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Dimitrios Grammozis, Trainer des SV 98, ist trotz der großen Auswärtsschwäche zuversichtlich.

SV Darmstadt 98

„Diese Spiele machen den Fußball aus“

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Die Partie in Magdeburg ist für den SV Darmstadt 98 Chance und Risiko zugleich - Trainer Grammozis ist „total positiv“.

Zittern oder Aufatmen? Risiko oder Chance? Abstiegskampf oder Quasi-Rettung? Wenn der SV Darmstadt 98 am Samstagmittag (13 Uhr) beim 1. FC Magdeburg antritt, dann weiß der neutrale Beobachter nicht so recht, auf welche Seite das Pendel für den südhessischen Zweitligisten ausschlagen könnte. Wenn der neutrale Beobachter dann aber Dimitrios Grammozis zuhört und ihn bei seinen Einschätzungen tief in die Augen blickt, fallen die Antworten schon deutlich leichter.

Grammozis‘ Blick ist stets nach vorne gerichtet, nie ausweichend, die Worte, die er mit kräftiger Stimme spricht, versprühen pure Zuversicht. „Wir haben genau gewusst, dass der Klassenerhalt keine einfache Geschichte wird und dass wir bis zum Ende fighten müssen. Aber wir sind bisher immer gut damit gefahren, positiv zu bleiben.“ Und weiter: „Ein enges, volles Stadion, lautstarke Fans auf beiden Seiten, ein wichtiges Spiel, man wird auch emotional gefordert – das macht doch den Fußball aus, deshalb spielen wir Fußball.“ Da scheint jemand bereit für den Knaller in Magdeburg.

Dabei ist die Ausgangslage für die Lilien eine durchaus verzwickte: Als Tabellen-13. sammelten die Darmstädter in bislang 28 Partien 33 Punkte, das sind sechs mehr als der Gegner aus der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, der mit 27 Zählern auf dem drittletzten Platz, dem Relegationsrang, liegt. Heißt: Verlieren die Darmstädter in Magdeburg, schrumpft der Vorsprung auf drei Pünktchen, die Lilien wären wieder mittendrin im Abstiegskampf. Da könnte einem schon mal die Düse gehen. Nicht so bei Grammozis, er sagt: „Ich bin nicht nervös. Die Jungs sind gut drauf.“ Allerdings werden der gelbgesperrte Mittelfeldmann Yannick Stark, der am Oberschenkel wegen eines Hämatoms operierte Abwehrchef Marcel Franke und wohl auch der kränkelnde Spielmacher Marvin Mehlem fehlen.

Gewinnen die Darmstädter aber tatsächlich, wäre die ersehnte Rettung bei dann neun Punkten Vorsprung auf den FCM quasi fix. Grammozis dazu: „Unsere aktuelle Punktzahl reicht nicht, aber wir haben die Qualität und Mentalität, um die nötigen Zähler noch zu holen.“

Auch in der Fremde? Nun ja, rein statistisch sieht es da alles andere als prickelnd aus. Gerade mal neun Zähler holten die Darmstädter, wenn sie ihrem so innig gemochten Bölle den Rücken kehrten. Auswärts ist in dieser Saison keine Mannschaft schlechter. „So etwas steht immer nur auf dem Papier, daran verschwenden wir keine Gedanken“, entgegnet Grammozis allen Zweiflern, die Stimme kräftig, der Blick selbstbewusst, schließlich habe seine Mannschaft ja auch dem einstigen Bundesliga-Dino und heutigen Zweitliga-Riesen Hamburger SV vor einigen Wochen in deren Volksparkstadion bezwingen können. Warum also auch nicht den Drittletzten in dessen Arena? „Ich bin total positiv.“ Zumal die Spieler wüssten, wie es in Magdeburg funktioniert.

Positive Erinnerungen

Gemeint ist das erste Pflichtspiel dieser Saison. Da war Grammozis zwar noch nicht in Darmstadt der Cheftrainer, sondern beim U19-Nachwuchs des VfL Bochum. Sehr wohl hat er aber mittlerweile mitbekommen, dass die Lilien in der ersten Runde des DFB-Pokals dank eines frühen Elfmetertores von Tobias Kempe in Magdeburg mit 1:0 gewannen – begleitet war die Begegnung von einem Polizeieinsatz gegen Lilien-Anhänger, auf beiden Seiten gab es Verletzte.

Auch diesmal werden die Beamten wachsam sein, raten den anreisenden Anhängern aus dem Hessenland lieber auf ihre Fankleidung zu verzichten, da der Gästeeingang aufgrund von Bauarbeiten an den der Heimfans grenzt. „Es wird eine heiße Atmosphäre“, schätzt auch Grammozis, „aber unsere Jungs sind erfahren genug, um mit solchen Situationen umzugehen. Es wird wichtig sein, neben Emotionen und Leidenschaft auch Ruhe auf dem Platz zu haben und unseren Plan umzusetzen.“

Ein Plan, der – so er den aufgeht– das Pendel zugunsten des SV Darmstadt ausschlagen lassen soll. Damit die Lilien nach Abpfiff kräftig aufatmen und die Quasi-Rettung feiern können.

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