch drehen konnte. „Ich hätte mir sonst einiges anhören müssen. Ich bin froh, dass es gut für uns ausgegangen ist.“

Frings-Kollege Ismail Atalan gab erstaunlicherweise – ebenso offenherzig – zu Protokoll, er habe im ersten Moment gedacht, sein Spieler „habe einen an der Waffel.“ Der VfL-Trainer erklärte, er wolle auch in Zukunft weder zu Täuschungsversuchen noch zu Zugeständnissen dieser Art auffordern – es greift das Prinzip des mündigen Profis, der für sich selbst entscheidet. Atalan lobte den anständigen Sportsmann in seinen Reihen: „Dazu gehört sehr viel Mut und Respekt.“

Die Lilien brechen ein

Dass so viel Fairness den vollen Punktelohn brachte, lag indes auch einer Darmstädter Mannschaft, die nach Dafürhalten von Kapitän Aytac Sulu „die mit Abstand schlechteste Halbzeit der Saison spielte.“ Die passive Spielweise, das zögerliche Zweikampfverhalten, die fehlende Kontrolle nach Wiederanpfiff – das alles sei „schwer zu verdauen“, schimpfte der konsternierte Kapitän, der fehlende Einstellung in seinen Reihen ausgemacht hatte. Das Team sei nach dem Wechsel nur bei 60, 70 Prozent gewesen: „Wir haben alle einen Schritt weniger gemacht, jeder hat sich auf seinen Kollegen verlassen.“

Genauso hart ging Frings mit seinen Mannen ins Gericht, die nach dem Führungstor in einer guten Anfangsphase – Sulu köpfte nach Ecke von Tobias Kempe in fast schon bewährter Manier für die Lilien ein (24.) – förmlich um den ersten Dämpfer der jungen Zweitliga-Saison bettelten. Einem „richtig guten“ Auftritt in der ersten Hälfte habe sich ein zweiter Durchgang angeschlossen, „in dem wir das Ergebnis nur verwalten wollten – es ging gar nichts mehr nach vorne.“ Marvin Mehlem konnte auf der Zehner-Position nicht annähernd seine gute Leistung aus Duisburg bestätigen; Artur Sobiech zeigte als einzige Spitze eine dürftige Darbietung.

Insgesamt wirkte es bei den Südhessen so, als habe – abgesehen von Torwart Daniel Heuer Fernandes – niemand die Länderspielpause wirklich gutgetan. Frings durfte sich im Grunde mit seiner These bestätigt fühlen, dass das Leistungsgefälle in zweiten Liga nur gering ist. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen.“ Der Rückschlag sei gewiss nicht nötig gewesen, sagte der 40-Jährige. Gleichwohl kommt der Dämpfer vor dem nächsten Heimspiel gegen Arminia Bielefeld nicht ganz ungelegen, um wieder die Sinne für einige verlustig gegangene Elementartugenden zu schärfen. Das faire Resultat tut also vielleicht sogar doppelt Gutes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion