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Sammelte bisher nur als Jugendtrainer in Bochum Erfahrung an der Seitenlinie: Dimitrios Grammozis.

Dimitrios Grammozis

Darmstadt 98 geht ins Risiko

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Ex-Profi Grammozis soll die Lilien vor dem Abstieg bewahren - am Samstag gegen Dresden sitzt er aber noch nicht auf der Trainerbank.

Einen Schnellschuss, das ist klar, wollten sie beim SV Darmstadt 98 lieber nicht riskieren. Diese eine Entscheidung sollte genau überlegt, bis ins Detail ausdiskutiert und von allen Seiten beleuchtet sein. Schließlich dürfte es nicht mehr und nicht weniger als die wichtigste der ganzen Saison sein. Wer folgt als Trainer auf den schon am Montag entlassenen Dirk Schuster? 

Bereits am Donnerstagabend sickerte durch, wie die Antwort der Darmstädter Führungsetage lautet: Dimitrios Grammozis. Der ehemalige Profi, der unter anderem für den Hamburger SV, den 1. FC Kaiserslautern und den 1. FC Köln kickte, soll die Südhessen zum Klassenerhalt in der zweiten Liga führen. Offiziell bestätigt wurde der Vertragsabschluss mit dem gebürtigen Wuppertaler zwar noch nicht, der VfL Bochum, bei dem sich Grammozis für die U19 zuständig zeichnet, berichtete aber zumindest über die Kontaktaufnahme der Lilien. „Dimi hat uns vom Darmstädter Interesse erzählt. Es ist sein Wunsch, eine Einigung zu erzielen, da er bereit wäre, das Angebot anzunehmen“, sagte der Bochumer Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz. Um zu einer finalen Entscheidung zu kommen, „bedarf es aber weiterer Gespräche“. 

Grammozis war als Spieler ein kerniger Typ. Ein Abräumer vor der Abwehr, der die gegnerischen Spielmacher nerven konnte. Der sie piesackte, wo es nur ging, der eklig verteidigte, fußballerisch aber sicher nicht der allerfeinste seiner Zunft war. Trotzdem brachte er es auf 143 Erst- sowie 65 Zweitligaspiele. Grammozis wurde schon immer die Denkweise eines Trainers nachgesagt, er teilte auf dem Feld seine Kollegen lautstark ein, er war ein echter Anführer. Entsprechend wenig überraschte es, als er nach seiner aktiven Karriere auf dem Feld in eine aktive Rolle an der Seitenlinie schlüpfte. In Bochum arbeitete er seit 2012 in der Jugendabteilung. Erst als Trainer der U15, dann der U17, seit Oktober 2019 bei der U19. Die A-Junioren der Bochumer stehen zurzeit in der Bundesliga West auf einem guten vierten Rang, hinter den fußballerischen Schwergewichten Schalke, Dortmund und Köln.

Parallel zu seinem Trainerposten beim VfL absolvierte Grammozis ab 2017 seine Ausbildung zum Fußballlehrer beim DFB. Vergangenen März schloss er diese erfolgreich ab – unter anderem zählten Ex-Eintracht-Profi Francisco Copado und der heutige Trainer von Kickers Offenbach, Daniel Steuernagel, zu seinem Ausbildungsjahrgang. Grammozis hospitierte in dieser Zeit auch beim deutschen U21-Nationalcoach Stefan Kuntz. „Das war für mich eine unglaublich intensive Zeit, ich habe viel mitnehmen können und mich weiterentwickelt“, sagte der 40-jährige Trainernovize damals. 

Freilich wäre die Verpflichtung von Grammozis trotz diese Fachkenntnisse für die Darmstädter dennoch eine risikoreiche. Der Mann mit dem markanten Kinnbart und den kurzgeschorenen Haar hat noch nie eine Profimannschaft eigenverantwortlich betreut, einzig als Assistent war er kurzzeitig für die Bochumer Zweitligakicker zuständig. 

Auch wird er heute, wenn die Lilien um 13 Uhr im wichtigen Heimspiel auf Dresden treffen, noch nicht seine Kompetenz einbringen können. Das Spiel gegen Dynamo soll stattdessen Interimscoach Kai Peter Schmitz wuppen. Der 47-Jährige, der schon zum Trainerstab unter Schuster zählte und bei den Profis hoch angesehen ist, hatte schon die komplette Woche die Trainingseinheiten gestaltet. Die veränderte Situation, die plötzliche Hauptverantwortung, wenn auch wohl nur für ein Spiel, kostet Schmitz der eigenen Aussage nach ziemlich Kraft: „Ich habe nur wenig Schlaf bekommen in dieser Woche, entsprechend groß sind meine Augenringe“, sagte er auf der gestrigen Pressekonferenz, nahm die auf ihn übertragene Last aber durchaus mit Humor: „Aber dann habe ich halt die Creme meiner Frau benutzt.“ 

Ernst wurde Schmitz, als es um die Bedeutung des heutigen Spiels gegen Dynamo ging. Die Darmstädter haben vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone, liegen ihrerseits drei Zähler hinter Dresden zurück. Ein Heimsieg würde vor allem Dimitrios Grammozis den Einstieg, wenn es denn so kommen sollte, doch erheblich erleichtern. „In der Kabine sitzt kein Spieler, der nicht gewinnen will“, so Schmitz: „Die Mannschaft nimmt sich selbst extrem in die Pflicht, der Willen, das Spiel zu gewinnen, ist in jedem Gespräch spürbar.“ Verzichten muss der Übergangstrainer gegen Dresden auf Mittelfeldmann Slobodan Medojevic und Stürmer Felix Platte.

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